Was wäre aus diesem Leben geworden, stammte Zhu nicht aus China? Schon als Kind liebte sie Schumann mehr als chinesische Oper.
Der Sturm der chinesischen Revolution konnte darum nur temporär etwas ändern. Die Liebe zur klassischen Musik war stärker als die Gehirnwäsche. Es war bourgeoise Musik, die Instrumente verschwanden, die Noten auch.
Alles wurde langsam zurück erobert. Die Noten wurde teilweise per Hand erstellt, das Klavier notdürftig repariert, in verschwiegenen Winkeln dann das Üben, die Wiedergabe wurde als politisch korrekte chinesische Musik ausgegeben ( hat allerdings nicht geklappt, es wurde entdeckt).
Die Goldbergvariationen spielten auch bei dieser Pianistin eine besondere Rolle. Bei Gould waren sie sein Durchbruch 1955,Simone Dinnerstein finanzierte ihre Aufnahme selbst und es war ihr Durchbruch und ebenso Zhu. Der Produzent war Pleite und sie finanzierte ihre erste Aufnahme selbst.
Goldbergvariationen sind für Zhu nicht nur göttliche Musik, sondern Botschaft. Sie geht in ein Gefängnis, erzählt, dass sie selbst unter schlimmsten Bedingungen fünf Jahre in einem Lager verbracht habe, und spielt die Goldbergvariationen.
Die Menschen sind berührt, einer der aus Affekt getötet hat,bittet sie, den ganzen Zyklus zu spielen.
Ihr eigenes vergeudetes Leben hat durch die Musik, speziell die Goldbergvariationen einen Sinn erhalten. Ihre Schuld, sich von dieser Revolution mitgerissen haben zu lassen,andere denunziert zu haben, wird lebbar durch die Musik.
Die Interpretation kann ich nicht ohne diesen Hintergrund hören. Wüsste ich diesen nicht, wären sie mir manches Mal zu laut, exemplarisch Variation 30. Zwar sehr schnell ( ihr wurde bescheinigt, dass sie mit ihren kleinen Finger sehr flink werde spielen können), aber doch nicht von der unglaublichen Ausgewogenheit die Gould dann doch hat. Er war sicher der genialischere Klavierspieler.
Aber geht es darum ? Für Zhu ist es eine Botschaft.In dieser Interpretation ist viel Lebensleid aufgehoben.
Deswegen ist diese Wiedergabe ein Ereignis.