Victor (Jay Baruchel, "I'm Reed Fish", "Tropic Thunder") ist anno 1995 der neue Nachbar in dem großen alten Haus in Notre Dame de Grace, einem beliebten Stadtteil von Montreal. Gleich beim Einzug macht er die Bekanntschaft von Grummel-Else Louise (Emily Hampshire, "Snow Cake", ""Die! Ein Spiel auf Leben und Tod"), der er, jeglicher Logik zum Trotz, natürlich sofort amourös verfällt. Was ihn an der unhöflichen, wortkargen und bestenfalls durchschnittlich aussehenden Tante reizt, bleibt im Verborgenen, wie im Übrigen auch der Sinn dieses Films. Kurz darauf trifft Victor dann auch auf Spencer (Scott Speedman, "The Strangers", "Barney's Version"), der mit seinem Rollstuhl gerne mal im Treppenhaus rumlungert. Spencer und Louise sind beste Freunde, warum, weiß auch keiner, denn wirklich zu sagen haben sie sich offenbar nichts. Louise arbeitet lustlos in irgendeinem Chinarestaurant rum, hat zwei Katzen, die mit ihren Streifzügen der durchgeknallten Nachbarin auf den Zeiger gehen und offensichtlich keinen Spaß am Leben. Victor scheint auch kein Leben zu haben, wenn er sich in so eine pampige Tussi verknallt, die ihn offensichtlich scheiße findet. Und was den mysteriösen Spencer umtreibt, bleibt völlig im Dunkeln, ist aber so klar wie Kloßbrühe, sobald - Spoiler - die Info im Film auftaucht, dass ein Serienmörder gerade in Notre Dame de Grace sein Unwesen treibt...- Spoiler Ende - bu-huuu. Herrje.
Die Ausstattung ist ähnlich dünn wie die Logik oder Dynamik dieses Films: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, deutsch auch in DTS 5.1, deutsche Untertitel. Extras: deutscher und englischer Trailer des Films, vier weitere Trailer.
"Good Neighbours" ist bereits der dritte Langfilm des kanadischen Regisseurs Jacob Tierney. Ich weiß nicht, ob seine Vorgängerfilme ("Twist", "The Trotzky") besser waren, "Good Neighbours" jedenfalls ist kein guter Film. Tierney, sonst vorrangig als Schauspieler unterwegs (auch in "Good Neighbours" spielt er eine kleine Rolle) hat weder ein Gespür für Timing noch für Spannung. Seine Schauspieler agieren lustlos und unlogisch und wandern durch eine Geschichte, wie sie kaum blöder hätte erzählt werden können. Es werden alberne Nebenhandlungen aufgebaut, die weder ausreichend erklärt noch nachvollziehbar sind und die Story nimmt mehr und mehr einen pseudo-manischen Verlauf, der in einem Finale gipfelt, das nun wirklich vollkommen an den Haaren herbeigezogen ist und den Zuschauer nach durchstandenen 99 Minuten nachhaltig verärgert. Denn bis es überhaupt erstmal soweit ist, muss man sich mit konstruierten Dialogen, unsinnigen Handlungsweisen und einer vorgetragenen Lahmarschigkeit herumplagen, die ihresgleichen sucht. Da die Charaktere durch die Bank weg unsympathisch, nervtötend oder enervierend pseudo-undurchsichtig sind, wünscht man eh allen die Pest an den Hals, so dass eine Identifikation mit wem-auch-immer nicht gegeben ist.
Die ganze Inszenierung ist unterkühlt, unsinnig und unfassbar träge. Ganz zum Schluss wird es zwar mal kurz blutig, ansonsten ist der Film aber so blutleer wie seine Protagonisten. Die Bilder sind winterlich-grau, Umgebung und Wohnungen wirken trist und ungemütlich und über all dem schwebt der Geist eines unfähigen Regisseurs, der weder seinen Cast motivieren oder souverän führen kann noch eine gute Geschichte zu erzählen weiß.
Mehr gibt es beim besten Willen nicht zu sagen zu "Good Neighbours". Dieser kanadische Mumpf ist vorhersehbare Dutzendware aus der untersten DVD-Schublade, der durch wirklich nichts zu überzeugen vermag. Ob Regisseur Tierney vor der Kamera besser aufgehoben ist, kann ich nicht beurteilen, dahinter hat er jedenfalls nichts zu suchen. Ergo gibt es einen Mini-Bonus für Scott Speedman, der den Film wenigstens optisch minimal aufwertet und für die possierlichen Katzen von Louise. In der Summe macht das gerade mal einen von fünf bescheuerten Nachbarn, denen man einfach die Tür vor der Nase zuknallen sollte.