George Clooney ist nicht nur Schauspieler und Regisseur, sondern immer auch wieder Star der Medien. In allen drei Funktionen gibt sich Clooney inzwischen sehr politisch und bezieht Stellung.
Der überzeugte Kriegsgegner äussert sich immer wieder bedenklich zu dieser offensiven Außenpolitik des Präsidenten George W. Bush.
So ist es nicht verwunderlich, dass seine zweite Arbeit als Director ein Plädoyer für Zivilcourage geworden ist und über die Pressefreiheit, aber auch über die Moral oder Berufsethik der Medien berichtet:
Ein Hauptbestandteil der McCarthy-Ära war das interne Prüfverfahren für Bundesangestellte, das vom FBI unter J. Edgar Hoover geleitet wurde. Dieses umfassende Programm prüfte alle öffentlichen Bediensteten auf kommunistische Verbindungen. Dabei konnten anonym erbrachte Beweise von den untersuchten Personen weder bestritten noch näher betrachtet werden. Von 1951 an war ein angemessener Zweifel" nötig, um einen Angestellten zu entlassen. Vorher waren angemessene Gründe" nötig, um jemanden als untreu einzustufen.
Der s/w Film lässt diese 50er wieder lebendig werden, auch wenn die meisten Passagen des Films im CBS-Gebäude, am Arbeitsplatz dieser Menschen, spielen. Senator McCarthy wütet zu dieser Zeit als fanatischer Kommunistenjäger.
Ein Mann, der sich die allgegenwärtige Angst und die Anfänge des Kalten Krieges zunutze macht. Der charismatische Fernsehjournalist Edward Murrow (David Strathairn)stellt sich diesen bedenklichen politschen Entwicklungen entgegen, Murrow ist Idealist, der noch an die aufklärerischen Möglichkeiten der Mattscheibe glaubt und seine Nachrichtensendung See It Now" mit hoher moralischer Verantwortung füllt. Als ein Bericht über einen Air-Force-Piloten durchsickert, der aufgrund zweifelhafter bis obskurer Indizien über eine kommunistische Verquickung in seiner Familie (jemand hat ne serbische Zeitung gelesen), vom Militär suspendiert wird, beginnt Morrow sich in seiner Sendung mit McCarthy anzulegen. Dieser erste Bericht bleibt nicht ohne Konsequenzen für ihn und für die CBS, auch andere Mitarbeiter und Journalisten müssen Farbe bekennen, weil auch der Boss (Frank Langella) zunehmend unter Druck gerät.
Dass die Bürgerrechte tatsächlich in Gefahr sind und sie über die Wahrheit berichten, bekommen die Journalisten selbst zu spüren, weil sie plötzlich selbst Teil der Hexenjagd werden könnten.
Morrow schafft es aber, zumindest zu einem sehr grossen Teil dazu beigetragen zu haben, dass McCarthy durch sein negatives Bild in den Medien dem Niedergang geweiht ist.
Er kann aber nicht verhindern, dass seine ambitionierte Nachrichtensendung aufgrund von Quotenrückgang auf den unattraktiven Sonntagnachmittag verlegt wird.
Clooney hat m.E. einen wertvollen, ambitionierten Spielfilm mit sehr geglücktem Lokal- und Zeitkolorit geschaffen.
Hauptdarsteller David Strathairn erweist sich als Glücksfall.
Die Bezüge zu unserer heutigen Zeit sind schnell gefunden, auch wenn man denkt, dass so eine Kommunistenjagd mit tausenden von Beschuldigungen, Anhörungen und Verurteilungen im aufgeklärten Hier und Heute gar nicht mehr passieren kann.
Auch grosse Wertschätzung konnte der Film ernten: Oscarnominierungen, viel Kritikerlob und die Zuschauergunst des intelligenten, intellektuellen und eher politisch links orientierten Publikums. Den möglichen Wunsch und die Absicht vielleicht auch das breitgefächertere, möglicherweise auch unpolitische Mainstream- oder Massenpublikum erfolgreich anzusprechen, dürfte allerdings misslungen sein. Sein Low-Budget-Film ist dafür zu spröde und zu sperrig.