Nach dem ausgezeichneten Reissue von Dirty vor 2 Jahren ist nun dessen mindestens genauso gutes Vorgängeralbum Goo an der Reihe, ein Album dessen Bedeutung über rein musikalisches weit hinausgeht. Als erstes Major-Album einer bedeutenden Independent-Band hatten Sonic Youth im Vorfeld mit schweren Bedenken zu kämpfen, ob sie ihre künstlerische Integrität bei einem Label wie Geffen beibehalten konnten. Die kurze Antwort war: Und ob, denn Goo war nicht kommerzieller und nur marginal eingängiger als sein monumentaler Vorgänger Daydream Nation und mindestens genauso kraftvoll. Womit Sonic Youth nachdrücklich demonstrierten, dass Major Labels nicht notwendigerweise ihre Bands ruinieren – eine Erkenntnis, die kurz darauf einer damals ziemlich unbekannten Band namens Nirvana dazu verhelfen sollte, Indierock in den Mainstream zu katapultieren, mit den bekannten Resultaten. Goo selbst ist ein so bekanntes Album, dass darüber nicht viel gesagt werden muss, ausser dass es verdammt gut gealtert ist und selbst 15 Jahre später noch immer innovativ und aufregend, noisy und melodiös zugleich klingt, vom phantastischen Opener „Dirty Boots“ über „Tunic“ (die Hymne an Karen Carpenter) und „Kool Thing“ (mit Gast Chuck D von Public Enemy) bis letzten Feedbackdröhnen von „Titanium Exposé“.
Universals Deluxe Edition lässt nichts zu wünschen übrig – der Sound ist (sogar nach Ansicht der Band) besser denn je und die 2 CDs sind so vollgestopft mit Bonusmaterial (B-Sides, Demos, Outtakes und Alternate Takes), dass Fans allein mit dem Vergleich von (Indie)Demos und (Major)Endversionen wahre Orgien feiern können. Bleibt nur zu wünschen, dass Sonic Youths Meisterwerk Daydream Nation bald mit einer ähnlich grossartigen Edition gewürdigt wird.