"Gott ist meine Lieblings-Science-Fiction-Figur.", das ist ein Ausspruch von Homer Simpson. Der französische Autor Marc-Antoine Mathieu ist in seinem Comic / seiner Graphic Novel respektvoller und nicht blasphemisch wie Matt Groenings Figur Homer.
Anders als bei Garth Ennis Preacher
Preacher, Band 7: Einsam sind die Tapferen, in dem Gott eher verspottet wird und auch ganz anders als in Will Eisners Ein Vertrag mit Gott
Ein Vertrag mit Gott: und andere Geschichten: Miethausgeschichten, in dem Gott nie sichtbar in die Handlung eingreift, ist Mathieus Gott ein zurückhaltender, höflicher, allwissender, älterer Herr.
Der Zeichenstil des Autors erinnert an Richard Corben, nur eben in Schwarz-Weiss. Sehr atmosphärisch und mit vielen beeindruckenden Szenen, etwa der Traumsequenz, bei einem etwas an Sigmund Freud erinnernden Psychiater, der meint Gott besser zu kennen, als der sich selbst.
Zitate von Pascal, Lessing, Einstein und Satre werden in die Dialoge eingeflochten und werfen sehr interessante Fragen auf. Aber diese Graphic Novel ist nicht erdrückend kopflastig, sondern auch mit mal mehr, mal weniger feinem Humor versehen. Die Vermarktung Gottes wirkt mitunter etwas zu grotesk. Die vorherrschende Stimmung von "Gott Höchstselbst" ist wohltuend ruhig. Eine kluge, satirische Meditation über Gott, die Menschheit und über den Starkult. Ähnlich wie in den Romanen "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams wird auch in diesem Buch ein Grossrechner gebaut, um Gott auf Augenhöhe begegnen zu können. Der Schlussgag der Geschichte passt sehr gut zur aktuellen i-Pad Euphorie. Mehr wird nicht verraten.
Medien, Soziologen, Psychologen, Naturwissenschaftler, erstaunlicherweise keine Theologen, dafür um so mehr Marketingfachleute und Juristen - Gott wird wahrlich heftig bedrängt in dieser Geschichte. Seine diversen Publikationen sanieren den Buchhandel, seine Auftritte in Stadien sind Mega-Events.
In der Bibel steht, dass sich der Mensch kein Abbild von Gott machen soll. In Mathieus Werk wird der Allmächtige aus anderen Gründen verschwommen dargestellt - eine Marketingagentur hält die Rechte am Bild Gottes und untersagt die öffentliche Verbreitung. Sehr amüsant ist auch die Verschwörungstheorie, in der das allsehende Auge, das Symbol Gottes, mal ganz anders interpretiert wird - einer der lustigsten Momente in diesem Comic!
Amüsant und in ganz anderem Licht erscheint nach der Lektüre dieses sehr empfehlenswerten Comics der 90er Hit von Joan Osborne: One of us.
One Of Us What if god were one of us?
125 Seiten, Softcover, s/w, Originaltitel: Dieu en personne, Übersetzung: Kai Wilksen