Neun Millionen verkaufte Alben sind für die Jungs von Good Charlotte noch lange kein Grund, musikalisch auf Autopilot zu schalten. Ganz im Gegenteil. Schon nach den ersten Sekunden von "Good Morning Revival", dem neuen, vierten Album, kündigt sich unmissverständlich an, dass die Band ihren Klang für 2007 revolutioniert hat. Der Entschluss, wieder mit Produzent Don Gilmore (Pearl Jam, Linkin Park, Avril Lavigne) zu arbeiten (er hat 2000 auch das selbstbetitelte Debüt der Band produziert), erwies sich als goldrichtige Entscheidung. Nach "The Young and the Hopeless", das 2002 erschien und sensationell mit Dreifach-Platin ausgezeichnet wurde und dem millionenfach verkauften "The Chronicles of Life and Death", das 2004 herauskam (Produzent war in beiden Fällen Eric Valentine) wollte Good Charlotte-Sänger Joel Madden ganz bewusst ein Album machen, das einem Neustart gleichkommt. Um dieses Ziel zu erreichen, verlangte Produzent Gilmore Joel und seinem Zwillingsbruder, Good Charlotte-Gitarrist Benji Madden, alles ab. Und er war sehr kritisch mit seinen Schützlingen. "Wir haben fünfzig oder sechzig Songs komplett über Bord geworfen und noch mal ganz von vorne angefangen", sagt Benji. "Don sagte: "Ich will euch ganz neu erfinden. Die Leute sollen sich fragen: 'Wie? Das ist Good Charlotte?."
Einen ersten Eindruck vom neuen Sound lieferte vorab schon die aktuelle Single, der an die Gorillaz erinnernde Song "Keep Your Hands Off My Girl". Das ist alles andere als "typisch Good Charlotte" - aber auch nicht "typisch Good Morning Revival". Denn: dem neuen Album einfach so einen Stempel aufzudrücken hieße, seiner Vielseitigkeit keine Beachtung zu schenken. Zu den Highlights des Longplayers zählt ganz sicher "The River", ein Stück über Sünde und Erlösung, das die dunklen Seiten der Glitzermetropole Los Angeles beschreibt. Für den Song holte die Band die langjährigen Freunde und Mitmusiker M. Shadows und Synyster Gates (von Avenged Sevenfold) mit ins Boot. Es ist das erste Mal, dass Good Charlotte für ein Album offiziell mit anderen Künstlern zusammengearbeitet haben. Auch das vom Keyboard angetriebene "Misery" übt Kritik an den oberflächlichen Menschen, aus denen sich die Glitzerwelt von Los Angeles zusammensetzt.
Mit den Hochs und Tiefs von Beziehungen befassen sich die Rock-Hymnen "Break Her Heart" und "Something Else". In beiden Stücken und in dem ruhigeren "Where Would We Be" schüttet Joel, der sich Ende letzten Jahres von Schauspielerin Hilary Duff getrennt hat, sein Herz aus. "Einige Leute werden diese Stücke sicher eifrig interpretieren", sagt er. "Das stört mich wenig. Ich finde es ganz normal, über Liebe zu singen. Das ist ein wichtiger Teil von mir und ein Teil unserer Musik. Ich habe kein Problem damit, meine Gefühle zu zeigen."
Eine Einstellung, die auch auf "Good Morning Revival" als Ganzes zutrifft. "Diese Platte offenbart viel von uns", sagt Benji."Mehr, als wir früher gezeigt haben. Wir sind nicht mehr in erster Linie 'angry kids'. Es geht uns gut, wir haben viel Glück gehabt. Aber Angst und Wut werden immer da sein." Und Joel fügt hinzu: "Unsere neue Platte zieht ein Zwischenfazit. Wir blicken zurück, aber auch nach vorn. Eigentlich mehr nach vorn. Wir tun das, was wir lieben. Besser kann es nicht sein."