George Clooney hat mit dem Film "Good Night, and Good Luck" ein Thema stilgerecht und dramaturgisch überzeugend inszeniert, das vor allem die Gegenwart der "Medien-Demokratien des Westens" existenziell betrifft. Er arbeitet in einer unaufgeregten, ruhigen und historisch anmutenden Art die Geschehnisse in der Murrows-Redaktion des US-TV-Netzwerks CBS auf, die den politischen Hetzjagden des radikalen Antikommunisten und Senatoren McCarthy per investigativer Recherche und ethischer sowie juristischer journalistischer Fragestellung ein Gegengewicht verlieh. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass die Art der Schwarz-Weiß-Inszenierung uns auf das eigentliche Problem des Films hinweisen will, und das ist gut so: Aufrichtige, intensive, mit den herrschenden Verhältnissen kritisch ins Gericht gehende Medien, vor allem TV-Redaktionen, sind heute vom Aussterben bedroht und sehen sich immer stärker der Quoten-Konkurrenz von Unterhaltungsformaten ausgesetzt. Was Murrows schon in den 50er Jahren wusste, schreibt sich heute nahtlos fort, und vielerorts ist es bereits zu spät für - als verbissen oder weltfremd angesehene - moralische Appelle. "Good Night, and Good Luck" erlaubt sich einen solchen Appell: Medien haben nicht nur die Aufgabe, dem Unterhaltungsdrang mit Quiz-Shows und Werbeveranstaltungen oder jubelden Sportübertragungen nachzugehen, sie haben - und deswegen werden ihnen in Amerika ebenso wie in Deutschland besondere verfassungsrechtliche Spielräume zugestanden - die Rolle der kritischen Aufklärung im Dienste der Demokratie. Der Film zeigt, wie so etwas geht: Welche Konflikte in Redaktionen herrschen, wie sich Journalisten mit Mächtigen in ihrer eigenen Organisation und in der Politik anlegen, welche Unsicherheiten und Gewissensfragen jede brisante Recherche aufwirft. Er ist gerade wegen seiner stilisierten Antiquiertheit für uns höchst aktuell.