Lange habe ich auf dieses Buch gewartet - aber das Warten hat sich nicht gelohnt. Für Einsteiger gibt es wirklich reichlich bessere Bücher (Lind, Baumann, Bloch; über Setter: Schwoyer, Schwab u.v.a). Wer etwas mehr und vor allem spezielles über den Gordon erfahren will wird bitter enttäuscht. Das Buch strotzt nur so vor oberflächlichen Allgemeinplätzchen und knausert mit konkreten Hinweisen. Von einem Fachbuch erwarte ich konkrete Informationen, ggf. mit Vor- und Nachteilen erläutert. In diesem Buch erhalte ich aber selbst bei allgemeinen Themen immer wieder den Hinweis: „Fragen Sie ihren Tierarzt oder Züchter."
Die vielen schönen Fotos sind in keiner Weise beschriftet: weder erfahre ich, um welchen Hund es sich handelt (Abstammung), noch nicht einmal, ob es sich um einen Rüden oder eine Hündin handelt. (Vorbildlich ist das in einem Buch über Hundefotografie gelöst - Sally Anne Thompson).
Die vielen hellblau und rosa unterlegten Kästchen (Wußten Sie schon ??? und Tipps) sowie die Unterschriften der Fotos stehen häufig in keinerlei Zusammenhang mit dem Inhalt im Text, manchmal widersprechen Sie diesem sogar oder die Erklärung folgt erst Seiten später.
Einige Beispiele:
Thema Füttern: Ich erfahre auf S. 58, daß ein aktiver Hund andere Ansprüche als ein eher ruhiger stellt und auf S. 60, daß der GS eine sehr aktive Rasse ist und ich „in Portionen" füttern soll . Ansonsten soll ich bei der Auswahl des Fertigfutters den Empfehlungen des Tierarztes folgen.
Ich erfahre nichts über Futter für großwüchsige Rassen mit reduziertem Eiweißgehalt (ca. 22%), nichts über die Anzahl der empfohlenen Mahlzeiten, nichts über das Risiko der Magendrehung.
Thema Fellpflege: Auf S. 19. ist Bürsten regelmäßig notwendig, auf S. 20 wird dies konkretisiert in wöchentliches Bürsten und auf S. 62 ist es täglich notwendig.
Thema Baden: Auf S. 18 ist regelmäßiges Baden schlecht für die Haut (Ekzeme und Dematitis), auf S. 64 „trägt auch bei ihnen (den GS) das Baden zur Gesunderhaltung der Haut und einem schönen glänzenden Fell bei und auf Seite 68 braucht der Hund nur dann ein Bad, wenn er schmutzig ist.
Thema Flöhe: S. 121: „..Sie müssen zumindest noch den Garten von den Flöhen befreien. Wenn Sie dabei Insektizide versprühen, achten Sie darauf, daß Sie keine anderen Insekten und Tiere vergiften."
Genauso gut könnte sie mir raten, mich mit dem Hund unter die Dusche zu stellen und darauf zu achten, daß dieser nicht naß wird.
Thema Erziehung: Auf S. 78 „verlangen Hundeschulen ziemlich hohe Beträge". Die kann ich mir sicher sparen, denn „die Lösung für dieses Problem findet sich auf den folgenden Seiten dieses Buches." , mein die Autorin.
Aber VORSICHT: Auf Seite 79 wird mir dann gleich als Bildunterschrift gezeigt, wie ich einen störrischen (???) Hund, der nicht versteht, was ich von ihm will, mit körperlicher Nachhilfe ins Platz zwinge. Daß es auch die Technik der positiven Motivation mit Hilfe von Leckerlis gibt, erfahre ich erst auf Seite 94.
Beim „Fuß" gehen verzichtet die Autorin vollständig auf die positive Motivation (Leckerlis in Kniehöhe vor die Nase halten) und empfiehlt sofort den Leinenruck.
In Sachen Erziehung weht nach meinen Beobachtungen in Hundeschulen und guten Erziehungsbüchern inzwischen ein völlig anderer Wind. Dieser ist an der Autorin anscheinend spurlos vorübergegangen.
Dies sind nur einige der zahlreichen Widersprüche und fragwürdigen Ratschläge aus dem Buch, das ich niemandem empfehlen kann.
Den einen Punkt gebe ich für die vielen schönen Fotos einer wirklich tollen Hunderasse, die besseres verdient hätte.