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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ansichten einer schwierigen Beziehung,
Von Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Goethe und seine lieben Deutschen: Ansichten einer schwierigen Beziehung (Gebundene Ausgabe)
Man hat es schwer mit den Deutschen, das darf man ruhig sagen nicht nur weil und wenn man Goethe ist. Das Buch GOETHE UND SEINE LIEBEN DEUTSCHEN von Eckart Kleßmann widmet sich einem ganz besonderen Thema innerhalb der GOETHE FORSCHUNG, der seines Verhältnisses zu seinen Landsleuten. Geliebt wurde nur Schiller, Goethe wurde stattdessen respektiert - geachtet, nicht mehr nicht weniger. Das Buch vermittelt uns einen besonderen Aspekt der Goetheforschung und es stellt sich tatsächlich die Frage: sind die Deutschen insgesamt wirklich so miserabel wie er meinte? Nun ja, das Buch gibt Auskunft über die wechselhafte Beziehung der beiden ungleichen Brüder.Schon eines sollte klar sein, trotz jahrzehntelanger Goetheforschung scheint immer noch nicht alles gesagt zu sein, denn das Buch GOETHE UND SEINE LIEBEN DEUTSCHEN von Eckart Kleßmann aus Die Andere Bibliothek des Eichborn Verlags zeigt uns einige sehr interessante Aspekte in seinem Verhältnis zu uns Deutschen, unserem Land, der Politik, der Wirtschaft und den Künsten im Allgemeinen. Obwohl Schiller und Goethe in Weimar gerne zusammen gezeigt werden, hätte doch ihr Geist nicht gegensätzlicher sein können. Ebenso mutet es ein wenig eigenartig an, wenn sich Goethe einesteils auf die Seite harter Maßnahmen gegen die Juden stellt, andererseits aber viele Juden zu seinen engsten Freunden zählten. Für Deutschland oder eher für Italien, für Preußen oder doch für Napoleon, für die Aufklärung und die breite Bevölkerung oder doch eher für ein egalitäres Bildungsprogramm weniger Auserwählter? Goethe polarisiert und das werden schon seine Landsleute aus der damaligen Zeit begriffen und gespürt haben. Ich denke nicht, dass Goethe sein Fähnchen immer in den Wind gehängt hat, dennoch kokettierte er oft mit starken Einflüssen und ließ sich dann auch treiben. Ich denke, dass Buch GOETHE UND SEINE LIEBEN DEUTSCHEN von Eckart Kleßmann beschreibt dies ganz treffend. Letztendlich ist dies ja auch keine Goethekritik, dazu ist der Meister mittlerweile schon fast zu sehr überhöht worden. Das Buch gibt eine Menge Auskunft zu Leben und Werden des jungen Goethe, zu seinen Ansichten, seinen Liebschaften, der Art und Weise wie seine Stücke und seine Gedichte aufgefasst wurden von den Zuhörern der damaligen Zeit und es zeigt gut auf welchen Strömungen und Winden auch ein Goethe unterworfen war. Decken wir den Mantel des Schweigens über einige seiner bedenklichen Äußerungen, behalten diese aber in unserem eigenen Gedächtnis. Je älter man wird, umso mehr erkennt man auch die eigenen Dummheiten, welche man selbst gemacht hat und warum sollte man darum jemand anderem dessen Blödsinn vorhalten?! Goethe hat viel bewegt, viel geschrieben, Tagein Tagaus diskutiert und debattiert - ex post betrachtet waren darunter lichte und auch dunkle Tage - nicht alles war grandios was er schrieb, doch er war es - der zentral für das steht was immer noch das Volk der Dichter und Denker ausmacht. GOETHE UND SEINE LIEBEN DEUTSCHEN von Eckart Kleßmann zeichnet ein interessantes Bild von Goethe, lesenswert und Wert darüber nachzudenken. Je differenzierter das Bild von Goethe umso mehr liebt man ihn, umso mehr versteht man ihn und umso mehr erkennt man den Schatz aller Erinnerungen den Goethe im eigentlichen Sinne für uns Deutsche ausmacht. Sehr empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf zu Goethe . . .,
Von Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Goethe und seine lieben Deutschen: Ansichten einer schwierigen Beziehung (Gebundene Ausgabe)
"Sie mögen mich nicht! Das matte Wort! Ich mag sie auch nicht! Ich habe ihnen nie etwas zu Danke gemacht!"Dies hat Altmeister Goethe im Zorn seinen Landsleuten gesagt. Eckhart Kleßmann untersucht in seinem Buch das Verhältnis des Meisters zu seinem Leservolk und beschreibt Ursachen. Dabei geht er systematisch vor: Das Reich und die Deutschen Italien "Willst du in Deutschland wirken als Autor" "Verfluchtes Volk, du wirst nicht klug" Islam und Judentum Weltliteratur Deutsche Sprache, deutsche Zukunft Goethe verehrte Napoleon, selbst als dieser sich zum Diktator aufschwang. Dies verstanden die Deutschen nicht. Er blieb für sie der große deutsche Dichter, Herzenswärme brachte man ihm allerdings nicht entgegen, die sparte man sich für Schiller auf. Goethe bekam den kühlen Respekt. Oftmals lag es nur daran, dass sich Dichterfürst und Volk nicht verstand. Dabei trat Goethe sehr wohl für sein Vaterland ein. Nicht nur in seinem Dienst für den Staat, auch in seinen schriftlichen Arbeiten: "Junge Leute werden viel zu früh aufgeregt und dann im Zeitstrudel fortgerissen; Reichtum und Schnelligkeit ist was die Welt bewundert . . ." Heut könnte er ähnliches sagen. Er mahnt vor der Zukunft, auch deshalb sollten wir uns desöfteren wieder einmal dem Herrn Geheimrat zuwenden. Dieses Buch als Grundlage für eine Beschäftigung mit Goethe ist sehr zu empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dichterfürst oder Fürstenknecht?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Goethe und seine lieben Deutschen: Ansichten einer schwierigen Beziehung (Gebundene Ausgabe)
