Pullmanns Trilogie ist ein wahres Meisterwerk inspiriert von der überragenden Dichtkunst John Miltons (Das verlorene Paradies).
Die Geschichte legt nach kurzer Einführung in die Personen rasch an Tempo zu und fesselt den Leser, wie es stärker nicht sein kann.
Verwobene Multi-Universen bilden letztendlich die Umgebung, in der die beiden Hauptfiguren Lyra und Will dazu ausersehen sind, unter schmerzlichen Verlusten an Körper und Geist eine neue Welt zu schaffen.
Mithilfe der Instrumente (Alethiometer=Goldener Kompass, magisches Messer) lernen sie die Wahrheiten hinter diesen Konstrukten erkennen und sich zwischen den Welten bewegen. Analogien zur biblischen Geschichte werden detailiert herausgearbeitet und bildgewaltig umgesetzt.
Viele Gefährten, Freunde und Verwandte lassen auf dem Weg der beiden als Verbündete ihr Leben, teils unter sehr drastischen, weil gewälttätigen Umständen.
So kreiert der Autor zwar ein Konglomerat "archetypischer Mythen und wissenschaftlicher Theorien", wie hier bereits von anderen kritisiert wurde, doch empfinde ich es als bemerkenswerte schöpferische Kraft, wie er es dann zu einer stimmigen und faszinierenden Story bringt, die einen förmlich am Buch kleben sowie die nächsten Entwicklungen herbeisehnen lässt.
Natürlich werden, wie in allen großen Epen, die beiden Kontroversa Gut und Böse reichlich thematisiert, doch auch die Zwischentöne und Schatten mit Leben gefüllt. Und selbstverständlich bekommt auch das (als Kirche sich gnadenlos manifestierende) Christentum sein Fett weg, verdientermassen. Denn so war die Geschichte, leider.
Hier wird nicht das Christentum an sich, sondern die Auswüchse der Amtskirche kritisch geschildert bzw miteinbezogen.
Auch für einen praktizierenden Christ stellt es kein Problem dar, die eingewobenen Hintergründe unserer ureigenen Geschichte hierin zu erkennen.
Deshalb muss man sich darüber genausowenig aufregen wie über den latenten atheistischen Unterton, der im gesamten Werk mitschwingt.
Das Bewusstsein als schöpferische Kraft des Seins ist auch hier in allen Welten allgegenwärtig, mithin aber keinesfalls als Nachweis oder Bedingung einer Nichtexistenz Gottes.
Fazit : für mich ein vor schöpferischer Kraft strotzendes und bildgewaltige Gefühle hervorrufendes Epos.
Eher zu kurz als zu lang, zumindest wünschte man sich noch ein weiteres Buch als Fortführung der Tendenz.
Mit "Lyras Oxford" ist ein kleiner Teil dazu schon verfügbar.
Hoffnung auf mehr von Philipp Pullman ... und ... Lyra, Will, ihren Dæmonen, Mary & den Mulefas, Gallivespieren, Harpyien, Gyptern, Panzerbären und Hexen, Engeln und Geistern.