Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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212 von 324 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Nicht komplett misslungen - aber bei weitem kein Kapuscinski, 1. November 2007
Ich habe das Buch nur gekauft, weil ich meinen Flug verpasst hatte und mir nach mehreren Stunden Wartezeit einfach der Lesestoff ausging. Gomorrha wurde in einem Zeitungsartikel dabei als Buch vorgestellt, das im Grenzbereich zwischen Journalismus und Literatur agiert; der Name Kapuscinski als Vergleichsmassstab ist dabei dann auch gefallen.
Die Buecher ueber die Mafia, die ich bisher gelesen habe, sind i.d.R. zwiespaeltig: Entweder zu wissenschaftlich und detailliert (Salvatore Lupo: Geschichte der Mafia), oder zu reisserisch, sensationsluestern und oberflaechlich (David Southwell: Die Geschichte des organisierten Verbrechens). Andere wiederum beziehen sich nur auf einen Ausschnitt des Phaenomens und sind zu personenbezogen (Leoluca Orlando: Ich sollte der Naechste sein, bzw. Der sizilianische Karren). Von daher ist Roberto Savianos 'Gomorrha' eigentlich insgesamt ganz gut positioniert, wenngleich der Fokus nur auf der Camorra liegt.
Die Art des Genres - Sachbuch mit Fiktion gemischt - sagt mir eigentlich auch besonders zu; allerdings hat Ryszard Kapuscinski die Latte fuer dieses Format sehr hoch gelegt. So war meine eigentliche Frage an Gomorrah, ob Roberto Saviano diese Hoehe wird ueberspringen koennen oder ob er reissen wird. Um es vorwegzunehmen: Er hat gerissen, und zwar sehr deutlich. Die Gruende dafuer sind vielfaeltig.
Zum einen da die Mischung Sachbuch/Fiktion bei Saviano unklar geblieben ist. Manche der als Fakten verkauften Schilderungen nehme ich dem Roberto einfach nicht ab. Entweder er hat nicht ausreichend recherchiert, oder sich auf die falschen Quellen verlassen. Etliches bleibt doch sehr unwahrscheinlich (z.B. die Sache mit Angelina Jolies Oscarkleid). Bei vielen anderen Schilderungen ging es mir aehnlich: soll ich dem Roberto das, was er mir gerade erzaehlt, jetzt tatsaechlich abkaufen?
Zum anderen zieht sich durch den gesamten Text das der Mafialiteratur eigene reisserische Element zu stark durch. Schon zu Beginn, die Schilderung der gefrorenen Koerper, die beim Loeschen einer Schiffsladung zu Boden fallen, wobei dann die Koepfe zerplatzen wie Melonen. Diese Episode hat keinerlei weitere Funktion im Buch und war auschliesslich gedacht, die Verkaufszahlen zu steigern. Und es gibt weitere Stellen im Buch dieser Art.
Viel gewichtiger ist jedoch, dass auch Saviano ein Stilelement benutzt, das insbes. in Mafiaverfilmungen immer wieder praegend ist - das Element der Bewunderung, des religioes Verbraemten. Dies kommt insbes. im Kapitel ueber die Frauen der Camorra zum tragen, ein Kapitel das m.E. das schwaechste des gesamten Buches ist.
Es ist unertraeglich zu lesen, wie uns Saviano versucht klarzumachen, dass es zum Prozess des Frauwerdens dazugehoert, wenn der Freund (Ehemann) ein Opfer der Camorra wird. Wobei dann der Trauergottesdienst eine Art Initiationsritual fuer das betroffene Maedchen ist, auf ihrem Weg zur Frauwerdung. Nur wenn erst der erst Freund (Ehemann) von den Killern der Camorra niedergestreckt wurde, wird sie in den Kreis der echten, vollentfalteten Frauen aufgenommen und geniesst fortan einen besonderen Status. Ich halte das - gelinde gesagt - fuer einen riesengrossen Unfug und eine Zumutung an die Leser.
Andere Kapitel erhalten dann wieder interessante Informationen, die mir so in der Form noch nicht bekannt waren, wie z.B. die Thematik Zement und Muellentsorgung und ihre Tragweite und Funktion im gesamten Geschaeftsgebaren der Camorra; diese Passagen erscheinen besser recherchiert zu sein. Eine Informationsfuelle und -aufbereitung dieser Art haette ich mir immer gewuenscht.
