In seinem ersten Rundschreiben befasst sich Papst Benedikt XVI. mit dem Thema Liebe. Er stellt unter anderem seine Sichtweise über die Bedeutung körperlicher Liebe für eine Partnerschaft vor. Der Liebe in caritativen Diensten ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Sein Schreiben ist an Bischöfe, Priester und Diakone sowie alle Christgläubigen gerichtet. Diese Ausgabe beinhaltet drei Kommentare.
Im ersten Teil nähert sich Benedikt XVI. dem Thema Liebe über Betrachtungen zum Gegensatzpaar Eros und Agape. Er achtet die grundlegende Bedeutung der Sexualität für eine Partnerschaft. Sie entspringt der Schöpfung. Für eine glückliche Partnerschaft besteht die Kunst darin, angemessen mit ihr umzugehen. Wenn sich die Kraft der Sexualität einseitig entfaltet, vereinnahmt sie den Partner, wird allzu schnell zur Eigensucht. Unter Agape wird eine selbstlose Liebe verstanden. Sie fördert die Lebensqualität des Partners und ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. In diesem Sinne greift sie tiefer, wirkt beständiger. Beide Formen der Liebe unterscheiden sich grundlegend, finden jedoch in einer harmonischen Beziehung zur Einheit.
Anschließend wird das Wirken Jesu Christi erläutert. Betrachtungen zur Gottes- und Nächstenliebe runden den Themenkreis ab.
Der zweiten Teil befasst sich ausführlich mit der menschliche Güte gegenüber dem Nächsten:
- vielfältige Strukturen caritativen Handelns
- das spezifische Profil kirchlicher Träger
- menschliche Vorbilder
Zu den Kommentaren:
Bischof Wolfgang Huber beschränkt sich auf Überlegungen zur Caritas ' als Liebestum der Kirche, wie es Benedikt XVI. nennt. Mit wissenschaftlicher Präzision analysiert er den Text und stellt am Ende fest: die Vernunft eines Einzelnen reicht nicht aus, Liebe vollständig zu verstehen.
Metropolit Augoustinos Labardakis nennt seinen Beitrag einen Brief eines Mitbruders im Bischofsamt. Er vergleicht das Lesen des Textes mit dem Hören einer guten Musik. Dabei bezieht er sich auf die Kunst der Fuge, spricht von kontrapunktischen Schritten, in denen das Grundmotiv 'Liebe' variiert wird. Während die musikalische 'Kunst der Fuge' nie abgeschlossen wurde, stuft er die Enzyklika des Heiligen Vaters als vollendet ein.
Karl Kardinal Lehmann setzt sich umfassend mit dem Text auseinander. Er beschreibt ausgewogen die Stärken und Schwächen des Textes, weist darauf hin, dass Begriffe wie Liebeskunst nicht zeitgemäß sind und damit missverständlich wirken. Mit seinem Beitrag ermutigt er zum offenen Dialog.
Die Kommentare im Zeichen der Ökumene sind ein erster Schritt zum Gespräch über die Liebe. Im Vordergrund steht die Standortbestimmung der katholischen Kirche. Benedikt XVI. hat allein durch die Themenwahl eine Welle in Bewegung gesetzt, die hoffentlich weite Kreise ziehen wird. Liebe betrifft jeden Menschen in seinem tiefsten Inneren.
'Wo Liebe ist und Güte, da ist unser Gott' heißt es in einem Gesang aus Taizé. In diesem Sinne darf jeder Mensch göttliche Liebe erfahren, wo er selber bereit ist, sie zu geben oder zu empfangen.