Ich hörte Simone Dinnersteins Interpretation der Aria und einige Auszüge der Goldbergvariationen im Radio. Was mich zugleich fasziniert hat, war der ausdrucksstarke, sehr behutsame und wohlbedachte Klang, die schillernden Klangfarben, die Klarheit, die ein Bach braucht. Völlig unverständlich fand ich jedoch ihre Tempowahl, nicht nur bei der Aria. Ich musste dabei an Andras Schiff denken, der einmal sagte, dass heutzutage viele Pianisten versuchen, den Rekord im Langsamspiel aufzustellen. Die Aria zieht und zieht sich hin, Wiederholungen werden auch gespielt, was das ganze nicht besser macht. Die Geduld des Hörers wird wirklich auf die Probe gestellt, was nach einer Zeit wirklich keine Freude mehr bringt.
Allgemein benutzt Dinnerstein für meinen Geschmack auch zu viel Pedal, ihr Bach ist nicht leicht genug, nicht himmlisch genug, sondern zu verträumt und versunken, wie Meditation. Der Barock-Stimmung kommt diese Interpretation nicht nahe.
Ein wunderschöner Klang, aber ungeschickte Tempi.