Dieses Buch wurde von zwei Autoren geschrieben und ist daher nur schwer insgesamt zu bewerten, da sich beide Teile meiner Meinung nach qualitativ sehr unterscheiden.
Die Hälfte, die von Klaus Farin stammt, ist uneingeschränkt zu empfehlen. Anhand von Interviews mit Szeneangehörigen, Redakteuren bekannter Zeitschriften und auch mit Musikern verdeutlicht er was die schwarze Szene ausmacht: Das Leben in den Clubs und die Kleidung. Er spricht die kommerzielle Ausschlachtung der Szene genau so an, wie die Überschneidungen zu anderen Subkulturen wie den Rechtsradikalen aber auch im Gegenzug den Punks.
Sein Schreibstil bleibt dabei meistens sehr unvoreingenommen und neutral, doch durch die ironische Note, die er mit einfliessen lässt, bleibt das sehr unterhaltsam. Man kann seinen Teil des Buches also sowohl für Referate an der Uni (Soziologie z.B.) heranziehen, aber auch einfach zur angenehmen Unterhaltung lesen :-).
Wesentlich schlechter sieht dann der Teil von Wallraff, einer Sozialpädagogen und aktiven Szeneangehörigen aus. Man merkt zu deutlich, dass sie aus der Szene heraus schreibt und nicht auf eine Metaebene gehen kann. Vieles wird hier sehr beschönigt und unrealistisch dargestellt. Als Beispiel sei gegeben, dass Wallraff der Szene eine Vorliebe über Philosophie zuspricht, dabei aber verschweigt, dass in der Szene unter "Philosophieren" meistens ziemlich substanzloses Gefasel der Marke "Die ganze Welt ist schlecht, also bin ich Misanthrop." verstanden wird. Ebenso sieht es mit dem von Wallraff hervorgehobenen Interessse für Literatur oder Poesie aus, zwar schreiben viele Szeneangehörige Gedichte, aber über Floskeln mit der Qualität von "Mein Herz fühlt Schmerz" geht das ganze selten hinaus. Wallraff stellt die Schwarzen als Dichter und Denker da, was am Kern der Sache vorbeigeht, sie sind zwar auch keine Kunstbanausen, aber in diesem Bereich keineswegs bewanderter als vergleichbare Subkulturen wie die Hip Hop oder Techno Szene, sie erheben nur hier einen Anspruch, den sie einfach nicht erfüllen können.
Neben diesen sehr subjektiven Darstellungen, fallen auch einige stilistische Einordnungen und Unterteilungen auf, die Wallraff vornimmt. Einiges mutet unbeholfen an, etwa bezeichnet sie die Mittelalter Metal Band "Subway to Sally" als Dark Metal, "Lacrimosa" verordnet sie ebenfalls in dieser vollkommen unpassenden Sparte.
Insgesamt gebe ich also 3 Sterne, Klaus Farin's Teil ist sowohl für Szenekenner als auch Menschen die sich ein neutrales Bild verschaffen wollen absolut zu empfehlen. Der Teil von Kirsten Wallraff ist stark idealisiert und nur Personen ans Herz zu legen, die bereits selbst einen ausgeprägten Eindruck von der Szene gewonnen haben und somit in der Lage sind zu hinterfragen, wann die Autorin in subjektive Schwärmereien verfällt.
Alles in allem ist das Buch aber sein Geld wert und auch für den wissenschaftlichen Rahmen durchaus zu gebrauchen.