Das 18. und 19. Jahrhundert waren keinesfalls "gemütliche" Zeiten, wie es in der Nachschau zum Beispiel der Romantik (wir erinnern an dieser Stelle auch an Rüdiger Safranskis Werke "Freundschaft" und "Romantik") erscheinen mag.Denn auch das Künstlerleben, wie hier das des Schriftstellers und Dichters war so gar nicht beschaulich. Auch heute noch unterliegt der Künstler in der öffentlichen Meinung - manchmal wohl auch selber - dem Irrtum des durch und durch Schöngeistigen. Schon zu Goethes Zeiten war die Kunst ganz offenbar ein hartes Brot, der Futterneid groß, Kritik und Rezensenten gnadenlos. Mit Händen und Klauen mussten Goethe und sein späterer Freund Schiller sowie ihre Weggefährten ihre "Horen", "Xenien" usw. verteidigen -und scheuten selber nicht vor gnadenloser Häme über ihre mitschreibenden Kollegen zurück. Das alles kann man in diesem wunderschönen Buch von Eckhart Kleßmann ausführlich nachlesen. Gleichzeitig hat der Leser Einblick in ein Sittengemälde der Zeit in Weimar, was erlaubt war und was nicht. Es scheint, dass lediglich die Veröffentlichung "unschicklichen Tuns" getadelt wurde, weniger die Tat an sich, und deshalb wurde Goethe mit seinen "Elegien" nicht recht glücklich, wenn er sie auch um zwei Elegien entschärfte (die Nummer 2 und 16 wurden erst 1914 veröffentlicht) - denn immerhin lautete der Arbeitstitel noch "Erotica Romana". Goethe und Schillers Repliken auf die geharnischten Kritiken der Kollegenzunft erinnern denn in ihrer Maliziosität und Häme denn auch durchaus an jene des Gespanns Marx/Engels, die einige Jahrzehnte später "die breimäuligen Faselhänse der deutschen Vulgärökonomie" schalten - aber damit erschöpft sich auch der Vergleich. Interessant auch zu lesen, wie sehr ein Goethe mit dem Gelderwerb beschäftigt war. Keineswegs war der Titel des "Geheimen Rats" ein ohne Gegenleistung vergebenes Amt. Dass er dies durchaus auch als Mittel einsetzte, steht auf einem anderen Blatt. Und dann die Begegnung mit Napoleon. Ausführlich beleuchtet Kleßmann dieses historisch interessante Kapitel. Ohne solche rezeptionsästhetischen Hintergründe würde das Werk Goethens ein wohl sehr einseitiges und damit ungenaues Bild dieses herausragenden und doch letztlich so menschlich "normalen" Dichters und Denkers ergeben - inklusiv seiner Ansichten zu Deutschland, das als Nation ja noch nicht existierte. Dass der oft als "Fürstenknecht" gescholtene Dichter die anbrechenden demokratischen Bewegungen seiner Zeit verabscheute, ist bekannt, möglicherweise ebenso aus Standesdünkel wie auch seiner Angst vor Unordnung. Gleichzeitig war er durchaus überzeugter Europäer und Kosmopolit. Wir erleben einen eitlen, bornierten und narzisstischen Dichter, der neben sich nur Schiller gelten lassen wollte und den seine Kritiker einen Modeschriftsteller" nannten, kurzum, eine an Widersprüchen reiche Persönlichkeit. "Gemüt hat jedermann, Naturell mehrere; der Geist ist selten, die Kunst ist schwer." Der überaus mitteilungsbegierige Goethe, lebte er in der heutigen Zeit, wäre vermutlich ein eifriger Blogger gewesen, sind doch die Zeugnisse seiner Korrespondenz überbordend, die Vielzahl seiner verlegten Hefte und Periodika (Propyläen, Ueber Kunst und Althertum, Horen, Xenien usw.), die ihm als Plattform zur Erörterung vieler Themen am Herzen lagen, beeindruckend. "Die lieben Deutschen" waren Goethe keinesfalls lieb. Für ihn waren sie mäkelnde Kleingeister, die "schußfertig auf die Mängel und Gebrechen" anderer lauern. Eckart Kleßmann holt Goethe mit diesem Werk vom Sockel des Unvergleichlichen - auf den dieser sich nur zu gerne auch selber stellte - und stets Erhabenen. Er präsentiert uns einen herausragenden Menschen in seiner Zeit. Die Reihe "Die andere Bibliothek" des Eichborn Verlags, herausgegeben von Klaus Harpprecht und Michael Naumann, verdient an dieser Stelle ebenfalls ein großes Lob. Die limitierten und nummerierten Auflagen sind optisch und haptisch ein Kleinod für jeden bibliophilen Sammler. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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