Ich halte das Buch für sehr wertvoll, weil es zeigt, dass der Kongo nicht die "grüne Hölle" ist, sondern ein Land in großen Schwierigkeiten aber mit "normalen" Menschen in ihm.
Am meisten gefallen hat mir dir Beschreibung ihrer Reise in den West-Kasai, wobei sie einen Begleiter hatte, der auf einer Art politischer Wahlreise war. Sie zeigt, dass man reisen kann, wenn auch mit großen Schwierigkeiten. Wobei es sich hier um ein Gebiet handelt, dass keine Probleme mit Rebellen oder marodierenden Soldaten hat, sondern die üblichen Probleme mit einer kaum vorhandenen Infrastruktur und einen kaum vorhandenen Staat.
Im Osten des Kongos sind die Probleme anders gelagert, hier sind bewaffnete Auseinandersetzungen ein großes Problem. Die Autorin bietet dem Leser dabei eine besonders interessante Schilderung: sie begleitet einen Kongolesen, der 18 Jahre in Deutschland gelebet hat, dort studiert hat, an großen Bauprojekten beteiligt war, eine Familie hat, auf seinem Weg. Dieser Mann kehrte zurück, um als Politiker am Aufbau seiner Heimat mit seinen Kenntnissen und Wissen zu helfen. Und man erfährt, welchen Grenzen und Problemen er sich gegenüber sieht, wo er (bescheidenen) Erfolg hat und wo seine europäischen Vorstellungen nicht zu verwirklichen sind.
Mit manchen Wertungen der Autorin muss man nicht einverstanden sein, manchmal hätte ich mir mehr Details (vor allem Literaturhinweise gewünscht), aber das mindert den Wert des Buches kaum, es ist ja auch kein wissenschaftliches Buch sondern eher ein niveauvoller Journalismus. Mehr "trockene" Details findet man in "Kongo: Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens" von Dominic Johnson.
Absolut lesenswert!