Eine weitere eklatante Schwaeche ist die Sprache Savianos. Ueber weite Strecken versucht er - ein ausgebildeter Reporter - sich als Schriftsteller, der sein Koennen unter Beweis stellen will. Das misslingt gruendlich. Immer da, wo er die sachliche Ebene verlaesst und schriftstellerisch wirken moechte, wird es schwer zu lesen, langweilig und teilweise richtig unertraeglich. Er verwechselt dabei das Genre Journalismus auf literarischem Niveau mit Faktenschilderung und dann Draufloschwaetzen.
Das ist es jedoch nicht was Ryszard Kapuscinski zu seiner Meisterschaft verholfen hat. Er praktiziert zur Vollendung, was Saviano nicht gelingt: Schilderung von Sachverhalten und recherchierten Fakten auf literarisch hoechstem Niveau. Saviano ist immer dort gut, wo er nahe an den Fakten bleibt und immer dort schlecht, wo er Ausfluege ins Schriftstellerische unternimmt.
Ganz grds. denke ich jedoch, dass Gomorrha kein komplett misslungenes Buch ist. Es hat gute Ansaetze, aber eben auch grosse Schwaechen. Der Autor ist noch jung und dies ist sein Debut; er kann, wird und muss jedoch noch viel lernen um in dieser Klasse von Literatur zukuenftig eine Rolle spielen zu koennen.
Seine Aussage, die Literatur als Waffe gegen die Camorra einsetzen zu wollen, da er dies als wirkungsvoller erachtet, als die herkoemmlichen strafrechtlichen und kriminalistischen Methoden, diese Aussage sollte er sich jedoch auch noch einmal ueberlegen. 2.5 Sterne.
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95 von 168 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein beeindruckendes Buch, 27. August 2007
Nicht erst durch den sechsfachen Mord unlängst in Duisburg hat dieses Buch seine Aktualität bekommen. In Italien schon seit langem ein Bestseller, erscheint jetzt die deutsche Übersetzung. Und punktgenau wird eben durch die Morde verdeutlicht, dass in Deutschland eben nicht nur Schutzgeld erpresst wird, sondern die Camorra ihr Netz bereits dicht gesponnen hat. Hier werden die Strukturen gezeigt, wie beispielsweise nach der Wende in den fünf neuen Ländern mit Investitionen Geldwäsche in ganz großem Stil vollzogen wurde und die Mafia mittlerweile ein wichtiges Standbein hierzulande errichtet haben. Und dass dies scheinbar ungeachtet der Öffentlichkeit und der Staatsorgane geschehen konnte.
Doch trotz der bestürzenden aktuellen Ereignisse ist das Mutterland der Camorra nach wie vor Italien. Was für einen Deutschen meist nur durch die TV-Serie Alleine gegen die Mafia" mit Commissario Corrado Cattani bekannt ist, wird hier mit den genauen Vorgehensweisen, den Taten und den Namen der Betroffenen und Drahtzieher ein wahres Gesicht gegeben. Ein gewisses Interesse und Kenntnisse der italienischen Innenpolitik und der wichtigen Köpfe sei jedoch angebracht, um manche Zusammenhänge besser verstehen zu können.
Obwohl es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, ist es dennoch sehr flüssig zu lesen, ja bei mir kam fast so etwas wie Spannung auf.
Dass das Buch eine hohe Brisanz hat, eben weil es scheinbar lange unausgesprochene und unaussprechliche Wahrheiten ausspricht, zeigt nicht alleine die Tatsache, dass der Auto Robert Saviano auf der Todesliste steht und seit Jahren unter Polizeischutz steht.
Ein gutes Sachbuch, dass zu lesen lohnt.
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26 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ich ziehe den Hut!, 21. September 2007
Eigentlich liebe ich Italien und besonders Neapel, aber wer sich schon einmal auf einer als Europastrasse gekennzeichneten Trasse irgendwo in den Hinterhöfen von Downtown Neapel wiedergefunden hat, weiß wovon der Autor spricht!
Man kann ihm nur Respekt zollen für seine Ortskenntis, die fundierte Recherche und vor allem für den Mut, dies auch in einem Buch unterzubringen.
Hut ab!
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