So erinnert sich der Fernsehzuschauer: Hingegossen zur Rechten des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki im "Literarischen Quartett"; Karteikarten in der Hand; lauernd auf ein Stichwort, das ihm der Meister des ungeschützten Verdikts liefert; Widerspruch meist in der Form eines Witzes oder gar Kalauers; zur vollen Sitzgröße aufragend, wenn Kennerschaft in Sachen Erotik gefragt ist; triumphierender Blick ins Publikum.
Hellmuth Karasek hat ein Buch "Go West!" geschrieben, mit dem er sich an einer "Biographie" der 50er Jahre versucht. Herausgekommen ist ein Sammelsurium von knapp 50 Kapitelchen, in denen er in flotter Schreibe alle gängigen Klischees herunterraspelt, unterlegt von historischem Nachhilfeunterricht in Kurzform - in erschreckend flachem Niveau. Nachdenklichere Passagen kommen nicht vor. Immer wieder streut der Autor Versatzstücke seiner eigenen Biographie ein, ohne daß es ihm gelänge, wenigstens hier die Klischees zu sprengen und ein differenzierteres Bild dieser Epoche zu zeichnen. Besonders angelegen beschäftigt er sich natürlich mit der so oft schon beschriebenen Verklemmtheit iim erotischen und sexuellen Bereich von der Nitribitt-Affäre bis zum Prozeß gegen Vera Brühne. Hier - wie überhaupt quer durch sein Buch - greift Karasek gern zu merkwürdig abgestandenen Witzchen, die selten angeheitertes Stammtischniveau übersteigen.
Gar kein Lob? Doch, eins kann Karasek: Filme nacherzählen, vor allem amerikanische. Das erinnert an seine gelungene Billy-Wilder-Biographie. Aber ach, dann lesen wir über Audrey Hephburn: "Nein, sie war keine Wichsvorlage, igitt, das ganz gewiß nicht."