Es kann geschehen, dass einem Bücher genau in dem Moment in die Hände fallen, in dem man einen "Support" aus welchen Gründen auch immer benötigt. Man mag es Zufall nennen, vielleicht ist es aber auch so etwas wie Schicksal nämlich, vor allem dann, wenn einem aus einem Buch Hilfe, Bestärkung vielleicht sogar Erlösung aus Ratlosigkeit und beginnender Verzweiflung zu Teil wird.
Ich selbst bin Golfneuling und bemühe mich als solcher seit geraumer Zeit, "das weiße harte Kügelchen mit einem l-förmigen Stock von Punkt A zu Punkt B zu befördern" und ich mache die niederschmetternde Erfahrung, dass dies von allen mir in meinem 70jährigen Leben begegneten Problemen das schwierigste, ja bis heute unlösbarste ist.
Nach zahllosen auf der Driving Range misslungenen Schlagversuchen, zahlreichen Nachhilfestunden von geduldigen Pros und desaströsen Platzrunden allein und in Begleitung mitleidender Freunde hatte ich den Zustand absoluter Hoffnungslosigkeit erreicht.
Doch genau in diesem Moment schenkte mir ein Freund Jon Updikes "Golfträume".
Ohne zu übertreiben darf ich sagen, dass mich u. a. dieses Buch daran gehindert hat, den Golfsport an den Nagel zu hängen.
John Updike beschreibt mit einer wohltuenden kritischen Distanz zum Thema aus vielen Blickwinkeln und aus einem reichen Repertoire eigener Erfahrungen die Höhen und Tiefen dieser den ganzen Menschen in psychischer, physischer und charakterlich-sozialen Hinsicht erfassenden Disziplin. Er lässt uns die Vielschichtigkeit der über Erfolg und Misserfolg entscheidenden Faktoren erkennen und beschreibt auf humorvolle Weise Daseins- und Bewusstseinszustände des Golfers bei seinem Bemühen, das scheinbar Sinnlose, die Beförderung der Kugel, zu perfektionieren. John Updike leistet Überzeugungsarbeit für die Zweifler, die Frustrierten aber auch für die Skeptiker und Spötter, die im Golfsport so eine Art Trost für diejenigen sehen, die altersbedingt ihre Fitness eingebüsst haben.
Er öffnet einem die Augen für die Chancen, Freunde zu gewinnen, sich Trost und Motivation durch das Gespräch und das nicht nur über Golf zu beschaffen, für die Chance der Selbstbesinnung in der Begegnung mit der Natur und der Einsamkeit und nicht zuletzt für die Erfahrung der "Demut", denn niemand wird je von sich sagen können, dass er es (das Golfspiel) könne.
Insgesamt ein tröstliches, humorvolles und menschlich bescheidenes Buch, das bestimmt mit dem Vorurteil aufräumt, dass Golf eine "elitäre", von wenigen zu Recht beanspruchte Domäne sei. Ich bedanke mich für den Trost und die Ermutigung, die ich durch das Buch erfahren habe, aber ganz besonders bedanke ich mich in diesem Zusammenhange auch bei meiner Lebensgefährtin, die mich zum Golfsport überredet hat.