Aus der Amazon.de-Redaktion
Eines gleich vorweg: Wer Blumfeld und Kante nicht mag, kann gleich weitersurfen. Go Plus kommen aus Hannover, leben aber in Hamburg und hätten auch (musikalische) Kinder der Hansestadt sein können. Den Begriff "Hamburger Schule" kann da oben im Norden keiner richtig leiden, trotzdem weiß jeder, was damit gemeint ist.
Go Plus, deren erneut veränderte Besetzung auf dem dritten Album Go Plus aus Pit und Christian Przygodda sowie Lars O'Horl besteht, verbinden Musik und Lyrik. Die Worte sind nicht so gedrechselt und verschwurbelt wie bei Jochen Diestelmeyer, die Musik nicht so schwer wie bei Kante. Go Plus suchen die Abwechslung zwischen leichtfüßigem Pop -- wobei an einem Bein doch immer Bleigewichte hängen -- und teutonischer Schwere. Immerhin wurde dieses Album nicht unpassend wie der hochgelobte Vorgänger Largo im Sommer veröffentlicht, sondern im Spätwinter. Eine Zeit also, in der Wehmut und Aufbruch ineinander übergehen.
Auf Go Plus erzählt Komponist, Texter, Gitarrist, Keyboarder und neuerdings auch Sänger Pit mit klarer Stimme Geschichten über Veränderungen im Leben, über Unsicherheit, Entfremdung und Zweifel. Wie in "Ich geh in die Stadt" (Hab mir überlegt/meine Unschuld zu verlieren/will mich groß amüsieren/in den Straßen der Stadt), wo Gitarren passenderweise auf üppige Keyboards treffen. Oder dem Gegenstück "Erinnerungen an die Natur" (Im Park jetzt/stehen die Pflanzen/ganz weit weg/erinnern an Natur). "Hannover" blickt noch einmal auf die Zeit in der drögen Stadt an der Leine hin, die irgendein Musiker mal abwertend Hangover nannte. Aus dem Rahmen fällt das fast ruppige "Stop", wogegen "Tremble" passend zum eleganten Pop einen englischsprachigen Text hat. Am Ende, bevor bei "Hamburg, here I come" der Geruch von Hafenwasser und Öl aus den Boxen steigt, kommt beim wunderschönen "Träger" große Wehmut auf. Aber Go Plus, egal, wie schwer das Leben manchmal sein mag, Atlas hatte mehr zu tragen. --Sven Niechziol