Ich stieß nur zufällig auf diesen Film und war durch das ansprechende Cover und den Informationstext auf der CD in erwartungsvoller Haltung. Ich freute mich darauf wieder einmal einen guten spannenden Film mit Horrorelementen zu sehen, der sich langsam von einer gefühlten Harmonie in eine Bedrohung umwandelt, in der es für die Protagonisten scheinbar kein Entrinnen mehr gibt. Doch der Film ging in eine komplett andere Richtung. Und diese Richtung hat mich letztendlich etwas enttäuscht.
Normalerweise sind diese Filme immer gleich aufgebaut. Erst vermitteln sie eine (trügerische) Idylle, um dem Zuschauer erst später zu zeigen, dass dies schnell in Entsetzen und Angst umkippen kann. Als aber nach einer Stunde immer noch nichts wesentliches passierte, war für mich klar, dass der Film an Spannung wohl nicht mehr viel zu bieten hat. Die Spieldauer von 84 Minuten bestätigte schließlich diesen Verdacht. Eine gewisse Enttäuschung machte sich bei mir breit, was daran lag, dass der Zuschauer schon zu anfang ahnt, was Taylor (Scott Mechlowicz) mit dem Pärchen Alex (Shaun Evans) und Sophie (Amelia Warner) vorhat. Das mag zum Einen an dem zu durchsichtigen Drehbuch liegen und zum Anderen an dem schlechten Spiel von Scott Mechlowicz, der es nicht schafft durch seine Gestik und Mimik einen zu fesseln. Er bleibt einfach zu blass und legt seinen Charakter wie ein offenes Buch dar. Natürlich ist es dem Drehbuch (wie oben schon erwähnt) anzulasten, dass alles viel zu offensichtlich ist. Taylors gierige Blicke auf Sophie bestätigen schon recht früh, dass er sie besitzen möchte. Und so verhält es sich dann auch. Hier wäre es weitaus besser gewesen, den Zuschauer mehr im Unklaren darüber zu lassen, was Taylor wirklich will. So hatte ich beim Anschauen des Filmes nur diese Gefühle: Zorn auf Taylor, der sich so vehement in diese Beziehung einmischt und Bedauern, dass Sophie nicht merkt, was Taylor im Schilde führt.
Die Charaktere bleiben blass. Allen voran die Person Taylor. Viele Fragen blieben bei mir offen: Was veranlasste ihn, dass Pärchen auf diese Weise auseinanderzubringen? Hat er damals auch schon gemordet? Was ist mit Ingrid passiert? Sucht er sich die Pärchen zufällig aus? Die Psyche des Taylors und seine Beweggründe für die systematische Entfremdung des Paares blieb dem Zuschauer dadurch leider verborgen, was sehr schade ist, denn das hätte die Geschichte weitaus spannender und plausibler gemacht.
Die letzten zehn Minuten waren aber dann doch noch recht nervenzerrend und erst dann passte auch der Titel des Filmes: "Gone - Lauf um dein Leben", wobei auch "Fahr um dein Leben" geeignet gewesen wäre.
Fazit: Der Film ist weder Horrorfilm noch ein spannendes Psychogramm über eine kranke Seele. Er unterhält den Zuschauer bis zu einem gewissen Grade, kann aber durch die Darsteller und das offene Drehbuch zu keinem Zeitpunkt intensiv fesseln. Für die an sich interessante Story und das recht spannende Ende (wenn auch zu abrupt) vergebe ich noch drei Sterne.