Der zwölfte Dezember 2006 ist vielen noch in nachhaltiger Erinnerung geblieben. Vor 300 ausgewählten Fans spielte eine Band namens The Good, The Bad & The Queen ihr erst zweites gemeinsame Konzert und ließen es live über ihre MyspaceSeite online und völlig umsonst übertragen. Das hatte vorher noch niemand gemacht. Ganz nach dem Motto: Schon zu Beginn direkt einen Standart setzen. Obwohl, das Wort beginnen in diesem Fall, ehrlich gesagt, nicht so wirklich passt. Beginner sind sie keine, eher unsere Hoffnung auf die Rettung der Popmusik in diesem noch so jungen Jahr 2007.
Hinter The Good, The Bad & The Queen verbirgt sich die neue Supergroup von Damon Albarn (Blur, Gorillaz), die mit dem Ex-Clash-Bassisten Paul Simonon, dem Ex-Verve-Gitarristen Simon Tong, dem legendären, mittlerweile 66-jährigen Schlagzeuger Tony Allen (u.a. Fela Kuti) und dem Wunder-Produzenten Brian Danger Mouse Burton (Gnarls Barkley) wahrlich traumhaft besetzt ist.
Die Geschichte dieses Projekts ist gleichzeitig die Geschichte einer Stadt. Einer Stadt, die für Musik so wichtig ist, wie Hollywood für den Film. In keiner anderen Metropole leben so viele bedeutende Musiker wie in London. Nur dort kann es passieren, dass ein Tony Allen spontan im Studio von Damon Albarn vorbeischaut, fast eine Woche bleibt und am Ende stundenlange Jam-Sessions auf dem Rechner liegen. In West-London ist ein unglaublicher Mix von Kulturen zu finden, findet Paul Simonon. Und diese Platte ist ihr Soundtrack.
Musikalisch ein Horror für jeden Plattenladen, denn sie könnte in fast alle Schubladen passen: Reggae, Dub, Downbeat, Electro, HipHop, Brit-Pop, Weltmusik und von allen anderen Genres auch noch ein bisschen. Ich würde uns als Jazz Band bezeichnen, erzählt Paul Simonon in der Janauar-Ausgabe der Spex. Die Platte klingt völlig anders, als alles was wir bisher gemacht haben. Der Umgang mit dem Bass ist anders. Das Schlagzeug ist anders. Alles ist anders. Leute mit den unterschiedlichsten Backgrounds treffen zusammen und machen ein Album. Am Ende bekam Danger Mousevon Damon Albarn 20 Songs, an denen er dann seine Zauberhände legen sollte. Das Ergebnis klingt wie ein guter Traum. Am Anfang ein bisschen düster, zum Schluss kommt das Happy End.
So produktiv und erfolgreich Damon Albarn mit seinen Gorillazin den letzten Jahren auch war, vielleicht hatte er in Wahrheit einfach wieder Sehnsucht nach seinen Fans. Und wie kann man seine Gorillaz Maske am charmantesten für eine Zeit an den Nagel hängen? Mit neuer Band, neuem Album und neuer Tour.