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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, 21. Dezember 2009
Gomorrha ist ein mitunter gut geschriebenes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch über die Camorra. Roberto Saviano vordringlichstes Ziel mit diesem Buch ist es, Namen zu nennen, denn gerade diese Öffentlichkeit möchten die von ihm Genannten nicht. Es wird auch deutlich, was die Camorra ist. Sie ist ein auf die Macht des Stärkeren reduzierte wirtschaftliche Maschinerie, die brutal, rücksichtslos und ichbezogen (familienbezogen) agiert. Beispiele hierfür liefert Saviano im Überfluss.
Wichtig für den, der dieses Buch liest ist: Es ist und will zu allererst ein Sachbuch sein. Auch wenn der Autor in der "Camorra-Region" aufgewachsen ist und vieles selbst miterlebt hat, sind viele Quellen Gerichtsurteile, Medienartikel etc.
Es ist ein fesselndes Buch, weil fast mit jeder Seite neue Aktionen und erschütternde Details zur Sprache kommen. Es ist aber auch ein etwas verwirrendes Buch, weil sehr viele Namen auftauchen und Saviano sich nicht an die zeitliche Stringenz hält. Er möchte den Geist der Camorra aufschreiben, wie diese Menschen handeln, denken und leben. Dies gelingt ihm ausgesprochen gut.
Stark und fast romanhaft sind mitunter Passagen geschrieben, in denen Saviano näher auf einzelne Personen und ihre Lebensumstände eingeht.
Ein gutes, hoch aktuelles und brisantes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Feder ist mächtiger als das Schwert?, 15. Januar 2010
Roberto Saviano wurde 1979 in Neapel geboren. Nach einem Philosophie-Studium arbeitete er als Journalist und mit seinem Debüt Gomorrha gelang ihm ein Bestseller. Das der Autor aufgrund dieses Buches über die Camorra unter permanentem Personenschutz steht, brachte Autor und Buch grosse Aufmerksamkeit der Medien, auch in Deutschland, ein. Saviano nennt Namen und hat sich damit anscheinend in grosse Gefahr gebracht.
Mag sein, dass viele der Namen unter Kennern der Materie und besonders in Italien bereits vor Gomorrha bekannt waren. Saviano zitiert Berichte italienischer Zeitungen über Gerichtsverhandlungen und Festnahmen. Ob die eigene Recherche des Autors in Neapel, anderen italienischen Orten und in Aberdeen dazu beigetragen hat, bislang unbekannte, kriminelle Machenschaften aufzudecken, wird im Buch nicht erwähnt. Was dem Autor aber zweifellos gelungen ist, ist das Thema Camorra einem größeren Publikum nahezubringen. Allerdings bleiben, etwa als deutschem Leser, die wenigsten der Namen in diesem Buch hängen. Seitenlang werden Ortsnamen, Personen und deren Spitznamen aufgeführt, von denen die wenigsten je gehört haben werden. Sie scheinen auch nicht allzu wichtig zu sein, da sie sehr austauschbar wirken. Interessanter ist das System, das Saviano beschreibt. Und dieses System scheint in Neapel (und weltweit) so tief verwurzelt zu sein, dass es auch noch jahrzehntelang weiter intakt bleiben wird. Falls es überhaupt je beendet werden kann. Unabhängig von der Frage, wie relevant nun die Namen in diesem Buch sind, hilft Gomorrha dabei das Wesen der Camorra und anderer krimineller Organisationen (Saviano erwähnt z.B. auch die beiden anderen italienischen Vereinigungen Cosa Nostra und N'dranghetta) zu verstehen.
Nicht nur das Bild der Öffentlichkeit von der Mafia ist stark geprägt von Hollywood-Filmen wie etwa Der Pate. Saviano schildert wie sehr die realen Mitglieder der Mafia von diesen Bildern beeinflußt werden. Als schillerndes Beispiel nennt Saviano die Villa eines Camorra-Bosses, die nach dem Vorbild aus dem Film Scarface von Brian De Palma erbaut wurde. Und seit Pulp Fiction klagte die Polizei Neapels darüber, dass bei Schießereien immer häufiger mit schräg gehaltener Pistole verheerender Schaden angerichtet wurde.
Diese Szenen sind aber untypisch für Savianas Buch. Er verklärt die Mafia nicht, sondern beschreibt sie. Nicht immer streng objektiv, sachlich und nüchtern. Seine literarischen Ambitionen wirken mitunter etwas deplaziert und nicht immer geglückt. Im letzten Drittel des Buches formuliert er seine Abscheu und seinen Wunsch gegen das Leben in Neapel, das er als Kriegsschauplatz empfand, immer deutlicher.
