23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anspruchsvolle politsche Weltgeschichte bewegend, dramatisch und spannend präsentiert, 21. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Goodbye Bafana (DVD)
Der Trailer, der auf der DVD zu finden ist, erweckt den Eindruck, Goodbye Bafana sei ein rührseliges Freundschafts-Polit-Drama, was jedoch nicht stimmt. Einfühlsam, aber immer knapp am Kitsch vorbei, wird hier die Wandlung eines Rassisten zum toleranten Menschen erzählt. Auf diese Weise gelingt Regisseur August eine wirksamere Darstellung der Persönlichkeit und Wirkung Mandelas, als es mit ihm als zentraler Figur gelungen wäre. Verstärkt wird das durch die Tatsache, dass hier keine fiktive Geschichte erzählt wird James Gregory hat wirklich gelebt und verstarb 2003.
Der Film ist ruhig und auf die Beziehung dieser beiden Männer zueinander fokussiert, in der die Spannung eher leise im Hintergrund knistert. Action gibt es nicht, Apartheid und Rassenunruhen werden selten direkt dargestellt, sondern über Fernsehen und Dialoge. Dennoch ist die politische und soziale Situation für Gregory, sehr gut und ansprechend gespielt von Joseph Fiennes, immer präsent, sei es durch seine Arbeit als Apartheid-Beamter oder durch seine Frau. Fiennes schafft es, den Konflikt zwischen Pflicht und tief verwurzeltem Rassendenken einerseits und Neugier und dem Wunsch nach Frieden andererseits glaubhaft zu verkörpern. Diane Kruger als Gloria ist immerhin lebhafter oder mehr gefordert als in Troja, aber sicher nicht die Idealbesetzung. Auf Dennis Haysbert dagegen trifft das voll und ganz zu, er strahlt in seiner Rolle die Weisheit, Eleganz und ruhige Überzeugung aus, die man an Mandela bewundert.
Die deutsche Synchronisation ist in Ordnung, besser aber wirkt der Film im Original, weil hier der südafrikanische Akzent, den sich Fiennes und Kruger für ihre Rollen angeeignet haben, voll zur Geltung kommt, außerdem wirkt Gregory anfangs rauer als in der deutschen Fassung. Warum der Film in Deutschland ab sechs Jahren freigegeben ist, ist völlig unersichtlich, ja geradezu schwachsinnig: Gefangene Schwarze werden misshandelt, eine Szene zeigt, wie Polizisten auf wehrlose Frauen einprügeln, man sieht Originalaufnahmen von Straßenkämpfen im Fernsehen wenn etwas die Abgestumpftheit der heutigen Jugend fördert, dann die unqualifizierten FSK-Freigaben.
Auf der DVD sind neben dem Trailer eine Bildergalerie, Interviews mit dem Regisseur leider viel zu lang und den Hauptdarstellern, deren Biographien und ein Making of zu finden, das mit zwei Aussagen von Mandela und Gregory beginnt und dann einen guten Einblick in die Arbeit am Set und das schwierige Thema des Films bietet.
Goodbye Bafana ist ein guter Film, vielleicht auch ein wichtiger, über eine der bedeutsamsten politischen Gestalten der jüngeren Weltgeschichte und über die Hoffnung auf mehr Toleranz, Frieden und Zusammenleben. Vielleicht ist er nicht gerade ein Meisterwerk, aber die Filmpreise, die er abgeräumt hat, hat er allemal verdient. Er ist ein bisschen bewegend, ein wenig dramatisch und hintergründig spannend, auf jeden Fall aber anspruchsvoll. Ein ruhiger Film für einen entspannten Abend.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
toller Film, Geschichte auf hohem Niveau, 23. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Goodbye Bafana (DVD)
Geschichte auf hohem Niveau, tolle Schauspieler, gutes Drehbuch.
Die Wandlung Gregorys vom Rassisten zum Freund Mandelas ist sehr gut nachvollziehbar, aber auch weshalb sich der alltägliche Rassismus so lange halten konnte ("Gott will das so ,er lässt ja auch Kuh und Antilope nicht beieinander wohnen...."- das verstehen kleine Kinder und fragen irgendwann nicht mehr)
Und Mandela: Was für ein Mensch!
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5.0 von 5 Sternen
mutmachend, 9. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Goodbye Bafana (DVD)
Das was dieser Film mir geschenkt hat, ist ein unglaublicher Mut. Mut, auch bei selbst scheinbar nicht aushaltbaren Erniedrigungen (ob plump voll Gewalt oder subtil durch die Hintertür mit nicht weniger Gewalt) die innere Stärke zu bewahren, eine Größe, die selbst ein solch unfassbares System wie die Apartheid überstrahlt... und damit ebendieses System Stück für Stück ad absurdum führt und letztendlich überlebt (in beiden Bedeutungen des Wortes.)
Dazu die Begegnung der beiden Männer, Nelson Mandalas und seines Gefängniswärters; eine Annäherung, die unglaublicher nicht sein könnte, stehen doch hinter beiden Männern die jeweils absoluten Feindbilder der beiden Systeme. Doch das Unglaubliche tritt ein; eine Annäherung, die eine Öffnung zulässt, die fast schmerzhaft ist - bedeutet es doch, die gedanklichen - von den jweiligen Systemen vorgegebenen - Trampelpfade zu verlassen und sich auf Welt des anderen einzulassen - zuerst mit Widerstand, dann mit Neugier, dann mit Respekt, dann mit dem Entdecken... - Was hier an Wandlung in der Person des Gefängniswärtners passiert, kommt einem Wirbelsturm gleich, allerdings einem, der im Zeitlupentempo alles was vorher sicher und richtig schien, systematische auseinandernimmt. Anders jedoch als bei einem Wirbelsturm bleibt keine Zerstörung zurück, sondern eine neue Sicht der Dinge, ein - auch zeitweilen sehr schmerzhaftes - Lernen und Erkennen und eine Person mehr, die den Weg bereitet(e) für ein "neues" Südafrika in all seiner Schönheit.
ich habe diesen Film eher zufällig entdeckt - und wollte zunächst gar nicht in diesen Film gehen, da ich zuvor im Filmheft von 5 Kritikern vernichtend schlechte Kritiken gelesen hatte; aber da ich die Wahl hatte, entweder im Kino diesen Film anzusehen oder auf der Autobahn zurück im Stau zu stehen, bin dann doch in den Film - und es hat mich so berührt und beeindruckt - der Regisseur ist (was ich erst danach realisiert habe) - Bille August (Dänemark), der zB auch "Pelle, the conqueror" und den unschlagbaren "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" gedreht hat - und entweder diese Kritiker waren alle durch die Bank absolut bescheuert, oder... - einmal mehr hat sich gezeigt, dass man nicht auf die offiziellen Kritiken hören sollte und inzwischen ist dieser Film auch mit Preisen und Auszeichnungen geehrt. ich kann ihn nur absolut empfehlen! -
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