Darf man sein Leben genießen, wenn der kleine Bruder fast keines hatte?
Darf man sich über Haarausfall Gedanken machen, wenn vom kleinen Bruder nur noch Knochen und Erinnerungen in dieser Welt sind? Darf man das? Darf man leben, wenn er doch tot ist und man ihn nicht beschützt hat?
Drei Brüder: Jack, Pressman und Dexter, auch Lemon genannt. Dexter hat nie einen Schulabschluss gemacht, ist nie mit in der Kneipe versackt, hat nie ein Mädchen geküsst, ist nie von zu Hause weggegangen. Dexter ist als kleiner Junge in einen idyllischen See gesprungen und ertrunken. Hat der Vater Schuld am Tod seines Sohnes? Warum wurde nie über die Tragödie gesprochen, die deswegen bei allen Familienmitgliedern stets präsent bleibt? Jetzt ist der geliebte, gehasste, bewunderte und verachtete Vater dem Tod nah und vielleicht nie mehr erreichbar. Jack, aus dessen Perspektive erzählt wird, kehrt nach rund zwei Jahrzehnten Abwesenheit nach Hause zurück. Der stumme Vater, die perfekte Mutter und sein stets alkoholisierter großer Bruder Press sind da. Jacks Freundin Hahva begleitet ihn und besetzt die Rolle der Außenstehenden, die wenig weiß, viel sieht und sich nicht scheut, Fragen zu stellen. Wird die Tragödie um Dexter endlich aufgearbeitet? Lösen sich die verkrampften Finger, die sich um Fetische krallen und darf der kleine Junge jetzt endlich in Frieden ruhen? Findet diese Familie auf dem steinigen Weg der Versöhnung wieder zueinander?
Der junge Autor erzählt humorvoll, ironisch, lässig und stilsicher gleich mehrere berührende Liebesgeschichten. Es geht um die oft so verzwickte Liebe zu Frauen, zu Eltern und um die zwischen Brüdern. Und er erzählt vom Trauern, dem sich niemand auf Dauer entziehen kann, der Grund dazu hat. Frech und ohne Sentimentalität legt er seine Finger in die Wunden, die nicht heilen wollen. Der Leser wischt sich dabei die Tränen aus den Augenwinkeln - vor Lachen wohlgemerkt, denn er liest eine intelligente, witzige, ja urkomische Geschichte um die emotionalen Schwergewichte Liebe und Tod. Eine Geschichte, die mit beneidenswerter Leichtigkeit erzählt wird, ohne seicht zu sein.