Elf Jahre lang brauchte DAVID COVERDALE mit seiner Band WHITESNAKE, bis er sich wieder zu einer Studio-Scheibe durchringen konnte - und er klingt, als wäre er nie weg gewesen. Nach dem eher ruhig gehaltenen RESTLESS HEART (das ohnehin eher als ein DAVID COVERDALE-Solo-Album geplant war, aber aus rechtlichen Gründen dann als WHITESNAKE-Scheibe erschien) rockt die neueste Häutung der britischen Rock-Legende wieder wie zu besten Zeiten.
Soundtechnisch knüpft die Band wieder ganz klar an den Mega-Erfolg "1987" an. Im Prinzip ist GOOD TO BE BAD das Album, das WHITESNAKE bereits vor oder nach SLIP OF THE TONGUE hätte heraus bringen sollen. Der neue Songwriting-Partner DOUG ALDRICH macht einen sehr guten Job, und schneidert Band-Leader COVERDALE knackige Rock-Songs und hymnenhafte Balladen auf den Leib.
So zeigen die beiden Opener BEST YEARS und CAN YOU HEAR THE WIND BLOW direkt, wo es bei GOOD TO BE BAD lang geht - sauber produziert, mit ordentlich Dampf dahinter rockt die Weiße Schlange wieder wie in besten 1987-Zeiten. Auch beim Gitarren-Sound des hervorragend agierenden Duos DOUG ALDRICH und REB BEACH sind deutliche Anklänge an die Zeiten von JOHN SYKES nicht zu überhören (nur als Beispiel mal das Solo in BEST YEARS anhören).
Generell muss man sagen, dass die Band (mit den beiden Neulingen URIAH DUFFY am Bass und Schlagzeuger CHRIS FRAZIER) wunderbar harmoniert. Einzig Keyboarder TIMOTHY DURY scheint irgendwo im Mix versunken zu sein, von ihm hört man so gut wie nichts (außer ein paar sphärische Einsätze im Hintergrund).
Die Anleihen an die bluesigen Zeiten vor dem Mega-Erfolg 1987 (wie in manchen Rezensionen dargestellt) sind eigentlich nur mit viel gutem Willen zu entdecken (etwa bei LAY DOWN YOUR LOVE). Von daher ist GOOD TO BE BAD Anhängern der "alten" WHITESNAKE nur bedingt zu empfehlen, etwa dann, wenn sie auch schon 1987 und SLIP OF THE TONGUE mochten.
Jedoch sind hier und da noch einige leichte Parallelen zum 1993er-Album COVERDALE/PAGE festzustellen, so zum Beispiel bei GOT WHAT YOU NEED und TIL THE END OF TIME. Natürlich ist nichts von dem, was DC und Band hier präsentieren neu oder überraschend, wer das erwartet hatte, der muss sich fragen, ob diese Erwartungen realistisch waren. Wie heißt das schöne Sprichwort? Einem alten Hund (COVERDALE) bringt man keine neuen Tricks (Spielarten) bei.
Anspieltipps für dieses Album sind neben dem Opener BEST YEARS, dem wunderbar griffigen Riff-Monster CAN YOU HEAR THE WIND BLOW und dem lässig dahin groovenden A FOOL IN LOVE noch die wunderschönen Balladen ALL I WANT ALL I NEED und SUMMER RAIN.
Festzustellen bleibt auf jeden Fall, dass GOOD TO BE BAD über ausschließlich hochqualitative Songs verfügt. Kein einziger Song ist ein Reinfall oder aber Füllmaterial. Positiv ist in dieser Hinsicht auch zu Vermerken, dass die vier Appetit-Happen von LIVE IN THE SHADOW OF THE BLUES auf dieser CD NICHT zu finden sind. Da diese aber ebenfalls von ganz hervorragender Qualität sind, lohnt sich auch die Anschaffung dieser Doppel-Live-CD.
Nun hat der Fan wieder die Wahl zwischen der "normalen" Einzel-CD und der preislich leicht teureren Variante, bei der es noch eine Bonus-CD beiliegt: darauf enthalten sind eine wirklich wunderbare Akustik-Version von SUMMER RAIN, zudem der eine Minute 40 Sekunden kürzere Radio-Edit von ALL I WANT ALL I NEED und einer Live-Version von TAKE ME WITH YOU, die jedoch schon auf der Live-CD LIVE IN THE SHADOW OF THE BUES enthalten ist. Zudem gibt es noch das Video zu READY TO ROCK (einem der vier Bonus-Tracks auf der schon mehrfach erwähnten Live-CD). Zudem erhält der Fan im schönen Pappkarton noch ein Poster des Covers, ein postkartengroßes Band-Foto und einen Sticker. Wofür man sich entscheidet ist dabei fast egal, bereuen werden Rock-Fans den Kauf auf jeden Fall nicht.