Lange haben Sonic Youth gebraucht, um auf ein Album wie "Goo" hinzuarbeiten und um die Ernte ihrer künstlerisch bedeutenden Arbeit einzufahren. Die Jahre zuvor waren von musikalischer Selbstfindung und Destruktivität, aber auch von Innovation, sowie einflussreichen und inspirierenden Begegnungen mit anderen Künstlern geprägt. Album für Album hatten Sonic Youth Grenzen ausgelotet und gegen die musikalische Stagnation in der Rockmusik angekämpft. Ihr letzter Independent-Release "Daydream Nation" von 1988 war der Höhe- und Wendepunkt dieser "Sturm und Drang"-Phase. Ab diesem Album war die Musik von Sonic Youth strukturierter, detailverliebter, spannungsreicher und zum Teil auch zugänglicher aufgebaut. "Goo" dagegen war und ist immer noch das heimliche Popalbum von Sonic Youth. Und das bessere "Nevermind" sowieso. Die Band zeigte auf diesem Album, dass sie zu jeder Zeit zu allem fähig ist. Selten boten Sonic Youth eine derart unberechenbare, eiskalte und abgezockte Leistung, wie auf ihrem Major-Debüt. Unter der Oberfläche zeitlos schöner Popmelodien wie in "Mote" oder "Disappearer" sägten und quietschen die Gitarren von Moore und Ronaldo wie Baggerschaufeln auf Beton. Meisterhaft und kompromisslos bauen sie Schicht für Schicht in "Mildred Pearce", "Cindarellas Big Score" und "Scooter + Jinx" eine Wand aus Gitarren auf, nur um sie Sekunden später wieder einstürzen zu lassen. Fein, differenziert und um Nuancen erweitert stellt "Goo" das klanglich reinste Werk von Sonic Youth dar. Es brachte alle Tugenden, wie auch schon sein Vorgänger, auf einen Nenner und funktioniert als Gesamtkunstwerk genauso gut wie als lose Hitsammlung. Abgerundet wird das Ganze durch Gastauftritte von Chuck D in "Kool Thing" und J. Mascis in "My Friend Goo". Die Bedeutung von "Goo" liegt besonders in der Rückschau darin, dass die Undergroundband Sonic Youth mit ihrem Vorhaben, bei einem großen Konzern (Geffen) zu unterschreiben, völliges Neuland betrat und neben ebenfalls einflussreichen "Alternative"-Wegbereitern wie Hüsker Dü oder R.E.M zu den ersten Independent-Bands zählte, die diesen Schritt wagte.