Matthias Rüb weiß, wovon er schreibt. Für die etablierte und renommierte FAZ hat er seit 1989 gearbeitet, zunächst in Feuilleton, dann von 1994 bis 2002 als Korrespondent für Mittel- und Südosteuropa, dann ab 2002 für Nordamerika. Schon in seinem letzten Buch "Der atlantische Graben. Europa und Amerika auf getrennten Wegen" ( 2004 ) hat er versucht, seinem europäischen bzw. deutschen Lesepublikum die USA zu erklären.
In seinem neuen Buch, gerade rechtzeitig zur Endphase des Wahlkampfes zur nächsten US-Präsidentschaft erschienen, setzt er diese Erklärung fort und vertieft sie an einem ganz speziellen Thema: "Religion und Politik in den USA."
Denn in keinem anderen westlichen Land spielt die Religion eine solch wichtige Rolle in der ganzen Gesellschaft und deshalb auch in der Politik. Weit über die Hälfte aller Amerikaner, völlig unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht oder ihrer Bildung finden es eminent wichtig, dass ihr Präsident an Gott glaubt. Doch nicht nur das, er muss tief religiös sein oder zumindest so tun.
Eine solche Gesellschaft wie die der USA hat eine Unzahl von Kirchen und religiösen Gruppen hervorgebracht in allen möglichen Varianten. Varianten von christlichen Kirchen, die Mormonen, das Judentum ( es leben mehr Juden in den USA als in Israel ), den Islam bis hin zum Buddhismus und dem Hinduismus.
Matthias Rüb analysiert die wichtigsten unter ihnen, darunter auch die "Trinity United Church", aus der Barack Obama stammt und Louis Farrakhans "Nation of Islam". Besonderes Augenmerk legt er auf die enorm wachsenden evangelikalen Mega-Churches und ihre charismatischen Prediger, deren Einfluss und Macht in der amerikanischen Gesellschaft schleichend aber spürbar immer größer wird.
Ohne die Kenntnis dieser in diesem Buch gut und verständlich dargestellten Zusammenhänge kann man die Supermacht USA und ihr Verhalten in der Welt ( z.B. den Irakkrieg und den Kampf gegen den islamistischen Terror ) nicht verstehen.
Matthias Rübs These ist letztlich, "nur auf Grund der christlich motivierten Überzeugung ein auserwähltes Volk zu sein und die eigenen Werte in einer Art Weltmission über den Erdball verbreiten zu müssen, sei es den USA gelungen, in den vergangenen zwei Jahrhunderten eine so entscheidende Rolle zu spielen."
Ob das der Welt und den anderen Ländern und Kulturen immer gut tat, oder ob sich in solchem Missionseifer nicht auch dramatische Fehlentwicklungen äußern und materialisieren, diese Überlegung und Bewertung leistet das Buch nicht, will es auch gar nicht. Vielleicht wird das ein Thema eines nächsten Buches dieses hervorragenden Journalisten.