Im Booklet der CD ist ein Interview, worin Wolfgang Dimetrik etwas sagt, was zentral ist für diese Interpretation: "Der originale Titel lautet <Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicembal mit 2 Manualen>. Das Clavicembalo war das polyphone Tasteninstrument der damaligen Zeit. Es verfügte über zwei voneinander getrennte Manuale. Ich verwende ebenfalls ein zweimanualiges Instrument, welches jedoch erst ca. 200 Jahre nach der Zeit Bachs entstanden ist. Das klassische Akkordeon existiert in dieser Form erst seit ca. 1950, und die beiden Manuale sind hier durch einen Blasebalg voneinander getrennt. Die polyphone Behandlung des Instruments macht es möglich, derartige Werke zu interpretieren. Es liegt also nahe, dieses Werk, das mich schon immer gefesselt hat, auch auf meinem Instrument zu spielen." - Dimetrik hat Recht, es liegt tatsächlich nahe, aber wie sehr, das merkt man erst beim Hören. Ich mag auch die Klavier-Einspielungen der Goldbergerg-Variationen, aber ein Klavier kann nicht oder nur sehr schwer singen, weil der Ton angeschlagen wird, hallt und vergeht. Das Akkordeon aber kann atmen, es kann die Töne verlängern und ganz anders modulieren. Goldberg wird bei Dimetrik "cantabile": wunderschön. Ich hätte nicht gedacht, dass auf dem Akkordeon, dessen Ruf durch Humtatata, Volks- und Strassenmusikanten bestimmt wird, derartiges möglich ist.