Das Fazit am Anfang: Mädels zwischen ca. 13- 20 Jahre, die noch nicht besonders viele Manga und Anime konsumiert haben -erst recht die mit Yaoi Einschlag- könnten von dieser Serie angetan sein. Allen anderen stell ich aber zumindest die Gefahr in Aussicht, dass für sie nur zu viel schon aus anderen Serien Altbekanntes aufgewärmt wird, und noch nicht mal soo sonderlich reizvoll aufgewärmt, als dass GoCara sie wirklich begeistern kann. Ein paar moralisch etwas fragwürdige Aspekte tun ihr übriges. So erging's jedenfalls leider mir bei diesem meinem ersten You Higuri Manga.
Wem diese Aussage schon reicht kann hier mit dem Lesen der Review enden, wer mein lauwarmes Empfinden noch ausführlicher begründet haben möchte ... hier kommt es ganz detailliert! Ich schreibe meine Eindrücke punkto Artwork, Charaktere, und Story.
Artwork: das geht am schnellsten, weil ich das auch mit am positivsten sehe - wenn man generell etwas für Shojo Stil übrig hat, könnte einem Higuris Strich gefallen. GoCara bietet einen Haufen Bishonen die von der Mangaka gerne stylisch in Pose geworfen werfen, shojo-typische expressionistische Effekte, shojo-typisch Gesichter in Großaufnahme; daneben werden aber löblicherweise auch sorgfältig ausgearbeitete Hintergründe und verschiedenste Blickwinkel nicht vernachlässigt. Rasterfolie kommt recht häufig vor, die Seiten scheinen aber nicht darin zu ertrinken" wie bei manch anderem Manga. Higuri versteht ihr Handwerk und erlaubt sich höchstens selten mal einen kleinen Schnitzer in der Anatomie.
Persönlicher Kritikpunkt wäre, dass es auf mich so wirkt, als läge der Mangaka sehr viel daran die Bilder möglichst cool wirken zu lassen, wodurch aber leider an Herz verloren geht. Mit der Coolness kommt echte Kühle. Dadurch wird man mit den Charakteren schlechter warm es ist schwieriger mit ihnen zu fühlen. Beim nochmaligen Durchlesen kürzlich hab ich die Story ab Band 2 dann aber doch als etwas wärmer empfunden, wobei ich den Kritikpunkt aber dennoch nicht ganz fallen lassen will - besonders was Band 1 angeht.
Auch hab ich ein bisschen den Verdacht dass Carlsen Band 1 und 2 im Vergleich zum Original einen Tick dunkler gedruckt hat, wodurch die Bilder ein wenig härter" scheinen - aber das ist wirklich nur ein Verdacht, ich habe das Original nicht zu Hand. Dennoch, summa summarum bekommt man von der rein zeichnerischen Seite schon ganz schön was für sein Geld zum Gucken geboten!
Charaktere: Hypted up von einer sehr positiven Rezension zu GoCara damals in der Mangaszene, und überhaupt hypted up von recht viel Positiven das ich über Higuri gelesen hatte kaufte ich mir Band 1 - und eine meine ersten Enttäuschungen war ... also, es war für mich vom Gefühl was zwischen Tragikomik und Leserverar*****, wie auch wirklich jeder, jeder Charakter 1:1 ohne eigenen Esprit in übliche Figurenschema passte, die wir schon aus x anderen Serien, sei es Manga oder darüber hinaus, kennen.
Ein dominanter-dreister Bishonen mit versteckten Herz am rechten Fleck? Check.
Ein sanfter zarter Bishonen? Check.
Ein drolliger Sidekick für Comic Relief (hier mal weiblich)? Check.
Ein freches Kind das ständig gerettet werden muss aber sooo süß (würg) ist? Check.
Ein Detektiv, der mit ganzer Seele danach lechzt den Meisterdieb festzunehmen? Check.
Später ein eiskalter Oberbösewicht-Bishonen? Check.
Und immer so weiter. Ja, im Laufe der Bände kommen die Charaktere einem näher, sie erhalten mehr Tiefe. So wie in anderen Serien auch, die sich ihren Charakteren für etwas längere Zeit widmen. Aber kein Gramm mehr als unbedingt nötig, und auf leider recht vorhersehbare Weise. Ich weiß, wirklich neue Storyelemente sind heutzutage selten, wohl fast alles war schon mal irgendwie da. Serien haben es daher zur Aufgabe, aus ihrer Art der Wiedergabe der Elemente etwas Eigenes, Frisches zu machen. GoCara versagt hier. Wirklich schlecht will ich es nicht nennen, aber es hat eben nichts, was einem nicht schon woanders bereits häufig, und da teils sogar ansprechender begegnet ist. Gerade die unter Artwork" erwähnte Coolness-Kühle trägt wohl noch zusätzlich zu diesem Problem bei. Und Hey, sogar die Namen hauen ziemlich kräftig in die so bekannten Klischeekerben. Natürlich heißt der Bishonen-Held als Meisterdieb Noir, und mit bürgerlichen Namen Ray Balzac Courlande. Natürlich heißt das Kind Petit Noel, und sein Stofftier Teddy Doo. Natürlich heißt der (Bishonen) Bösewicht Azura. Und etc. .
Die Story: vordergründig geht es um die Jagd nach Schätzen, eigentlicher Star ist aber eigentlich die Interaktion und die Beziehungen zwischen den Charakteren. Tja, und leider schaffte beides wieder nicht mich wirklich in den Bann zu schlagen. Achtung, in den ab jetzt folgenden Absätzen gibt es ein paar tiefere Spoiler!
