das ist es also, das Abschiedsgeschenk der wahrscheinlich wichtigsten Band des Batcave neben Alien Sex Fiend. Eine tolle Aufmachung, so minimalistisch ganz in weiß gehalten und ironisch doppeldeutig betitelt: go away white. Die Farbe, die Haltung, die engelhafte Figur auf dem Cover, das imagninäre Gegenstück zur "schwarzen" Szene, und eben auch diese CD so ganz in weiß. Sie sollen doch alles weggehen und Bauhaus gehen. 25 Jahre nach der letzten Studioveröffentlichung der Band und 8 Jahre nach der letzten großen Tour mit der fantasitsichen Livescheibe "Gotham".
Nachdem nun nach diesen 25 Jahren jeder gute und wichtige Song der Band zum Kult avancierte müßte ein neues Album entweder wie ein Best of Aufguß daherkommen oder würde vielerseits zerrissen, das war Bauhaus klar und grade darum nahmen sie sich 17 Tage spielten jeden Song in einem Set ein und sagten: dat is et jetz geh mir wech damit!
Aber dennoch entstand ein sehr gutes und dichtes Bauhausalbum. Bauhaus spielen, experimentieren und Verweisen auf andere wie sie es schon immer taten und würzen das ganze mit einer Menge Humor, der völlig ausser acht gelassen wird.
Soviel Ironie und Spielfreude hatte ich von diesem Album nicht erwartet!
Dabei muss man einige Titel erst wirken lassen, sich ihnen annähern und sich an sie gewöhnen(dazu hatten die alten Bauhaussongs ja mindestens 25 Jahre Zeit!).
Too much... eröffnet sehr klassisch als Midtempo 08/15Batcave-Nummer aber der Opener nimmt einen eben nur mit auf die Reise durch den modernisierten Kosmos der Band. Denn von hier an wird es spannend "Adrenalin" für mich einer der Hits des Albums spielt grandios mit Elementen von Gary Numan und Trent Reznor(wann hört man Peter schon derart gekonnt schreien?).
Undone klingt plötzlich wieder nach 80er, jedoch nach New Romantic nach Japan und den immer wieder von Bauhaus zitiertem David Bowie, aber auch Peters Soloalben fließen hier ein. Besonders die Synthie-einsätze hätten ebenso auf Deep ihren Platz gefunden, nur wer hier Schmalz und Herzschmerz erwartet hat die Band verkannt: leiernd, quitschig knatschend überziehen alle den Titel in gekonnter Selbstironie. Die folgenden beiden Titel "I.B.T." und "endless summer" greifen Elemente aus der 70s-Blues-Rock-Retro-Welle auf(Wer zum Teufel sind die White Stripes? nach was weißes was sich verziehen kann), beide Titel wären auf einem Mando Diao oder White Stripes Album zu echten Perlen geworden.
Saved hingegen agiert extrem sphärisch und erinnert an das auf Gotham enthaltene Dead Can Dance Cover "Severanvce", hätte jedoch genau so gut ein wenig anders instrumentiert auf Peters Dust seinen Platz gefunden.
Mirror Remains nutzt Lounge Elemente die heute eine Norah Jones bekannt machen und so persifliert die Band sich in gekonnt gespielter Langeweile, bei dem späten Klaviereinsatz oder Peters Hustenanfall am Ende verführt das tatsächlich zum Grinsen, irgendow in dem Song bekommen auch Coldplay ihr fett weg, aber das kann ich nicht genau ausmachen.
In "B.S.H." wiederum schrauben B. den Bass rauf und trällern fast vergnügt einen Song auf die Kosten eines Rob Smith und seiner Popphase(close to me/just like heaven).
"the dogs..."keht mit seinem maschinellen aber atmospährisch Rhytmus zurück zu T.Reznor aber erinnert partiell auch an Rozz Williams. Ruhig, schmerzhaft fast traumatisch klagend klingt der einzige Song welcher nicht in der 17 Tage Session entstanden ist.
Zikir beendet das Album mit einem Spoken Words Outro, das wieder zurückführt, zum Sinn und zum Anfang... loves me, loves me not.
Fazit:
Kein schlechtes Album, dafür jedoch ein recht kompliziertes. Es soll polarisieren, es soll einem Übel aufstoßen und das schafft es auch.
Bei meinem ersten Hören war ich enttäuscht, aber bei jedem weiteren Hören wurde die Platte Groß.
Einige wirklich gute Stücke vorneweg "Adrenalin". Und ein Album, keine Best of Kopie mit anderen Texten, eine Platte mit Weiterentwicklung trotz alter Werte.