Erinnern Sie sich noch? 1954 kam das Grauen nach Tokio... nein, nicht Raymond Burr. Nur die Amerikaner behaupten, er wäre damals in Tokio gewesen, aber kein Japaner hat ihn je dort gesehen: alles amerikanische Propaganda. Nein, er war groß, grau und sehr sympathisch. Genau: sein Name ist Godzilla. Später sollten wir feststellen, das er eigentlich grün ist, was seiner Sympathie aber keinen Abbruch tut. Eigentlich ist das schon komisch, denn er tötet, verwüstet und zerstört. Und trotzdem... ich bezweifle, das der erste Godzilla-Film solch ein Erfolg geworden wäre, wenn statt der 50 Meter großen Echse ein 40 Meter Ameisen-Man der Star gewesen wäre.
Das der erste Film solch ein Erfolg war, war natürlich Fluch und Segen zugleich. Denn eine Fortsetzung mußte her und zwar schnell. Doch gab es zwei Probleme: 1. Godzilla war tot, und 2. Wie sollte man den Erfolg des ersten Streifens toppen. Das erste Problem war eigentlich keins, da Godzilla zum Glück scheinbar einen Bruder hatte... oder eine Schwester, denn schließlich wurde er/sie ja später noch Papa... oder Mama (jenachdem wie feministisch man ist); das zweite Problem hat man leider nie gelöst.
Ein Pilot muß vor einer Insel mit seinem Flugzeug notwassern und wartet nun darauf von seinem Freund gerettet zu werden. Dieser läßt auch nicht lange auf sich warten. Doch bevor man sich auf den Heimweg macht, genießen sie erst einmal das schöne Leben am Strand der einsamen Insel. Doch Moment... so einsam ist die Insel dann doch wieder nicht, den zwei Monster kommen den Piloten gefährlich nahe. Der Godzilla und ein Angirusaurus, oder auch kurz Angirus (oder später Angilas) genannt, verprügeln sich aufs Heftigste und stürzen dabei ins Meer. Wieder zurück erzählen die zwei Piloten von ihrer Entdeckung und es dauert auch nicht lange, bis Godzilla dem friedlichen Japan einen Besuch abstattet. Doch auch Angirus läßt nicht lange auf sich warten und jetzt können die zwei Riesenkreaturen während ihres Monster-Death-Matches endlich anfangen Osaka in Schutt und Asche zu legen...
Klingt spannend, nicht? Wäre es auch, wenn die Story nicht so langsam vor sich hinplätschern würde, wie ein tropfender Wasserhahn. Ein Film in dem die beiden bösen Monster noch die sympathischsten Charaktere sind, hat einen schweren Stand an den Kinokassen. So war es auch bei diesem. Wirklich erfolgreich war er nicht, aber er leitete wohl unmerklich die Rehabilitierung Godzillas zum Guten ein. Denn bereits drei Filme später rettet Big G bereits die Erde vor bösen Außerirdischen. Das Horrorfilmcharaktere die Welt retten, geht wohl auch nur in Japan. Man stelle sich vor, Freddy Krueger oder Michael Myers hätten im vierten Teil ihrer Filmreihe plötzlich mit Kindern gespielt, statt sie... nun ja, ihr wisst was ich meine. Aber in Japan ist das keine Problem, wenn der Star des Films nur sympathisch genug ist.
Leider hat uns dieser Umstand in den 60er und 70er Jahren einige der schlechtesten Filme der Geschichte beschert, wie z.B. "Das Ungeheuer aus dem Meer", der unsägliche "Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster", der schon fast zur Parodie verkam, oder "Godzillas Revenge", der aus gutem Grund nie in Deutschland veröffentlicht wurde.
Aber hier durfte der Große nochmal richtig böse sein, bevor er später anfing Karate und Judo zu trainieren, UFOs vom Himmel zu pusten und seinen kleinen häßlichen Junior mit dem Mopsgesicht aufzuziehen. Erst 1984 bescherte uns Toho zahlreiche Wiedersehen mit dem Godzilla, wie wir ihn aus dem Original von 1954 kennen, die mit der Millennium-Reihe um das Jahr 2000 ihren bitterbösen Höhepunkt erreichten.
Zur DVD: Auf der DVD sind die um knapp eine Minute gekürzte Deutsche Kinofassung und die ungekürzte Japanische Kinofassung enthalten.
Die Bildqualität ist für einen über 50 Jahre alten Film durchaus angemessen. Referenzwerte sind natürlich nicht zu erwarten, aber man kann das im Originalformat aufgespielte 4:3 Bild durchaus als gut bezeichnen.
Der Ton kommt leider nicht so gut weg. Gerade die deutsche Synchronisation kommt mit einem durchgängigen Rauschen daher, das teilweise etwas störend sein kann. Aber die Dialoge und die Musik sind klar zu verstehen. Positiv natürlich, das bei beiden Filmfassungen die deutsche Kinosynchronisation von 1958 verwendet wurde. Schön ist natürlich auch, daß die japanische Audiospur bei der ungekürzten japanischen Kinofassung mit aufgespielt wurde. Weniger schön ist jedoch die dortige Zwangsuntertitelung. Alle Tonspuren kommen in Dolby Digital Mono daher, was aber bei diesem fortgeschrittenen Alter nicht weiter verwunderlich ist.
Als Extras gibt es den Trailer zum Film und eine Godzilla-Trailershow zu allen sechs Filmen der Millennium-Reihe.
Fazit: Der Film kommt natürlich nicht an das Original heran, ist aber um einiges besser, als das Meiste was danach bis in die 70er an Godzilla-Filmen produziert und jede noch so hanebüchene Story zu einem Film verwurstet wurde.
Diese Wiederveröffentlichung ist für Fans jedenfalls empfehlenswert, denn die Bildqualität ist mit der der Marketing-DVD vergleichbar, doch die Neu-Synchronisation der Marketing-DVD hinkt der Kinosynchro, die hier enthalten ist, noch um einige Schwanzlängen hinterher. Einzig die Extras haben bei der Erstauflage die schuppige Schnauze vorn.
P.S.: Löblicherweise verfügt die DVD über ein Wendecover, sodaß das Cover nicht so FSK-verschandelt im Regal stehen muß.
P.P.S.: Ich hoffe einfach mal auf eine Neuauflage der vor einigen Jahren von CinePlus/MAWA veröffentlichten und längst ausverkauften "Godzilla"-Filme. Die dahingeschluderten DVDs waren ja eine Katastrophe in Sachen Bildqualität und ein wahres Verbrechen an den Fans. Gut, die Qualität der Filme mag teilweise nicht mal guter Durchschnitt sein, da sowohl die Story als auch die Darsteller teils unterirdisch waren, aber der Titelheld macht doch wohl alles wieder wett, oder?
In diesem Sinne: GODZILLA lives!