Religion und Glaube sind heute wieder in aller Munde. In zahlreichen Talkshows und Büchern schmeißen sich Gegner und Befürworter der Religion die Argument für und gegen diese um die Ohren. Ein wenig spiegelt sich diese "ewige Auseinandersetzung" auch in dem vorliegenden Buch von Manfred Lütz wieder, der nicht verschweigt auf welche Seite er sich schlägt: pro Religion und mehr: pro Gott! Allein diese Tatsache wird im Zeitalter von Richard Dawkins "Gotteswahn" so manchen davon abhalten dem vorliegenden Buch etwas Konstruktives abgewinnen zu können, denn wer so klar und deutlich Stellung bezieht - so ein all zu oft anklingendes Argument - wird wohl kaum eine faire und reflexive Aufarbeitung des Themas erwarten lassen. So gesteht auch Lütz in diesem Buch ein, dass es sich um eine klar persönlich bestimmte Herangehesweise an das Thema "Gott" handelt, eine andere - so lautet eine Botschaft des Buches - ist gar nicht möglich. Lütz demonstriert, dass weder die Psychologie, noch die Philosophie mit ihren starren Götterbildern wirklich etwas über Gott aussagen können, Gott zu erfassen - was vollends nie gelingen kann -ist immer ein "Mehr" und hat im Wesentlichen mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Einen wesentlichen Teil des Buches nimmt die Auseinandersetzung mit dem Atheismus und der "Wissenschaft" ein, welche Lütz als die Hauptgegner der Religion in den vergangenen Jahrhunderten ausmacht. Kurz und knapp schildert er dabei die wesentlichen Formen des Atheismus von der Antike bis zur Gegenwart, zeigt aber auch an gegebenen Stellen dessen Schwächen auf. Nach Lütz ist der Atheismus heute eigentlich überwunden, da seine wesentlichen Argumente hinfällig geworden sind, was nach Lütz auch an der wissenschaftlichen Erkenntnis liegt, dass eigentlich keine streng allgemeingültigen Aussagen mehr gemacht werden können. Wer die Aussage "Gott gibt es nicht" propagiert, muss gleichfalls auch die Aussage "Gott gibt es" auf eine gleiche Stufe stellen und damit anerkennen.
Die Sprache von Lütz in diesem Buch ist sehr eingängig, d. h. vor allem locker und all zu oft (polemisch) flapsig. Die philosophischen/ psychologischen (atheistischen) Konzeptionen auf die eingegangen wird in diesem Buch, werden in wenigen Sätzen zusammengefasst, wobei man als Leser schonmal schlucken muss, wenn Freud, Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Augustin, Rahner u. a. sprachlich so frei und verkürzt abgehandelt werden. Hier zeigt sich aber zum Einen die Stärke von Lütz, nämlich jedermann/frau (!!!) die großen Denker der Weltgeschichte vereinfacht - aber korrekt - zu vermitteln, zum anderen verbirgt sich hier aber auch eine Schwäche des Buches, es fehlt manchmal etwas an Tiefe. Kenner der genannten Denker werden sich nicht immer zufrieden geben. Nach Lütz Eigenaussage (Nachwort) ist sein Werk aber von zahlreichen Experten gegengelesen, daher sind inhaltliche Fehler in der Darstellung ausgeschlossen, was m. E. auch zutrifft. Da das Buch für eine breite Öffentlichkeit verfasst ist, fehlen Literaturangaben und Register, was zumindest bei den zahlreichen Zitaten schmerzt, hier hätte man auch als wissenschaftlicher Laie gern das ein oder andere Mal gewusst, aus welchem Werk der großen Denker es stammt, bzw. in welchem Zusammenhang das Zitat im Originalwerk steht. Insgesamt eignet sich die Lektüre des Buches aber als ein guter Einstieg in die Auseinandersetzung zwische Religion, Wissenschaft und Atheismus und deren gegenseitigen Verquickungen, es ist aber auch persönlich, weshlab Lütz - zu Recht - keine Allgemeingültigkeit beansprucht, es bietet aber Argumente und Gedankengänge, die jeden einladen können, mit- und weiterzudenken, was auch selbsternannte Atheisten und Agnostiker ansprechen sollte.