Endlich ein Buch, das sich sehr akribisch und überausführlich mit der Beziehung Goethes zum Islam beschäftigt.
Seit Goethes Tod wurde vehement versucht, die Leidenschaft, die Passion Goethes zum Islam und seinem Stifter Mohammed (sas) zu umgehen, zu ignorieren und sogar zu leugnen. Als man es nicht weiter verleugnen und ignorieren konnte, gab man sich leidenschaftlich dem Versuch hin, diese so einzigartige Beziehung zu verharmlosen, dem allgemeinen Orientinteresse zu Goethes Zeiten zuzuschreiben. Nicht nur, dass es sehr fraglich war, dass es zu Goethes Zeiten eine Orientverehrung gab, denn viel eher waren die meisten Bücher über die Araber, die Türken und den Islam über das Maß negativ behaftet und Übersetzungen des Korans Titel wie „Die Übersetzung der türkischen Bibel des falschen Propheten Mahomet“ besaßen, sondern damit Goethes Werke schlechthin ignorierten.
Goethes Zeit war eine Zeit, in der die Denunzierung, Diffamierung und Verleumdung des Islams und islamischen Propheten auf Hochtoren lief und die Westmächte in ihren Kolonien große Mühen auf sich nahmen, um die muslimische Bevölkerung zu christianisieren. Umso erstaunlicher ist es, dass der „Dichterfürst“ zwischen die Zeilen dieser Werke geschaut hat und den Koran und seinen Propheten, trotz der Vorurteile seines Umfeldes, über das Maß bewunderte. Es war keine kurzlebige Faszination, eine Laune Goethes. Diese Faszination hält sein ganzes Leben durch und durchzieht alle seine Werke wie einen roten Pfaden. Schon als 23-jähriger schreibt er ein wundervolles Preislied auf den Propheten Mohammed (sas). Schließlich spiegelt sich seine Faszination und große Bewunderung des Islams in seinem berühmten Satz wider, dass er als 70-järiger vor der Veröffentlichung seines Meisterwerkes „Der west-östliche Divan“ ankündigte: der Verfasser des Buches „lehne den Verdacht nicht ab, dass er selbst ein Muselmann sei“.
Frau Mommsen geht auch in ihrem Buch auch auf das von Goethe übersetzte Theaterstück „Mahomet“ von Voltaire ein, in dem der islamische Prophet schwer beleidigt und verunglimpft wird, das Goethe Widerwillen unter dem Auftrag seines Landesfürsten unternahm.
Es beschriebt intensiv auch die verschiedenen Beziehungen und Disputen Goethes zu damalig und teilweise auch heute bekannten Theologen und Philosophen, wie z.B. Herder.
Auch wird versucht zu durchleuchten, ob Goethe, wie von einigen Muslimen behauptet, zum Islam konvertiert sei, diese er direkt in der Öffentlichkeit niemals kundtat.
Auf die Frage, ob Goethe zum Islam konvertiert sei oder nicht, liefert auch dieses Buch keine Antwort, was zu erwarten ist, da Goethe wie schon erwähnt niemals direkt erklärte, er sei ein Muslim.
Doch man spürt in diesem Buch, dass Frau Mommsen händeringend versucht, klarzustellen, dass Goethe höchstwahrscheinlich niemals zum Islam konvertiert sei und nennt dafür Gründe, die sie versucht mit Koranzitaten zu untermauern:
- Der Koran benachteiligt die Frau,
- Der Koran spricht hauptsächlich die Männer an und sekundär die Frauen,
- Der Koran bevorzugt die Männer,
- Der Koran bezeichnet die Männer intelligenter als die Frauen,
- Der Koran verbietet das Alkohol,
- Der Koran verbietet indirekt die Poesie.
Diese Punkte widersprachen Goethes Weltbild, denn Goethe war für die Gleichbehandlung der Frauen, sah die Frauen als gleichwertig an, trank sehr gerne Wein und war selber ein Poet, ergo konnte Goethe niemals den Islam wirklich angenommen haben.
Hier ist allerdings zu entgegnen, dass sich Frau Mommsen auf Übersetzungen stützt, die in der Zeit Goethes im Umlauf waren und auf eine Übersetzung von Rückert, die gegen Ende des 19 Jh. geschrieben wurde. Nicht nur, dass diese Übersetzungen sehr fehlerhaft sind, sondern diese wurden zumeist mit der Ideologie den Islam zu diffamieren geschrieben.
Hätte sich Goethe auf diese Übersetzungen verlassen, wäre aus ihm niemals ein Islam-Bewunderer geworden und hätte selbst nicht den Wunsch geäußert, arabisch zu lernen (siehe dazu S. 126 und 143 im Buch). Selbst das Weinverbot umging er mit seiner Interpretation des Korans und der Interpretation der Dichtungen seines islamischen Lieblingsdichters Hafis.
Letztendlich können die Wortspielerei Goethes sehr wohl darauf hindeuten, dass Goethe im Islam seine Religion sah, doch genauso kann man aus seinen Texten lediglich eine übergroße Bewunderung und Faszination Goethes für den Islam und seinem Propheten ableiten und nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Das Geheimnis seiner Konfession hat Goethe ein für alle mal mit in sein Grab genommen, so bleibt es jedem seiner Leser überlassen zu mutmaßen, welche Religion Goethe in seinem Herzen trug.
Außer diesem ideologischen Ausrutscher von Frau Mommsen, ist dies eines der besten Werke, die das Thema „Goethe und der Islam“ behandelt und man sogar das Gefühl bekommt, dass Frau Mommsen nicht ein Detail entgangen sei.
Das Buch ist ein unbedingtes Muss für Menschen, die sich für Goethe, der deutschen Literatur und Geschichte interessieren.