Was die Abenteuerseite betrifft - ach Nö, nicht schon wieder das Geheimnis um den alten Familienschatz. Nich schon wieder das Kind in Nöten weil es der Schlüssel zu irgendwas Wertvollen ist. Und nicht schon wieder die Tempelritter und Heiliger Gral und Jerusalemmysterium und so. Na ja, Da Vinci Code hat zur Entstehungszeit vermutlich schwer in der Luft gelegen. Ich würd wohl nicht so jammern, hätten diese Storyansätze wenigstens, wie schon weiter oben erwähnt, irgendetwas Eigenes, Frisches. Aber wie auch schon weiter oben erwähnt, es ist zu viel einfach schon x-mal Dagewesenes, und dabei nicht selten schon interessanter dagewesen. Freut" euch wieder und wieder und wieder auf das Klischee, dass irgendein Held haarscharf vor dem sicheren Tod steht, aber in der allerletzten Millisekunde rummst ein Freund völlig überraschend (ha) ins Bild und erledigt das Übel. Gerne cool posend und/oder mit coolen Spruch. Ah, und natürlich stellt sich im entscheidenden umzingelten Moment völlig überraschend (seufz) heraus, dass Florean der letzte Nachfahre der einzigen Adelsfamilie ist, der die Tempelritter gehorchen. Und natürlich (mein Favorit") schafft Superschlaubi Noir das große - und erschreckend simple - Schatzrätsel in wenigen Minuten (Sekunden?) zu lösen, das die Tempelritter seit mehreren Generationen vergeblich versuchten zu knacken. Ich könnt wohl noch ein Weilchen so weitermachen, aber ich hoffe ihr erkennt worauf ich hinaus will.
Wohl beinah alle Abenteuer (und Yaoi-) geschichten sind unrealistisch, GoCara überschritt bei mir dann aber schließlich die unrealistisch-aber-cool" Grenze hinüber ins unrealistisch-nervig" Land. Motz motz. Wieder ist mein Fazit: die Abenteueraspekte sind nicht wirklich schlecht, aber bei weitem auch nicht so gut, dass ich sie wirklich gut nennen kann.
Zum Sahnehäubchen", meinem größten Aufhänger, die Interaktionen und Beziehungen unter den Charakteren.
Na, was wird wohl mein dickster Kritikpunkt sein? Diesmal hab ich eigentlich sogar Drei. Das Klischee, der Sülz, und die Moral.
Jawoll-ja, als Erstes erneut das uninspirierte Klischee ohne eigenen Touch. Oben hab ich ja schon bemängelt dass die Charaktere seeehr mangatypische Charaktere sind, die man schon aus weit mehr als einer Serie kennt. Auch ihre Beziehungen untereinander sind sehr mangatypisch, gerade shojomangatypisch. Floreans und Noirs Szenen miteinander hangeln sich m.E. eigentlich bloß von Fanservice zu Fanservice, immer unter dem Wann-kriegen-sie-sich-endlich Stern. Ich will dich besitzen"-"Ich HASSE dich", Ich hab dich gerettet"-"Oh, ein verstecktes gutes Herz!", So, jetzt hab ich dich auch mal gerettet"-Deine Augen sind wunderschön", Ich beschütz dich"-"Ich bleib immer bei dir", Ich will dich übrigens immer noch besitzen"-Jetzt hass ich dich wieder", yadda yadda yadda. Garniert mit devoten, gierigen, liebevollen Blicken und Gesten, etwas nackter Haut und überhaupt viel Ge-bishi-ge.
Noel, Florean und Noir sind fast wie Chibi Usa, Mamoru und Usagi miteinander; Solomon Sugar und Noir haben anfangs das alte der-Detektiv-will-mich-uuuunbedingt-schnappen-aber-kriegt-mich-niemals, der Storyentwicklung zuliebe werden sie dann doch langsam grummelige Buddies, und Solomon wird zum allzeit praktisch einsetzbaren King der plötzlichen Rettungs-Auftritte. Wenn erklärt werden muss wie er auf einmal erscheint, ganz klar, es ist einfach wegen irgendwelchen beruflichen Ermittlungen in der Nähe! High Five!
Oberbösewicht Azura ist zu allen einfach ... oberböse. Auf sexy-sado Art, ist schließlich ein Yaoi-Shojo. Sidekick Leila wandelt sich ganz interessant vom Comic Relief zur Eifersüchtigen zur heroisch Verzichtenden die als Geschenk dafür 'nen anderen netten Bishi erntet - aber auch nicht grad auf so inspirierende Art dass ich mich zu Allein wegen ihr lohnt sich der Kauf der Serie" Sprüchen bewegt fühlen würde. Abzug gibt es für sie, weil die Arme in Galaxy" dann doch wieder fast nur zu Comic Relief degeneriert wurde. Band Fünf, Gorgeous Carat Galaxy", ist eh wie die Mangafassung eines typischen überschaubaren einstündigen Movie für die typische überschaubare Animeserie. Die Charaktere fallen nicht auch nur das kleinste bisschen aus ihren Schablonen, in einer Mystery-Mörder-Schloßgeschichte à la Shojo-Conan mit ein paar Schockmomenten und einem Hauch mehr Florean-Noir Geschmachte damit sich die Story iiiirgendwie hervorhebt.
Was das Ganze erst recht ins Klischee treibt, scheint mir meines Eindrucks nach ...
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