Godzilla vs. Mothra - der deutsche Titel ist mal wieder völlig irreführend - ist der vierte Film der Heisei-Ära und nimmt in vieler Hinsicht eine Sonderstellung ein. Besieht man sich die Verteilung der Credits an die Monster, kann eigentlich gar nicht von einem Godzilla-Film gesprochen werden, da die drei Protagonisten gleichberechtigt agieren. Ebenso ist der Score eine Kombination aus Themen der Godzilla-Reihe und Themen des Mothra-Films von 1961. Zum Inhalt möchte ich mich hier nicht äußern, den Fans als Hauptabnehmern dieses Produktes sollte er hinreichend bekannt sein.
Die menschlichen Protagonisten agieren gleichwertig neben den Monstern; mit ihren Leistungen kann man zufrieden sein. Erfreulich ist das erneute Auftreten von Megumi Odaka als Telepatin, deren Charakter einen wesentlichen Teil zur inneren Kontinuität der Heisei-Ära beiträgt, sowie dem Veteranen Akira Takarada, der eine souveräne Leistung abliefert.
Die Spezialeffekte sind besser als im Vorläufer, bleiben allerdings hinter dem achtbaren und ausgewogenen Ergebnis aus Godzilla vs. Biollante zurück. Es besteht ein Nebeneinander zwischen gelungenen und realistisch anmutenden Einstellungen und solchen, deren unzulängliche Ausführung man bisweilen einfach nur fassungslos zur Kenntnis nehmen muss. Hier sei besonders auf die Tageinstellungen der Zerstörung Nagoyas sowie die Verwüstungen Mothras in Tokio verwiesen. Gerade hier sind Konstruktion und Detaillierung der Modellbauten unzureichend, während man bei der Belichtung vollkommen versagt hat. Der Eindruck natürlichen Tageslichts wird nicht erzielt. Das erste Aufeinandertreffen der Monster im Meer ist deutlich besser gelungen, die Kämpfe sind rasant inszeniert, wenngleich auch hier Defizite in der Gesamtwirkung bestehen. Die eigentlichen Highlights bilden die Nachteinstellungen: so die Auferstehung Godzillas (aus dem Fuji) und Battras, ebenso wie Godzillas Marsch in Richtung Tokio sowie schließlich viele Einstellungen im Endkampf, der im übrigem mit großer visueller Dynamik aufwarten kann.
Das Design aller Monster ist sehr gelungen. Insbesondere gefällt mir die Ausgestaltung von Godzillas Kopf, welche ihm einen überaus aggressiven, gefährlichen Eindruck verleiht. Zwar erscheint Godzilla ein bisschen fett, aber im Film ist ja von einem Winterschlaf die Rede, aus dem er geweckt wurde.
Ein großes Plus des Filmes ist der hervorragende Score von Akira Ifukube. Die meisten Themen sind aus früheren Filmen zwar schon bekannt, wurden aber neu arrangiert und unterlegen die Handlung mit einer überaus wohlklingenden, harmonisch anmutenden Klangatmosphäre, die der bekannter westlicher Komponisten in jeder Hinsicht ebenbürtig ist. Der Zuschauer sollte den Abspann durchlaufen lassen und die dort nochmals dargebotenen Themen in aller Ruhe genießen. Es lohnt sich!
Die Veröffentlichung von Marketing ist, obwohl mit reichhaltigem Bonusmaterial versehen, lediglich zufrieden stellend. Einerseits werden Informationstafeln, Slideshows, Trailer sowie ein ausführliches Making-Of geboten, das auch ohne Untertitel erschöpfende Einblicke in den Realisierungsprozess des Filmes liefert. Hingegen ist die Bildqualität nicht so gut, wie man es erwaten könnte, auch wird der Film nur im 16:9-Format dargestellt, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass im Breitwandformat (1:2,35) gedreht wurde. Vor allem aber scheint man wieder an der Tonspur herumgepfuscht zu haben. Im Vergleich zu meiner alten Kaufkassette und einer TV-Aufnahme erscheint der Ton weniger dynamisch und vor allem tiefer, als wäre er verlangsamt worden. Störend ist auch die Einblendung der originalen Schriftzeichen in Vor- und Abspann, die kaum ein westlicher Zuschauer wird entschlüsseln können.
Insgesamt ist Godzilla vs. Mothra sehr gelungen, wartet mit einer guten Geschichte und überzeugenden Protagonisten auf und gehört für mich zu den besten Filmen der gesamten Reihe. Er ist dem Fan, aber auch unvoreingenommenen Zuschauern absolut zu empfehlen.
Die Marketing-Veröffentlichung ist trotz der beschriebenen Mängel empfehlenswert. Für den Film 4,5, die Veröffentlichung 3,5 Sterne, insgesamt also 4 Sterne. Freilich dürfte der Kundenstamm für dieses Produkt auf Genre-Fans beschränkt bleiben.