Genies sind Menschen, die in gewissen Bereichen absolute Spitzenleistungen vollbringen, zu denen niemand sonst fähig ist. Aber Fehler haben sie trotzdem und manchmal sogar besonders schlimme. Man denke nur an die Depressionen von Leuten wie Van Gogh oder Nietzsche. Schicksale wie die ihren führten dazu, dass sich allzu viele Mythen über die Nähe zwischen Genie und Wahnsinn herausbildeten. Der Film "Good Will Hunting" handelt von einem jungen Mann, der in der Lage ist, komplexe mathematische Aufgaben zu lösen, an denen selbst renommierteste Uniprofessoren verzweifeln, aber ansonsten im Leben von einer Katastrophe in die nächste stolpert. Aber trotzdem zeichnet der Film kein verklärend einseitiges Bild von einem geplagten Genie, sondern porträtiert seine Hauptfigur als eigentlich ganz normalen Menschen, der unter den Folgen einer schweren Kindheit leidet. Um etwas aus seinen Fähigkeiten machen zu können, muss er erst einmal mit sich selbst ins Reine kommen. So konnte "Good will hunting" zu einer Geschichte werden, die jeden anspricht, der auf der Suche nach sich selbst ist und einen gewaltigen Erfolg an den Kinokassen und bei der Kritik einfahren.
Matt Damon (der gemeinsam mit Ben Affleck auch das oscarprämierte Drehbuch verfasst hat) spielt den 21jährigen Will Hunting, der als Waise bei immer verschiedenen, lieblosen Pflegeeltern im schlechteren Teil von Boston aufwuchs und sich schwer tut damit, anderen Menschen zu vertrauen. Um nicht weiter über seine Unsicherheit nachdenken zu müssen, betrinkt er sich mit seinen working class Freunden in Bars und fängt Schlägereien an. Doch außerdem arbeitet Will als Putzmann auf der Universität, wo er eines Tages ein komplexes mathematisches Rätsel auf einer Wandtafel entdeckt und es ohne lange überlegen zu müssen einfach auflöst. Als Prof. Lambeau (Stellan Starsgaard), das entdeckt, ist er sich sicher den nächsten Albert Einstein gefunden zu haben. Doch der immer unruhige Will kann sich nicht in die arbeitsame, kühle Welt des Professors einfügen. Erst der unorthodoxe Psychologe Sean Maguire (Robin Williams) schafft es eine echte Verbindung zu ihm herzustellen, indem er ihn nicht als Genie, sondern als unsicheren jungen Mann behandelt, der seine Schwächen hinter seiner Aggresivität zu verstecken sucht. Mit seiner Hilfe schafft Will Hunting es langsam sein Leben in den Griff zu bekommen...
Der Film "Good Will Hunting" hat die vielen Auszeichnungen, die er bei seinem Erscheinen gewonnen hat, sicherlich verdient. Auch heute, 14 Jahre nach seiner Entstehung, hält der Film noch einen Platz unter den 250 besten Filmen aller Zeiten auf Imdb.com. Das Geheimnis des Erfolges des Films liegt darin, dass man sich als Zuschauer so gut mit der ungewöhnlich/gewöhnlichen Hauptfigur identifizieren kann. Immerhin hat jeder Mensch eine gewisse Stärke, etwas worin er gut ist, und jeder hat damit zu kämpfen, seine privaten Probleme nicht so übermächtig werden zu lasen, dass sie ihn daran hindern seine Arbeit zu verrichten. Außerdem repräsentiert Will Hunting eine gewisse Sorte von Mensch, die im Zeitalter der ständig verfügbaren Informationsmedien sogar noch am zunehmen ist: Der junge Mann hat unglaublich viel über alle möglichen Themen gelesen und glaubt daher, klüger als jeder andere zu sein. Im Film ist es der Psychologe Sean Maguire, der Will darauf aufmerksam macht wie arrogant diese Einstellung eigentlich ist. Als älterer Mann, der schon einige Schicksalsschläge hinnehmen hat müssen, und eine gewisse demütige, für das Leben an sich dankbare Philosophie entwickelt hat, hat er gelernt andere Prioritäten zu setzen als nur Ruhm und Geld. Von Sean lernt Will, wie wichtig es ist, sich auf andere Menschen einstellen zu können und sie mit all ihren Fehlern zu akzeptieren. Anstatt sich immer nur überlegen fühlen zu wollen, sollte man lieber danach trachten von anderen etwas zu lernen. Somit liefert der Film auch dringend nötige Kritik an einer lediglich auf Leistung hin orientierten Gesellschaft, die leider immer mehr Realität zu werden scheint.
Neben den hervorragenden Schauspielerischen Leistungen von Matt Damon und Robin Williams profitiert der Film auch von der subtilen Regie von Gus van Sant, die diese faszinierende Geschichte gekonnt einfängt. Keine unnötige Effekthascherei, sondern solides Story Telling ist hier die Devise. Als besonderer Bonus kommt noch der Einsatz von diversen Songs des leider inzwischen verstorbenen Musikers Elliott Smith hinzu, die so manche Szene dieses Films wunderbar ergänzen.
Einziger Kritikpunkt ist allerdings, dass der Film am Schluss doch etwas sehr viel auf Harmonie und Happy End zusteuert. Hier hätte man vielleicht ein etwas offeneres Ende wählen können. Aber was solls. Einen ansonsten so überzeugenden und gut gemachten Film kann man auch ein wenig Wunschdenken verzeihen. "Good Will Hunting" gilt zurecht als Klassiker.