Genug der Überproduktion und der Gaststars, keine geschniegelten, glattgebügelten Hochglanzalben mehr, kein Namedropping, um die Platten zu verkaufen, kein George Harrison, kein Mark Knopfler, kein Slash, kein Elton John und kein David Crosby. Her mit der Akustischen und der Harmonika und gesungen, was in den Sinn kommt.
Bob Dylan hatte fast die ganzen 80er Jahre verschlafen, die größte musikalische und kreative Krise seiner Karriere zu überwinden gehabt, hatte eine ganze Reihe für seine Verhältnisse sehr schwacher Alben veröffentlicht und war orientierungslos den Moden der 80er nachgelaufen. Erst zum Ende des Jahrzehnts, mit dem Album "Oh Mercy", hatte er sich gefangen und eine starke, pessimistische und bissige Platte herausgebracht. Die 90er begannen mit dem zwar recht anhörbaren, aber gnadenlos geschniegelten und mit Gaststars überbesetzten "Under The Red Sky", nicht sonderlich erfolgreich, starkes Gefälle in der Qualität der Songs und von der Kritik, wie damals üblich, verrissen.
Zwei Jahre später schließlich eine erneute Kehrtwende. 1962 war Dylans selbstbetiteltes Debüt erschienen, es zeigte einen jungen, hungrigen und gleichzeitig der Tradition verhafteten und nach Neuem strebenden Folksänger mit gewaltigem Potential. Dreißig Jahre später hat Dylan alles wieder abgestreift, die Band aus dem Studio verbannt, sich alleine mit seiner Gitarre hingesetzt und ehrt die amerikanische Songtradition. Das Ergebnis ist schlicht umwerfend. Purer, unverfälschter und verletzlicher hat man Dylan seit der Mitte der 60er nicht mehr erlebt, als er das erste Mal mit Band auftrat. Nichts wird hier kaschiert und glattgebügelt, nichts mehr durch Produktion verschönert, man hört nur einen alternden, noch immer alles andere als perfekten Musiker, der mit diesem Album zurück zu seinen Wurzeln geht. Dylans Stimme ist noch immer gewöhnungsbedürftig, schneidend, mit den Jahren rauher geworden und nicht eben schön anzuhören, doch noch immer hat er die Fähigkeit, den Hörer mit seinem Vortrag mitzureißen, ihn zu entführen in den Kanon der zeitweise jahrhundertealten Songs, die er auf "Good As I Been To You" zum besten gibt.
Hier geht es nicht um Perfektion, dazu sind diese Songs nicht gedacht, sie gehören zur Tradition, gehören dem Volk, bei dem sie sich seit Jahrhunderten im kollektiven Bewußtsein halten. Da mag die Stimme noch so schräg klingen, zeitweise wegbrechen und die Töne nicht treffen, da mag die Gitarre nicht gestimmt sein und Dylan ein ums andere Mal danebengreifen, die Atmosphäre dieses Albums, die Nähe und Intimität, die der Meister hier erzeugt, findet man in seinem Werk nur ganz selten, in seinen frühesten Aufnahmen und diversen Bootlegs.
Die Kritik zeigte sich seinerzeit ein weiteres Mal verständnislos, sah Dylan als endgültig ausgebrannt an, erst recht, als er ein Jahr darauf mit "World Gone Wrong" noch ein Album derselben Sorte herausbrachte.
Inzwischen sind beide Platten zu Kultwerken avanciert. Sie zeigen Dylans Weg aus der festgefahrenen Situation, hin zu dem furiosen Comeback, das er mit "Time Out Of Mind" hinlegen sollte und mit dem er sich seinen gebührenden Platz ganz oben zurückerobern sollte.
"Good As I Been To You" ist, trotz des Fehlens eigener Songs, eines der wichtigsten Dylan - Alben, es markiert das Ende einer Phase und den Beginn einer Neuen, und es ist nebenbei, gerade wegen der nicht vorhandenen Perfektion, eines seiner schönsten und bewegendsten Werke.