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5.0 von 5 Sternen
Ein Buch über Autorität und den Einfluss auf den Menschen., 28. April 2001
Von Ein Kunde
Die Worte „Gott“ und „Staat“ sind für Bakunin nur die Synonyme für einen einzigen Begriff : Autorität. Dies ist auch das hauptsächliche Thema des Buches "Gott und der Staat", die Autorität. Bakunin versucht hier ausführlich Antworten auf Fragen zu finden wie „Wo begegne ich einer Autorität?“ , „Welches Ziel verfolgt sie?“ , „Welchen Wirkung hat die Autorität auf den Menschen, der ihr untersteht?“ , „Welchen Einfluss auf den, der sie ausübt?“ und auch „Wie kann ich mich zu Wehr setzen?“. Dabei konzentriert Bakunin sich nicht nur an der Rolle von Staat und Kirche, sondern geht auch auf andere allgegenwärtige Autoritäten ein wie die der Gesellschaft gegenüber dem Individuum, der Gelehrten gegenüber der unwissende Mehrheit, der modernen Wissenschaft gegenüber dem natürliche Leben. Natürlich widmet sich Bakunin, als bekennender Atheist, auch intensiv der Rolle und den Glaubenssätzen des Christentums. Hier offenbart sich dem Leser eine „leidenschaftliche“ Feindschaft zwischen Bakunin und den Vertretern der Theologie und Metaphysik. Er geht auf verschiedenste fundamentale Aussagen dieser Vertreter ein und versucht sie Stück für Stück zu widerlegen. Hauptziel Bakunins dürfte hier das Ausrotten sämtlicher kirchlicher Dogmen sein, die gerade zu seiner Gegenwart, trotz der vorangegangenen Epoche der Aufklärung, einen enormen Machteinfluss auf die Menschen hatte. Daher ist es für mich verständlich, dass Bakunin eng an den bildlichen Inhalten und Metaphern des Christentums entlang argumentiert, die teilweise mehr als nur widersprüchlich erscheinen. Versucht man die übernatürlichen und göttlichen Metaphern der Bibel und ähnlicher Werke allerdings zu interpretieren, stößt man selbst als überzeugter Atheist auf kurz oder lang doch auf sinnvolle und noble Denkansätze. Meines Erachtens kommt dieser Aspekt des Christlichen Glaubens in diesem Werk zu kurz, ich kann es dem Autor aber nicht vorhalten, da solche Interpretationen auch heute noch von den meisten Atheisten genauso wenig Beachtung finden, wie von den meisten Gläubigen, die sich mehr auf den genauen Wortlaut der Bibel konzentrieren. Um so mehr hat mich dafür begeistert, wie detailliert Bakunin die Probleme seiner damaligen Gesellschaft aufzeigt, die in vielen Punkten exakt oder in abgewandelter Form den heutigen entsprechen. Soweit ich das beurteilen kann, kommen in Bakunins Forderungen nach Freiheit, Selbstbestimmung und Menschlichkeit keine Einseitigkeiten vor, denn Bakunin spricht sich ebenso gegen Vormachtstellung eines Wohlhabenden gegenüber einem sozial Schwachen aus, wie auch gegen die Vormachtstellung eines intelligenten, erfahrenen Gelehrten gegenüber einem absolut unerfahrenen Bürger der Unterschicht. Eindruck hinterlassen haben ebenfalls die von Bakunin gewählten Definitionen der Freiheit : 1. „Für den Mensch bedeutet frei sein, von einem anderen Menschen, von allen ihn umgebenden Menschen, als frei anerkannt, betrachtet und behandelt zu werden“ 2. „Nur dann bin ich wahrhaft frei, wenn alle Menschen, die mich umgeben, Männer und Frauen, ebenso frei sind wie ich.“ Bakunin beschreibt seine Gedanken nicht in dem trockenen Tonfall eines realitätsfernen Akademikers, sondern ermutigt durch eine lebendige und verständliche, teilweise sogar zynische Sprache, die mir bereits aus kurzen Auszügen bekannt war. Sicherlich ist Bakunins Werk „Gott und der Staat“ ebenso wenig für Leser geeignet, die ab der ersten Unstimmigkeit mit dem Autor, ein Buch sofort in die Ecke werfen, wie auch für solche, die jedes einzelne Wort des Autors als richtig und unanfechtbar auffassen. Erst durch die verschiedenen Textstellen, die entweder Zustimmung finden oder scharfe Kritik erfordern, erhält dieses Werk einen hohen Wert. Ich möchte daher allen, die sich für die Thematik des Sozialismus, insbesondere des Anarchismus, interessieren dieses Buch ans Herz legen, da es selbst Herz besitzt.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Stark gekürzte Ausgabe, 12. September 2008
Ohne im Vorwort oder an anderer Stelle darauf hinzuweisen, handelt es sich bei dieser Ausgabe um eine stark gekürzte Version der Schrift Bakunins. Übriggeblieben ist gerade mal EIN VIERTEL (!) des Gesamtumfangs. Der vollständige Text findet sich in Band 1 der Gesammelten Werke aus dem selben Verlag. Diese Ausgabe hier ist jedenfalls unbrauchbar.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine umfassende Streitschrift gegen Religion und Staatsgewalt, 5. April 2009
Dieses Buch (meine Ausgabe) enthält viele Fakten (meist von Max Nettlau) über die Person Michail Bakunin, inklusive der Umstände seines Todes (was mich wirklich berührt hat), und seine Kerngedanken. Sein eigenes Werk, "Gott und der Staat", ist eine Mischung aus politischer Philosophie, Soziologie, Soziopsychologie, Gesellschaftskritik und Utopismus, die vielleicht für manchen schwer zu lesen ist. Bakunin zeigt die Parallelen auf zwischen Religion und Politik, zwischen Kirche und Staat, zwischen dem Glauben an Gott und dem Glauben an politische Autoritäten wie etwa die Regierung. Man findet auch interessante Gedanken über Bildung, Wissenschaft, Vernunft und so weiter. Stellenweise wird das Buch etwas langweilig, wenn er sich in ellenlangen zynischen Kritiken zeitgenössischer Denker ergeht; aber seine Widerlegungen häufiger Fehlinterpretationen des Anarchismus sind dann allerdings wieder sehr interessant.
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