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Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra [Taschenbuch]

Roberto Saviano , Friederike Hausmann
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (109 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Kaum ein anderer hat so akribisch beschrieben, wie die Mafia arbeitet, mordet - und davonkommt.«
Jörg Diehl, spiegel.de

»Eine gleichzeitig kühle wirtschaftliche Analyse und eine packende Reportage eines Autors, der die Sprache derjenigen spricht, die er beschreibt.«
Gregor Hoppe und Lars Reichardt, Süddeutsche Zeitung, Magazin

»Ein seltenes Stück investigativer Journalismus.«
Steffen Richter, Die Welt

»Eine große Reportage über die Macht der Camorra und den Sog des Illegalen. Gründlich recherchiert und atemlos geschrieben.«
Birgit Schönau, Die Zeit

»Die Zuhörer lauschen ihm wie einem Forscher, der von Expeditionen in die unentdeckte Wildnis berichtet.«
Marc Widmann, Süddeut­­sche­­ Zeitun­­g

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Roberto Saviano, geboren 1979 in Neapel, studierte Philosophie an der Universität Neapel Federico II. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Journalist für den ›Corriere del Mezzogiorno‹, ›Il Manifesto‹ und ›L `Espresso‹. ›Gomorrha‹, sein erstes Buch, löste 2006 in Italien, aber auch in den europäischen Nachbarländern, eine breite Diskussion über die weltweite Macht der Camorra aus und wurde ein Weltbestseller. Der Autor erhielt in der Folge Morddrohungen und lebt heute unter Polizeischutz. Er ist Mitglied der Organisation »Osservatorio sulla camorra e l ìllegalità«.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Während der Kran ihn auf das Schiff hievte, trudelte der Container, als schwimme er auf der Luft. Der Spreader, der ihn am Kran hält, konnte die Bewegung nicht stoppen. Die schlecht verriegelten Öffnungen sprangen plötzlich auf, und Dutzende von Körpern fielen heraus. Sie sahen aus wie Schaufensterpuppen. Doch beim Aufprall auf den Boden barsten die Köpfe, als wären es echte Schädel. Und es waren Schädel. Aus dem Container regnete es Männer und Frauen. Auch einige Kinder. Tot. Tiefgefroren, übereinandergepackt, hineingeschichtet wie Heringe in die Dose. Die Chinesen, die ewig leben. Die Unsterblichen, die ihre Papiere vom einen zum anderen weiterreichen. Hier also waren sie gelandet. Die Leichen, über die die wildesten Gerüchte umgingen, es hieß, sie würden in Restaurants verkocht, auf den Grundstücken um die Fabriken herum vergraben, in den Krater des Vesuv geworfen. Da waren sie. Zu Dutzenden purzelten sie aus dem Container, um den Hals Schildchen mit ihrem Namen. Alle hatten Geld beiseite gelegt, um sich in ihren Heimatorten in China begraben zu lassen. Ein Teil des Lohnes war einbehalten worden als Garantie für die Rückreise, als Tote. Ein Platz im Container und eine Grube in einem Fleckchen chinesischer Erde. Als der Kranfahrer aus dem Hafen mir die Sache erzählte, bedeckte er sein Gesicht mit den Händen und blickte mich durch die Fingerzwischenräume an. Als ob diese Maske der Hände ihm Mut mache, weiterzuerzählen. Er hatte die Leichen herausfallen sehen und nicht einmal Alarm schlagen oder jemanden benachrichtigen müssen. Kaum war der Container auf den Boden herabgelassen, tauchten wie aus dem Nichts Dutzende von Menschen auf, stapelten die Leichen wieder hinein und schwemmten die Reste mit einem Wasserschlauch weg. So lief das. Der Kranfahrer konnte es selbst noch nicht fassen, hoffte, es sei nur eine Halluzination, wegen der vielen Überstunden. Er schloß die Fingerzwischenräume, bedeckte das ganze Gesicht mit den Händen und sprach weinerlich weiter, aber ich konnte ihn nicht mehr verstehen.

