Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Perle unter den Büchern über Goethe!, 21. Oktober 2009
Goethe lebt in Weimar und die Höhepunkte seiner Tage sind die Treffen und kleinen Briefe die er mit seiner innig geliebten Lotte (Charlotte von Stein) austauscht.
Als Geheimer Rat und auch Freund des Herzogs von Weimar, fragt ihn dieser oft um seine Meinung. So auch in einem ganz speziellen und brisanten Fall der Kindstötung der Dienstmagd Johanna Katharina Höhn. Nicht wissend, dass er mit seiner geforderten Stellungnahme schlussendlich genau das Gegenteil von dem erreicht, was er eigentlich wollte, wird das Ergebnis stets sein Gewissen belasten.
Bei einer Erzählung über Goethe wagt sich wohl jeder Autor ziemlich weit vor und ich war ehrlich gesagt sehr skeptisch, was dieses Buch betraf. Umso mehr war ich erfreut, dass sich dies Seite für Seite als ein wunderbares Buch offenbarte.
Stilistisch weder reißerisch noch Mitleid heischend, beschreibt Glass das kümmerliche Dasein der Magd Johanna. Die Hierarchie ist streng und unumstößlich und die unterste Schicht des Gesindes bekommt die Macht der "Herren" besonders hart zu spüren. Glass erzählt das extrem harte Leben, die tägliche Schufterei, die Gehässigkeiten der Müllerin, Johannas Herrin, die widerlichen Nachstellungen ihres Meisters und auch die gütige und naive Denkweise Johannas selbst mit so viel Feingefühl und Empathie, dass man der jungen und - im wahrsten Sinn des Wortes - unschuldigen Frau, sofort zur Seite stehen möchte.
Einerseits gewährt der Autor Einblicke in das karge Leben eines Dienstboten und anderseits veranschaulicht er durch Goethes Perspektive das "gute" und schöne Leben des späten 18. Jahrhunderts.
Victor Glass vereinbart in diesem Buch alles was man sich von einem anspruchsvollen und gut geschriebenen Roman erwartet. Die Sprache ist fein, schnörkellos, aber perfekt pointiert und facettenreich. Die Figuren sind mit viel Liebe zum Detail ins Leben gerufen, so dass sich nicht nur die Protagonisten, sondern auch alle Nebendarsteller so perfekt darstellen, als wäre man ihnen schon persönlich begegnet.
Fazit:
Ein absolut empfehlenswertes und - meines Erachtens - unterschätztes Werk! Dieser Roman ist ein Kleinod, das jeder Liebhaber schöner und anspruchsvoller Bücher zu schätzen wissen wird.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschichte erleben, 7. September 2009
Schon der Titel macht neugierig, und das Cover - Goethe liegt sozusagen auf der Nase - finde ich witzig und gelungen. Dann der erste Satz: "Was ich brauche, lieber Wilke, ist ein blutfrischer Kopf mit intaktem Hirn, am besten mit einem einzigen Streich und gerade erst vom Körper getrennt, anders kann ich diese schwierige aber reizvolle Frage nicht beantworten." Da muss man doch weiter lesen ...!
Viktor Glass zeichnet mit seinem Schreibstift ausdrucksstarke Bilder, die sich unvergesslich einprägen. Bilder von einer anderen Zeit, einer anderen Welt, einem anderen und äußerst befremdlichen Rechtsempfinden. Sprachgewandte Bilder, die vereinnahmen, empören, zu Tränen rühren und mitleiden lassen. Bilder von Kerkern und Kammern, in denen niemand wohnen möchte, Landschaftsbilder und Gartenbilder, Bilder von Goethes Haus, seinem Leben, seinen Gedanken.
Goethe ist in diesem Roman nicht in erster Linie Dichter, er ist vor allem Rechtsgelehrter, Minister und Mensch, einer, den wir als Freund, Wegbegleiter und Liebenden kennen lernen, der uns hier aber auch seine schwachen Seiten zeigt ... Und doch handelt der Roman nur am Rande von Goethe, denn vor allem geht es um die Dienstmagd Johanna Katharina Höhn, angebliche Kindsmörderin, missbraucht und vergewaltigt, getreten und geschlagen, gedemütigt und entwürdigt und auch für Richter, Rechtsgelehrte, die Mitglieder des Konzils und den Landesherren letztendlich nicht mehr als ein Objekt, ein Name, eine Nummer über die verhandelt wird, und die am Schluss ihr Leben hingeben muss, um für andere als abschreckendes Beispiel zu dienen.
In all seinen Facetten hat mich dieser Roman in Bann gezogen, und ich habe nicht nur ein Buch gelesen, sondern das Gefühl, ein Stück Geschichte er-lebt zu haben.
Der Begriff Kindsmörderin wird für mich in Zukunft ein Gesicht haben, und Johanna Katharina Höhn wird mir im Herzen bleiben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Roman und doch realistisch, 25. September 2009
Historische Romane sind oft recht langatmig und manchmal auch historisch unkorrekt. Nicht so bei diesem. Victor Glass ist es gelungen eine Zeit nach dem dunklem Mittelalter anhand gewissenhafter Recherchen glaubwürdig darzustellen und aufzuzeigen, wie auch zur Zeit Goethes die Dunkelheit noch nicht verschwunden war. Er beschreibt die Zustände insbesondere in der Gegend um Weimar, die Diskreptanz zwischen Armut und Reichtum, den Umgang der Bevölkerung und des Adels mit unverheirateten (meist unverschuldet) schwangeren Frauen, über Kindesmisshandlung und Kindermord und die bigotte, voreingenommene Gerichtsbarkeit. In diesem Roman spielt das Dichtergenie Goethe eine tragische Rolle, was das Buch besonders lesenswert macht. Der Text ist flüssig geschrieben und nie langweilig. Ein wirkliches Lesevergnügen, deshalb alle fünf Sterne.
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