Casey Affleck in der Figur des jungen Detektivs spielt durchaus nicht schlecht, wirkt aber viel zu lieb und wohlerzogen, als daß man ihm seine zahlreichen guten Bekanntschaften aus dem zwielichtigen Bostoner Untergrund-Milieu, von denen er seine Informationen bezieht, abkaufen könnte. Ungeachtet dessen ist der Film neben der spannenden Unterhaltung insbesondere aus zwei Gründen empfehlenswert. Zum ersten zeigt er einmal nicht das glänzende Neuengland der Wohlhabenden, sondern gibt einen erstaunlich authentischen und ausführlichen Einblick in die einfachen Lebensverhältnisse eines amerikanischen Arbeiterviertels von Boston. Zum zweiten wartet er am Ende mit folgendem reizvollen moralischen Rätsel auf. Es ist wie folgt zweistufig:
1. Muß man einen verdienten, pensionierten Polizisten (Morgan Freeman), der sein Berufsleben lang vermißte Kinder verzweifelter Eltern gesucht hat und nun mit seiner Frau auf illegale Weise das vernachlässigte Kind einer Drogensüchtigen in seine Obhut und Fürsorge genommen hat, anzeigen, hinter Schloß und Riegel und das Kind zu seiner leiblichen Mutter zurückbringen?
2. Und soll man, wenn man das geschafft hat, und erkennen muß, daß diese Mutter sich kaum gebessert hat, die Vernachlässigung des Kindes durch eigenen Zeiteinsatz abmildern, indem man sich selber für die Nachmittagsbetreuung des Kindes zur Verfügung stellt?
Der junge Detektiv entscheidet sich für die Anzeige, seine Freundin (Michelle Monaghan) mißbilligt diese Entscheidung und verläßt ihn deswegen. Er ist aber nicht so herzlos, wie es scheint, denn ihm dämmert nun, daß er - der wohlmeinend ein Übel beseitigte und ein neues schuf - nun selbst in der Pflicht steht, sich mit um das Kind zu kümmern. Der Film läßt offen, ob er diesem Impuls folgen wird oder dem Kind eine traurige Zukunft bevorsteht. "Wie hätten Sie entschieden?" lautet die Frage an die Zuschauer.
Daß sich das Detektivpärchen bei einem so schönen Dilemma für die Abwägung der Handlungsoptionen und ihrer Folgen kaum Zeit nimmt, ist freilich unrealistisch. Eine Suche nach einem dritten Weg wäre aber wohl der Klarheit der Zwickmühle (gesetz- oder herzlos) abträglich gewesen, da die beiden bei ihrer Erörterung dann glatt daraufgekommen wären, daß es klüger wäre, das Kind einfach heimlich zurückzubringen, und statt die Pflegefamilie ins Gefängnis zu bringen, sie gar - nachdem ein bißchen Gras über die Sache gewachsen wäre - zur eigenen Entlastung für die Nachmittagsbetreuung des Kindes zu verpflichten ;-).