Nachdem sich der aktuelle Black Metal-Trend der vergangenen Jahre eher heidnischer, misanthropischer oder suizidaler Natur bediente, kotzen Belphegor mit ihrem fünften Werk ein so satanisches Stück Schwarz-/Todesmetall aus, dass der geneigte Hörer sich fragt, wie die typischen Ursprünge dieser Musikkunst so außer Acht gelassen werden konnte. Ist der Kampf gegen das Christentum etwa schon zu Ende? Belphegor sehen das anscheinend nicht so. Aufgenommen im Mastersound-Studio des werten Herrn Krull (Atrocity, Leaves' Eyes), beehren uns Belphegor mit einer 1A-Produktion, wie wir es ja schon fast von den Österreichern gewöhnt sind. In Bezug auf die Texte haben die drei Herren ihr gesamtes lateinisches Sprachgut in das neue Werk einfließen lassen. Wie es uns z. B. auf der Eröffnung namens „The Crucifixus-Anus Dei" oder „Fornicationium Et Immundus Diabolus" vorgemacht wird. Die Texte sind sowas von antichristlich, das es wirklich Spaß macht, Hellmuths Grunzen und Kreischen zu zuhören. Die Kreischpassagen sind aber nicht mehr so ausgeprägt, wie bspw. auf der „Necrodeamon Terrorsathan". Und wie wir's lieben, sind die Blastattacken des Drummers Barth noch nicht ausgekostet, sodass man tempomäßig das Höchste an Geschwindigkeit erwarten kann. Abgesehen von „Sepulture Of Hypocrisy", welches schon fast doomig daher kommt. Hervor- und herausragend sind die Lead- und Riffpassagen Sigurds und Hellmuths. Obwohl die typischen Deathriffs mal wieder unverkennbar sind, wurde anscheinend diesmal besonders Wert auf old-school-Black Metal-Töne gelegt, so dass sich die beiden E-Gitarren ins Gehör eines jeden einfräsen. Aber auch Melodik (!) ist in Belphegors Ziegenreich so passend, wie das Amen in der Kirche. Ein absoluter Hinhörer ist das fast schon epische „Kings shall be kings". Auch „Swarm Of Rats" bietet einen absoluten Nackenbrecher und hat bezüglich der Gitarren das meiste zu bieten. Einzig die Gesangsverteilung lässt manchmal zu wünschen übrig. Aber dies sei auch der einzige Kritikpunkt, wobei mir knapp 40 Minuten schon fast zu kurz erscheinen.
„Goatreich-Fleshcult" ist ein sehr abwechslungsreiches, köstliches Black/Death-Schlachtfeld, allererster Güte. Man kann sich auf jeden Fall sicher sein, dass es im Hause der Ösis nicht so schnell langweilig wird, wenn wir weiterhin auf solche akustische satanische Messen Belphegors hoffen dürfen. In diesem Sinne: Hail the goat!