Wie gesagt, mir hat der Film ganz gut gefallen. Vielleicht auch deswegen, weil ich das Buch von Johannes Mario Simmel (noch) nicht gelesen habe und ich diesen Vergleich nicht anstelle.
Als Nina Proll Fan kaufte ich mir die DVD um vorwiegend sie und ihre schauspielerische Leistung zu sehen: und sie ist super: Leidenschaft, Härte, Güte, Weiblichkeit und Kühle, alles sehr ausdrucksstark. In eher kürzeren Sequenzen bringt sie die zu vermittelnden Grundgefühle auf den jeweiligen Punkt. Für mich ein Fest. Und bei Iris Berben steigt mir die Erinnerung in den Kopf, als sie noch eine der beiden himmlischen Töchter (1978) war. Aus ihrer damaligen Zeit gesehen, nun ein Spätwerk. Für mich wirkt sie ziemlich überzeugend in der Rolle der Sibylle Loredo, einer fiktiven Randfigur aus den Tagen der RAF, einer Frau, die eigentlich aus Liebe in die Story, als unfreiwilligen Terroristenhelferin schliddert. Als Frau Berben hat auch sie damals die bleierne Zeit in Deutschland erlebt und interpretiert nun mit dem ihr eigenen Stil eine Frau, die sich in eine Spirale der Verweiflung ob ihrer unschönen Lebensumstände, d.h. Leben im Untergrund, begibt, in der sie insgeheim den Verlockungen der schönen bürgerlichen Seiten eines geordneten Lebens nachtrauert. Gesponsert wird ihre doch lebensverachtende Haltung einzig von ihrer Unfruchtbarkeit. Gerade weil sie in der Rolle nicht hundertprozentig überzeugend wirkt, kommt ein unterschwelliges Beklemmungsgefühl auf, so dass gut rüberkommt, dass sie sich selbst nicht richtig wohl in ihrer Rolle fühlt, bzw. fühlen würde, wenn es in Realität so wäre. Sie vermenschlicht die Terroristinnen oder Aktivistinnen von damals. Ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung. Und die fehlenden politische Parolen aus ihrem Munde lassen sie so reingezogen wirken, entrissen ihrem eigentlichen Herzenswunsch, nämlich gerne Mutter und Hausfrau geworden zu sein, mit einem gut verdienenden Mann und ein paar hübschen Kindern und dem Häuschen im Grünen und gerne vielleicht auch im Salzburger Land.
Insgesamt wirkt der Film durch viel Salzburger Lokalkolorit und erinnert an Silentium mit Josef Hader. Noch mehr Verbindung schafft die Rollenparallele von Johannes Silberschneider, der in beiden Filmen einen Kommissar spielt. Peter Simonischek spielt gut, ist für mich aber mehr Beiwerk.
Die düstere Gesamtstimmung des in Rückblenden erzählte Filmes wirkt wie eine unterkühlte Fortsetzung der verlorenen Ehre der Maria Blum. Und da es kein happy End gibt, spekuliere ich auf den nächsten Film seiner Art und lege zur Überbrückung gleich noch mal Silentium ein.
Mir ist er 4 Sterne wert, ich war gut unterhalten, trotz kleinen Schwächen.