Alles nur Denkbare wird hier durchgeschleust. Durch den Hafen von Neapel. Stoff, Plastikteil, Spielzeug, Hammer, Schuh, Schraubenzieher, Bolzen, Videospiel, Jacke, Hose, Bohrer oder Uhr, es gibt nichts, was nicht den Hafen passiert. Er ist eine klaffende Wunde. Endpunkt der endlosen Reisewege der Waren. Die Schiffe kommen an und steuern im Golf auf das Hafenbecken zu wie die Jungen zu den Zitzen des Muttertieres, nur daß sie nicht saugen, sondern ausgesaugt werden. Der Hafen von Neapel ist die Öffnung im Globus, durch die ausgespuckt wird, was China und der Orient hervorbringen, den die Chronisten auch heute noch gern den Fernen Osten nennen. Fern, sehr fern. Fast unvorstellbar. Wenn wir die Augen schließen, sehen wir Kimonos, Marco Polo mit seinem Bart und Bruce Lee im kühnen Sprung. In Wirklichkeit ist dieser Orient mit dem Hafen von Neapel so eng wie mit keinem anderen Ort der Welt verbunden. Hier hat der Orient nichts Fernes. Er liegt unmittelbar vor der Tür und müßte der Nahe Orient genannt werden. Alles, was China produziert, wird hier ausgekippt. Wie wenn einem Kind sein Eimerchen in einer Sandkuhle umfällt und das verschüttete Wasser sich ausbreitet und versickert. Über Neapel werden zwanzig Prozent des Wertes der Textilproduktion aus China eingeführt, aber siebzig Prozent der Warenmenge passieren den Hafen. Dieses merkwürdige Phänomen ist schwer zu verstehen, aber Waren haben magische Fähigkeiten, sie können existieren, ohne vorhanden zu sein, ankommen, ohne je zu erscheinen, den Kunden ein Vermögen kosten, obwohl sie wertlos sind, für die Steuerbehörden als Lumpen durchgehen, obwohl sie aus edlem Material sind. Bei den Textilien gibt es eine ganze Reihe Warenkategorien, und auf den Begleitpapieren genügt ein Federstrich, um Kosten und Mehrwertsteuer radikal zu senken. Im schwarzen Loch des Hafens scheint sich die molekulare Struktur der Dinge aufzulösen und erst in einiger Entfernung von der Küste wieder zusammenzufügen. Die Ware muß den Hafen sofort verlassen. Alles geht so schnell, daß sie verschwindet, während es geschieht. Als ob gar nichts gewesen wäre, nur eine Handbewegung. Eine nicht vorhandene Fahrt, eine falsche Ankunft, ein Gespensterschiff, eine Ladung, die sich in Luft auflöst. Als ob sie nie existiert hätte. Verdampft. Die Ware muß beim Käufer ankommen ohne Spuren ihrer Reise, sie muß sein Lager schnell erreichen, sofort, bevor die Zeit läuft, die Zeit, während der eine Kontrolle stattfinden könnte. Tonnen von Waren bewegen sich, als wären sie Päckchen, die vom Postboten ausgeliefert werden. Auf den 1336000 Quadratmetern Fläche und den 11,5 Kilometern Länge des Hafens von Neapel erfährt die Zeit eine erstaunliche Verdichtung. Was draußen eine Stunde dauern würde, scheint hier in kaum einer Minute möglich zu sein. Die angeblich sprichwörtliche Langsamkeit der Neapolitaner wird hier Lügen gestraft. Die chinesischen Waren unterlaufen die zeitliche Dimension, in der der Zoll seine Kontrolle durchführen kann. Rasend schnell. Eine Minute nach der anderen Minute wird hier niedergemacht. Ein Massaker von Minuten, ein Blutbad von Sekunden, der Durchsicht der Papiere entrissen, angetrieben vom Gaspedal der Lastwagen, begleitet von den Kränen und Loren, die die Container ausweiden.
Im Hafen von Neapel ist die größte staatliche Reederei Chinas tätig, die Cosco. Sie gebietet über die drittgrößte Handelsflotte der Welt und betreibt den größten Containerterminal. Sie kooperiert mit der MSC, die ihrerseits die zweitgrößte Handelsflotte der Welt besitzt und in Genf ansässig ist. Schweizer und Chinesen haben sich zusammengetan und beschlossen, den größten Teil ihrer Geschäfte in Neapel abzuwickeln. Hier verfügen sie mit mehr als neunhundertfünfzig Metern Kaimauer, hundertdreißigtausend Quadratmetern Containerterminal und dreißigtausend Quadratmetern Außenfläche über ein Areal, auf dem fast der gesamte Verkehr von und nach Neapel abgewickelt wird. Man muß viel Phantasie aufbringen, um sich vorzustellen zu können, wie sich die ungeheure chinesische Produktion ganz auf den neapolitanischen Hafen konzentrieren kann. Ein biblisches Gleichnis drängt sich auf, der Hafen ähnelt dem Nadelöhr, durch das anstelle des Kamels Schiffe ziehen. Buge, die sich kreuzen, riesige Frachter, die in Reih und Glied draußen auf die Einfahrt in den Golf warten, beim Manövrieren das Ächzen der Hecks, der eisernen Aufbauten, der Bordwände und Bolzen, wenn sie sich in das enge neapolitanische Loch zwängen. Wie in einen Anus, dessen Schließmuskel sich unter großen Schmerzen weitet.
Doch das stimmt nicht. Es ist ganz anders. Keinerlei augenfälliges Durcheinander. Alle Schiffe laufen in ordentlicher Reihenfolge ein und aus, jedenfalls wirkt es vom Festland aus so. Dabei nehmen hundertfünfzigtausend Container pro Jahr diesen Weg. Ganze Städte voller Waren werden im Hafen aufgebaut, um gleich wieder abgebaut und weitertransportiert zu werden. Der Vorzug des Hafens liegt in seiner Durchlässigkeit, keinerlei bürokratische Verlangsamung, jede gründliche Kontrolle würde diesen Gepard des Transports in ein langsames und schwerfälliges Faultier verwandeln.
An den Piers finde ich mich nie zurecht. Der Bausan-Pier wirkt wie aus Legobausteinen übereinandergestapelt. Eine riesige Struktur, die gar keinen Raum zu haben, sondern ihn zu erfinden scheint. Eine Ecke des Piers erinnert an einen Bienenstock. Tausende seltsame Waben füllen eine ganze Wand. Es sind die Steckdosen für die Reefer-Container, die Tiefkühlprodukte transportieren und wie Schwänze an diesen Wabenwänden hängen. Alle Burger und Fischstäbchen der ganzen Welt sind in diesen eisigen Containern gestapelt. Am Bausan-Pier habe ich stets den Eindruck, ich könnte sehen, woher sämtliche für die Menschheit produzierten Dinge kommen. Wo sie die letzte Nacht verbringen, bevor sie verkauft werden. Als stünde ich am Ursprung der Welt. Innerhalb von Stunden durchqueren diesen Hafen alle Klamotten, die die Pariser Jugend... -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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