"Immer, so weit ich zurückdenken kann, hab ich das Meer gehört"
Mit diesen Worten, die schon die Keimzelle dieses Romans sind, beginnt Jean-Marie Gustave Le Clézios "Der Goldsucher".
Vordergründig betrachtet; ein Abenteuerroman. Sehr bald ist man als Leser in diesem poetischen Prosameer gefangen und merkt, dass es Jean-Marie Gustave Le Clézio um viel mehr geht, als man vielleicht vermutet hat.
Alexis' Suche nach dem vermeintlich auf Rodriguez versteckten Gold des Korsaren wird zu einer lebensbestimmenden Suche, die Alexis zurück in die Traumwelt seiner Kindheit führt und ihn in seine Heimat Mauritius zurückkehren lässt.
Besonders fasziniert hat mich an diesem Roman die allgegenwärtige Liebe des Autors zu seinen Figuren (die gleichgestellt mit seiner Liebe zum Meer scheint). Die literarische Zeichnung seiner Frauengestalten gehört mitunter zum Schönsten, das ich je gelesen habe (und ist nebenbei bemerkt auch meilenweit vom Kitsch entfernt).
Ein großartiger, im besten Sinne wunderschöner Roman, von dem man sich nach wenigen Seiten schon nicht mehr trennen will.
Ein exotisches literarisches Abenteuer, eine Schatzkiste der Träume und ein Hohelied der Liebe, ein Fest für alle Sinne.
"Der Goldsucher" war mein zweiter Roman von Jean-Marie Gustave Le Clézio und hat mich endgültig von der Größe dieses Autors überzeugt.
Das ist Weltliteratur, große Kunst, die weit entfernt vom literarischen Mainstream ist.
Wenn auch Literaturpreise nicht ausschlaggebend für die künstlerische Qualität sind, so hat die diesjährige Vergabe des Nobelpreises für Literatur doch sehr viel erreicht, schon allein dadurch, dass die uns Lesern durch die Neuauflagen dieser in den Backlists der Verlage KiWi und Piper schlummernden Schätze die Chance gab, diesen Autor zu entdecken.
Zusammen mit J. M. Coetzee, Imré Kertesz und José Saramago ist er (meiner Meinung nach) einer der wenigen Schriftsteller, die diesen Preis in den letzten Jahren wirklich zu Recht erhalten haben.