...aber in der Dichtung! Da bleiben Lotte und der junge Werther für ewig ein Paar. Dabei ist die Dichtung ohnehin stärker und wichtiger als die banale Realität. An diesem Gedanken aus Goethes -Die Leiden des jungen Werther- hat sich Regisseur Philip Stölzl für "seinen" Goethe überaus kreativ und erfolgreich entlang gehangelt. Das trifft auch auf die manchmal fehlende Authentizität zu Goethes wirklichem Leben zu. So werden einige Goethe-Kenner sicher stirnrunzelnd den mahnenden Finger heben und mit dem Film -Goethe- so keinen rechten Frieden schließen können. Doch das Medium Film im Jahr 2010 darf sich natürlich die gleichen Freiheiten herausnehmen wie der aufstrebende junge Dichter Goethe im Jahr 1772. Schlimm, wenn es nicht so wäre. Und so kommt der Film -Goethe-, jedenfalls für mich, nicht als geschichtstreue Historiendoku dahermarschiert, sondern als leichter, beschwingter, romantischer Film für Träumer und solche, die es werden wollen.
1772. Der 23jährige Goethe(Alexander Fehling) versagt bei der Doktorenprüfung. Sein Vater(Henry Hübchen) tobt und der junge Goethe wird nach Wetzlar zum Reichskammergericht abgeschoben. Dort soll er Advokat werden. Goethe beugt sich, obwohl er lieber schreiben würde. Aber seine eingesandten Texte werden mit Bausch und Bogen abgelehnt. So arbeitet er sich unter Gerichtsrat Kestner(Moritz Bleibtreu) in eine gute Position und genießt nebenbei das Leben mit seinem Kollegen Jerusalem(Volker Bruch). Beim Tanz lernt er die schöne Lotte(Miriam Stein) kennen. Die Liebe schlägt in die beiden Menschen wie ein Blitz ein. Doch Lotte ist von ihrem Vater schon dem Gerichtsrat Kestner versprochen. So scheint die große Liebe für immer zum Scheitern verurteilt zu sein. Aber...das ist ja "nur" das richtige Leben. In der Dichtung sieht das alles komplett anders aus...
Es ist vor allem die pure Lebensfreude, die Stölzls Film ausstrahlt und ihn so sehenswert macht. In wunderbarem Technicolor-Farb-Look begleiten wir Goethe durch ein Deutschland, das so fremd und doch so vertraut für uns ist. Dabei hat Stölzl es geschafft, den großen Dichterfürsten Goethe von seinem idealisierten Podest herunterzuholen und ihn uns als Mensch von rechtem Fleisch und Blut darzustellen. Alexander Fehling spielt Goethe erfrischend lebensecht. Mit Miriam Stein, Volker Bruch und Moritz Bleibtreu überzeugen drei weitere Darsteller in Stölzls Film auf ganzer Linie.
-Goethe- bezieht sich vor allem auf -Die Leiden des jungen Werther-. Dieser Stoff ist noch heute topaktuell und wird es auch bis in alle Ewigkeiten bleiben. Wie heißt es am Ende des Films so schön: "Wie banal. Er liebt sie und sie liebt ihn. Aber sie heiratet einen anderen und er nimmt sich das Leben." Diesen Plot haben wir Tausendmal so, oder so ähnlich gelesen, gesehen und gehört. Nichtsdestotrotz wird er nie seine Anziehungskraft verlieren.
Mein Fazit: -Goethe- ist absolut sehenswertes deutsches Kino der Extraklasse. Unterhaltsam, interessant, witzig und schier platzend vor Lebensfreude. Wem Stölzls Film dann doch zu weit von der Realität entfernt ist, der darf sich gern einen Goethe-Originalband zur Hand nehmen. Allen anderen verspreche ich schon jetzt beste Unterhaltung beim Anschauen des Films.