Okay, bringen wir es ohne Umschweife hinter uns: Das fünfte Album der Firma, "Goldene Zeiten", kommt nicht an den Vorgänger "Krieg und Frieden" heran. Aber das konnte man auch kaum erwarten, denn es handelte sich um eines der besten deutschen Rap-Alben. Diese unglaubliche Leistung, also 22 beinahe ausnahmslos sagenhafte Songs auf einem harmonischen, durchweg inhaltlich, reimtechnisch und musikalisch hochwertigen Album zusammenzustellen, noch einmal genauso zu wiederholen, war schier unmöglich. Die Firma hatte es also nicht leicht. Und genau deshalb ist es ratsam, an "Goldene Zeiten" mit gedämpfter Erwartungshaltung heranzugehen, um nicht jeglichen Hörspaß gleich im Keime zu ersticken - denn "Goldene Zeiten" ist zwar nicht perfekt, aber immer noch ein sehr gutes Rap-Album. Da wäre die eine positive Lebenseinstellung vermittelende Single "Glücksprinzip", die rundum überzeugen kann. Oder das wunderbar entspannte, herrlich melancholische "Lass los", das mit schönem Beat und verträumter Hook aufwartet. Auch wenn die Firma schon unzählige politische und sozialkritische Songs entworfen hat, ist auch "Was kann ich tun?", das wieder eine ähnliche Thematik aufgreift, wohl auch dank des Klasse-Beats ein Stück geworden, das höchsten Firmen-Fans-Ansprüchen genügen dürfte. Ein weiteres Highlight ist "Wenigstens ham wirs versucht", eine Art Rückblick auf das Schaffen der drei Kölner, der sich intensiv mit deren Absichten und Zielen befasst. Auch hier wieder: Tolle Hook, Hammer-Beat und aussagekräftiger Text.
Es wird also schnell deutlich, dass die Firma nichts verlernt hat und "Goldene Zeiten" einige fantastische Tracks bereithält. Allerdings ist die Konstanz nicht ganz so hoch wie auf "Krieg und Frieden". Manche Songs wurden firmen-untypisch durch RnB-Gesülze ("Wenn wir uns sehen") ein wenig unpassend weichgespült, ein anderes Mal will der Beat mit den Flows von Tatwaffe und Benski nicht so recht zusammenpassen ("Hip Hop"): Man hat irgendwie den Eindruck, dass die beiden MCs vergeblich gegen diesen komplexen, hektischen und etwas überladenen Beat ankämpfen, rhythmisch will Text und Musik nicht wirklich zu einer Einheit verschmelzen. Das war eben auch eine Sache, die "Krieg und Frieden" zu einem fast perfekten Werk gemacht hat: Die Beats waren alle genau auf die Textidee abgestimmt, waren passend und gut, haben sich aber nicht in den Vordergrund gedrängt und damit den Song nicht erschlagen. Das funktioniert meistens auch auf "Goldene Zeiten" so, aber eben nicht immer. Ein paar Lückenfüller sind leider auch dabei, exemplarisch soll hier "Swimming Pool" genannt werden, dessen Hookline aufgrund seiner Belanglosigkeit für sich steht: "Die Sonne scheint und ich spring in den Swimming Pool, ich mach mich locker und geh ne Runde schwimm' im Pool, ich schmeiß ne Party und alle sind im Swimming Pool, springt rein, schwimmt, taucht, kommt mit" - sowas ist man von der Firma eigentlich nicht gewohnt und dürfte wohl auf einem Kindergeburtstag besser aufgehoben sein.
Letztlich sind die genannten Schwächen aber Kleinigkeiten, die "Goldene Zeiten" zwar in ihrer Summe den Klassikerstatus verwehren, aber nicht in Frage stellen können, dass es sich immer noch um ein sehr gutes Rap-Album handelt, das voller starker Songs ist.