Aus der Amazon.de-Redaktion
Christopher Locke wurde hier zu Lande als einer der Autoren des
Cluetrain Manifests bekannt. Im Mai 1996 hatte er im Internet ein kleines Webzine mit E-Mail-Liste gegründet. Der Titel: Entropy Gradient Reversal, kurz EGR. Das Rezept: Leser, mögliche Sponsoren und Kunden werden hemmungslos durch den Kakao gezogen, bis hin zur Verleumdung. Mit dieser Masche zieht Locke mittlerweile über 5.000 regelmäßige Leser in den Bann.
Jetzt hat er sein illustres Treiben in dem Buch Gonzo-Marketing zusammengefasst. Darin fordert er die Abkehr vom herkömmlichen Massenmarketing und Big Business. Mit Gonzo sind die vielfältigen "Beziehungen zu den neu entstehenden Online-Gemeinschaften" gemeint. Jeder Akteur, ob Manager oder Kunde, ist mittendrin dabei, ist nicht nur Beobachter oder Abzocker, mit Blick auf den eigenen Vorteil und Profit. Oder anders ausgedrückt: Unternehmen bringen sich voll ein in die neuen Mikromärkte im Internet, nehmen dort Bedürfnisse ernst und lassen den Kunden mitgestalten und mitregieren. Im Internet, so Locke, ist es erstmalig möglich, was im Industriezeitalter vollkommen unmöglich war: Menschen beginnen, sich über Dinge auszutauschen, die ihnen wirklich am Herzen liegen -- in kleinen Communities, kleinen Zirkeln und kleinen Produktliebhabergemeinschaften. Small is beautiful!
Locke hat sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt, leider so intensiv, dass man gut ein Viertel des Buches problemlos hätte kürzen können. So stolpert man über immer wieder gleiche Erkenntnisse und Thesen. Dennoch: ein Muss für alle früheren Cluetrain-Fans! --Peter Felixberger
Kurzbeschreibung
Geschichten, Märkte und Lügen
»Gonzo-Marketing ist überhaupt kein Marketing, jedenfalls keines, das selbstvergessen die 4 P hochhält: Produkt, Platzierung, Preis, Promotion. Seit es das Internet gibt, ist der Ort bedeutungslos, der richtige Preis oft null, und die Werberegel Nummer 1 heißt: niemals über das Produkt sprechen. Statt dessen sollte Marketing Menschen zum Zuhören verführen, so wie eine gute Story die Leser dazu bewegt, ihren Unglauben fahren zu lassen.
Wenn das der Punkt ist, dann ist Marketing der falsche Name für das Programm. Weshalb ich es Gonzo-Marketing nenne - ein bohrendes und stacheliges Konzept, angefüllt mit Seemannsgarn und Fabeln, Mythen und Sagen, offensichtlichen Erfindungen: Geschichten eben.«
Gonzo-Marketing stellt klassische Lehren auf den Kopf: Witz trifft auf schlechten Geschmack, Subjektivität und Teilnahme ersetzen Objektivität und Distanz. Gonzo findet eine Lösung für das alte Problem: Unternehmen haben keine menschliche Stimme, doch nur auf eine menschliche Stimme reagieren potenzielle Kunden. Die Botschaft lautet nicht: »Wir wollen dein Geld.« Sondern: »Wir teilen deine Interessen.«
Diskussionen mit Kunden, Kooperation mit Wettbewerbern, unabhängige Kontrolle: ein Albtraum für Unternehmen mit veraltetem Massenmarketing. Machen Sie es anders: Erzählen Sie Geschichten: wahre und erfundene, auf jeden Fall unterhaltsame Storys und Events.
Christopher Locke ist Berater und arbeitet für Unternehmen wie IBM und Fujitsu. Er ist Mitautor des Cluetrain-Manifests.