Im Kern ist es die Gier die den Antrieb für die Mafia darstellt, die Gier nach Macht. Gefürchtet (wenn schon nicht respektiert) werden, attraktiv beim anderen Geschlecht sein und die Aussicht auf den Aufstieg in der Hierarchie zu haben. Alternativen sind zwar vorhanden, aber für manchen nicht attraktiv genug. In zehn Stunden als Dealer so viel verdienen wie in 6 Monaten als Schweinehirte. Aber auch das ist kein typisches Beispiel aus diesem Buch. Denn der junge Ägypter, der sich auf eigene Faust innerhalb kürzester Zeit bereichern wollte, stand ausserhalb des Systems. Er führte seine Gewinne nicht an die Organisation ab, war also ein Konkurrent, ein Störfaktor. Wie so viele andere in Gomorrha wurde auch er erschossen, weil er sich gegen das System gestellt hatte.
Der Regelfall in Savianos Schilderungen ist der kleine Camorrist am untersten Ende der Hierarchie, der ein monatliches Einkommen unter 1000 Euro erhält und nur seinen Kontaktmann, nie aber die gesamte Organisation kennt.
Interessant sind, neben vielen weiteren Details, das Kapitel über Kalashnikow und seine Erfindung, die AK 47, sowie die Rolle der Frau im System (nicht nur als Ehefrau oder Geliebte, sondern mitunter auch als Boss), und das Selbstbild vieler Camorra-Mitglieder, die es schaffen christliche Werte, Gemeinwohl und ihren legalen und illegalen Broterwerb als harmonische Einheit zu sehen.
Roberto Savianos Gomorrha hat mich des öfteren sehr an The Sopranos erinnert, allerdings ohne dessen humoristischen Ansatz. Savianos Buch ist überaus ernst, alarmierend und erschütternd. Der Autor zeigt ein anderes Bild, als das des stereotypen Mafiosi. Obwohl es zumeist um Schauplätze in Neapel und Umgebung geht, wird klar, wie weit die Verbindungen der Camorra reichen. Internationaler Waffen- und Drogenhandel, Abfallwirtschaft, Modeindustrie, Bauwirtschaft und andere Betätigungsfelder sorgen für immens hohe Einnahmen. Und zumeist wird zweigleisig gefahren, illegale und legale Geschäfte betrieben, um die Geldwäsche zu erleichtern und Optionen zu haben. In Neapel leben die meisten Nutznießer, aber auch besonders viele Opfer der Camorra. In den Ghettos von Neapel wird der Verschnitt von Drogen an der örtlichen Bevölkerung erprobt, Bauern müssen ihre Felder aufgeben (die von illegal entsorgtem Giftmüll verseucht wurden) und für Menschen, die das aussprechen, was ohnehin alle wissen, wird Neapel zum Gomorrha, ein Ort den man nur noch verlassen kann. Robert Saviano hat Neapel verlassen. Wer zurückblicken will, wird nicht, wie in der Bibel, zur Salzsäule erstarren, sondern erschaudern.
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126 von 201 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein beeindruckendes Buch, 27. August 2007
Nicht erst durch den sechsfachen Mord unlängst in Duisburg hat dieses Buch seine Aktualität bekommen. In Italien schon seit langem ein Bestseller, erscheint jetzt die deutsche Übersetzung. Und punktgenau wird eben durch die Morde verdeutlicht, dass in Deutschland eben nicht nur Schutzgeld erpresst wird, sondern die Camorra ihr Netz bereits dicht gesponnen hat. Hier werden die Strukturen gezeigt, wie beispielsweise nach der Wende in den fünf neuen Ländern mit Investitionen Geldwäsche in ganz großem Stil vollzogen wurde und die Mafia mittlerweile ein wichtiges Standbein hierzulande errichtet haben. Und dass dies scheinbar ungeachtet der Öffentlichkeit und der Staatsorgane geschehen konnte.
Doch trotz der bestürzenden aktuellen Ereignisse ist das Mutterland der Camorra nach wie vor Italien. Was für einen Deutschen meist nur durch die TV-Serie Alleine gegen die Mafia" mit Commissario Corrado Cattani bekannt ist, wird hier mit den genauen Vorgehensweisen, den Taten und den Namen der Betroffenen und Drahtzieher ein wahres Gesicht gegeben. Ein gewisses Interesse und Kenntnisse der italienischen Innenpolitik und der wichtigen Köpfe sei jedoch angebracht, um manche Zusammenhänge besser verstehen zu können.
Obwohl es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, ist es dennoch sehr flüssig zu lesen, ja bei mir kam fast so etwas wie Spannung auf.
Dass das Buch eine hohe Brisanz hat, eben weil es scheinbar lange unausgesprochene und unaussprechliche Wahrheiten ausspricht, zeigt nicht alleine die Tatsache, dass der Auto Robert Saviano auf der Todesliste steht und seit Jahren unter Polizeischutz steht.
Ein gutes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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