Dorothee Sölle weilt nun nicht mehr unter uns und schon wird sie wieder ganz interessant für uns.
Warum? Weil sie sich in ihrem Leben eingesetzt hat für das, was dem Menschen dienen kann, nämlich für ein "Gott denken", besser gesagt, "Gott lieben".
Das hört sich auf den ersten Hieb an, wie: na schön, so kann man es auch sagen. Und es ist doch wiederum wahr.
Dieses Buch hier ist aus einer öffentlichen Vorlesungen entstanden, die sie 1987/88 an der Gesamthochschule Kassel hielt. Und es ist auch ganz systematisch aufgebaut, also verständlich.
Ganz zu Anfang gibt die Autorin zu verstehen, daß der Terminus Theologie für sie zu einer Frage wurde, als Martin Buber sie bei einem Besuch in Jerusalem einmal fragte: "Theo-logie, wie machen Sie das eigentlich?"
Eine gute Frage, wie ich meine, und da sind wir auch gleich beim Thema. Kann man/frau denn die Bezeichnungen theos (Gott) und logos (Wort,Lehre) eigentlich zu Theologie zusammenschmieden und sollte man nicht lieber von Theosophie oder gar Theophilie reden, wenn man "Gott" bemüht?
Dorothee Sölle war ja auch ein streitbare Frau und hat sich wirklich eingesetzt für eine gerechtere Welt, für die Befreiungstheologie im weitesten Sinn und so will ich garnicht weiter auf Einzelheiten in diesem ausführlichen Werk eingehen, das sie demütig mit einer "Einführung in die Theologie" untertitelt hat.
"Gott denken", ja, das ist es. Und den Menschen immer wieder in den Mittelpunkt stellen, das wäre es, was der Menschheit natürlich dienlich wäre, aber welcher Theologe sagt das auch mutig immer wieder von der Kanzel?
Luther täte es bestimmt, Leonardo Boff tut es zum Beispiel, genau wie Dorothee Sölle es getan hat.
Dieses Buch ist für wirklich interessierte Leser/Leserinnen geschrieben worden.