Die Ich-Erzählerin Louisa schildert ihre Beziehung zum dem Psychologen Richard Gordon, der sie geistig und körperlich völlig in Besitz nimmt. Eine Geschichte von Vergewaltigung, Dominanz, absoluter Unterwerfung und Abhängigkeit, von Liebe und Zerstörung.
Gordon ist für Louisa ein „furchteinflössender Zuchtmeister" (S. 190), der sie auf „langsame, gleichmäßige, unerbittliche Weise" nimmt (S. 181). Gordon hat während der gesamten Beziehung das Sagen, Louisa ist die Befehlsempfängerin.
Obwohl sie sich zu sträuben scheint, „lechzte" sie danach, „von ihm zerschmettert und vernichtet zu werden" (S. 71). Sie legt sich hin, „breitet die Schenkel aus" (S.129) und wird von ihm benutzt.
Die Ich-Erzählerin schildert den Geschlechtsakt mit nahezu klinischer Nüchternheit, fast mit der Distanz einer Unbeteiligten. Hingegen widmet sie den Schilderungen ihrer eigenen Psychoanalyse durch Gordon, der sie (unwissentlich) unterzogen wird, weitaus mehr Raum und wesentlich mehr Leidenschaft. Sie vermittelt den Eindruck als ob der Geschlechtsakt ein Beiprodukt der Analyse sei, obwohl doch mit Sex (ohne ihre Einwilligung) alles begann.
Für die heutige Zeit sind die Schilderungen der Sexszenen wirklich zahm und kein bißchen anstößig oder pornographisch. Kann mir aber vorstellen, dass dieser Roman in den sechziger Jahren schon allein durch die vorhandenen Andeutungen (z.B. dass Gordon Louisa wie einen Jungen nahm) die Sittenwächter auf den Plan brachte.
Fazit: Zwar interessant und intelligent geschrieben. Ein Juwel der literarischen Erotik (wie in der Kurzbeschreibung angekündigt) ist es für mich jedoch keineswegs, sondern eher eine Studie sexueller Pathologie. Daher auch „nur" vier Sterne.