Welche Antwort gibt die Bibel auf die Frage: "Warum gibt es so viel Leid in der Welt?" In diesem Buch überprüft Professor Bart D. Ehrman, ein US-amerikanischer Religionswissenschaftler, welche Antworten die biblischen Autoren auf diese grundlegende Frage der Menschen geben. Wenn die Bibel Gottes ewig gültiges und unwandelbares Wort ist, wie fundamentalistische Christen glauben, dann sollte man erwarten, dass Gott in seinem Wort eine klare Antwort auf das Vorhandensein von Leid in unserer Welt gibt.
Dieses Buch ist theologisch reflektiert und biblisch begründet, teilweise auch sehr persönlich gehalten. Zu Beginn führt uns Bart D. Ehrman ausführlich den Schrecken des Krieges und der Massenvernichtungswaffen vor Augen, von Krebs und AIDS, den Schmerz beim Verlust von unschuldigen Kindern durch Unfälle, Flutwellen und Missbrauch. Wie, so fragt Ehrman, konnte ein allmächtiger und liebender Gott so viel Elend zulassen? Das Ehrman dem Leser durch Wiederholungen sehr dramatisch den Schrecken schildert, halte ich für eine Stärke des Buches. Denn das Leid, dass uns fast täglich vor Augen ist, berührt uns im Herzen und nicht nur im Verstand. Im Kontext der Bibel erörtert Ehrman die Versuche der biblischen Autoren, dieses Leiden zu erklären, zu rechtfertigen oder zu entschuldigen:
1. Leid ist göttliche Strafe für sündiges Verhalten
Die Menschen leiden, weil Gott will, dass sie leiden: er verlangt, dass sie einen schweren Preis für Ungehorsam zahlen. Ehrman fragt, wie ein liebevoller Gott seinen Kindern solches übermäßige Leiden zufügen will? Wenn ein menschlicher Vater seine Kinder mit so viel Gewalttätigkeit bestrafte, würde er als geisteskrank betrachtet und ins Gefängnis geworfen.
2. Leiden ist eine notwendige Folge des freien Willens
Ohne freien Willen wären wir nur Roboter, und der freie Wille schließt auch ein destruktives Handeln ein. Daher ist das vorhandene Leid, das wir Menschen uns zufügen, der notwendige Preis, den wir zu zahlen haben. Natürlich, kann diese Erklärung ein gewisses Maß an Sinn machen, wenn man das von einem Hitler oder einem Stalin verursachte Leid betrachtet. Aber wie erklärt das Argument des freien Willens eine Dürre-Katastrophe oder einen Orkan oder die Malaria?
3. Das Leiden kann erlösend sein, eine Art Glück im Unglück
Der Apostel Paulus schreibt an die Römer: "Wir rühmen uns auch der Trübsal, weil wir wissen, dass Trübsal Geduld bewirkt, Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung ..."
Es ist wahr, gesteht Ehrman ein, dass aus etwas Schlechtem manchmal etwas Gutes entstehen kann.
Aber dies ist kaum eine Universalwahrheit. Meisten verdirbt erlebtes Leid (Traumatische Erfahrungen) das geistige oder physische Wohl dauerhaft - oft ein Leben lang. Den Gedanken, dass wir, indem wir durch das Erkennen des Schmerzes in der Welt dankbarer für das eigene Wohl werden, findet Ehrman abstoßend und kaltherzig. Er weigert sich, einem unberechenbaren Gott für sein eigenes Glück einfach zu danken.
4. Das Leiden ist ein Test des Vertrauens
Die Geschichte über Abrahams (beinahe) Opfer von Isaak ist vielleicht das berühmtestes Beispiel für diese These. Ehrman findet diese Geschichte entsetzlich. Es ist schwer, zu glauben, dass Gott seinen Geschöpfen Krebs, AIDS und Malaria zufügt, um sich zu vergewissern, dass sie ihn am Ende loben. Loben wofür? Verstümmelung und Folter?
5. Das Leiden in der Welt wird von den 'Feinden Gottes' - bösen Gewalten verursacht
Diese These setzt voraus, dass die Welt voller "böswilliger kleiner Teufel" ist, die dazu entschlossen sind, böse Dinge zu tun. Wenn Gott diese Dämonen zerstört und das perfekte Königreich Gottes hier einführt, wird die Erde befreit sein von Übel, Elend und Schmerz. Ehrman hat zwei Einwände gegen diesen Glauben: Erstens, die Bibel liefert keine Erklärung, warum Gott erlaubt hat, dass diese bösen Gewalten für all diese Zeiten außerhalb seiner in Kontrolle waren; und zweitens kann diese Überzeugung zu leicht zu Apathie in Anbetracht des menschlichen Leidens führen.
6. Das Leiden ist einfach ein "Geheimnis", und wir sollten die Wege des Herrn nicht bezweifeln
Die letzten Verse im Buch Hiob scheinen diese Position zu befürworten. Wieder ist die Schwierigkeit hier das Problem der Apathie, da nichts getan werden kann oder sollte, um das Elend und Chaos zu beenden das Gott zulässt.
Also, welche Antworten gibt die Bibel (Gottes Wort) auf die Frage nach dem Leid in der Welt?
Verschiedene sich widersprechende - aber keine eindeutige!
Die beste für uns verfügbare Erklärung ist laut Ehrmann im Buch Prediger Salomo niedergeschrieben: "Da sah ich alles Unrecht an, das unter der Sonne geschieht, und siehe, da waren Tränen derer, die Unrecht litten und keinen Tröster hatten. ... Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein. Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne. ... So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dies dein Tun hat Gott schon längst gefallen. Genieße das Leben mit deiner Frau, die du lieb hast, solange du das Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat. Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit."
Das Fazit des Buches ist: Obwohl wir Menschen bis heute keine klare Antwort auf die Frage des Leides in der Welt haben (auch nicht in der Bibel), sollten wir alles tun, um unsere Zeit hier so ansprechend und wunderbar zu gestalten, voll von Liebe und Freude zu machen und Leiden zu lindern, wo immer es uns möglich ist.