... an diesem propagandistischen Machwerk ist vor allem, dass es noch zu meiner Zeit (vor etwa 7 Jahren) allen Ernstes als Aufklärungsliteratur im AHS-Englischunterricht eingesetzt wurde.
Jeder, der diesen als authentischen Erlebnisbericht daherkommenden Text zu lesen in Erwägung zieht, sollte wissen, dass es sich hier vor allem um eines handelt: Einen Ausbund von Lügen über die Droge LSD, dessen jahrelange Persistenz in Dokuliteratur und Pädagogik geradezu ein Mahnmal gegen die gängige Strategie der Illegalisierung (und damit einhergehenden Desinformation) von halluzinogenen Drogen darstellt.
Lassen sie mich den Inhalt des Buches kurz zusammenfassen: Alice, ein perspektivenloser Teenager wie wir alle es waren, wird abhängig von LSD; einer Droge, die ihr erlaubt, aus ihrer als sinnlos empfundenen Existenz zu fliehen. Die Wirkung der Droge besteht in der Schaffung eines mehrstündigen euphorischen Zustandes, der schließlich in eine ebenso lange Periode tiefster Depression mündet. Sie nimmt LSD schließlich täglich und wird kriminell und letztlich zur Prostituierten, um ihre Sucht finanzieren zu können.
Seit Jahrzehnten würde ein kurzer Blick in die entsprechende Fachliteratur genügen, um den Inhalt dieses Buches als Lüge zu entlarven. Dazu 5 Punkte:
1.) Eine körperliche Abhängigkeit von LSD ist unmöglich.
2.) Eine geistige Abhängigkeit von LSD ist theoretisch denkbar, durch das Wirk- und Toleranzprofil jedoch praktisch nicht möglich, und in der jahrzehntelangen Geschichte dieser Droge bisher kein einziges Mal glaubwürdig belegt. Ein LSD-Trip ist psychisch enorm anstrengend und ruft daher kaum den Wunsch nach schneller Wiederholung hervor. Und selbst wenn dieser bestehen sollte, macht die extreme Toleranzentwicklung eine Fortsetzung des Rausches normalerweise unmöglich.
3.) Die Toleranz baut sich erst nach einigen Tagen vollständig ab. Ein täglicher Konsum, wie im Buch beschrieben, wäre nur mit ständiger enormer, unmöglich zu bezahlender Dosissteigerung möglich. Und selbst das nur kurze Zeit.
4.) LSD ruft ebensowenig wie die allermeisten anderen Halluzinogene zuverlässig Zustände der Euphorie oder der Depression hervor. Diese Zustände als Folge der Droge sind beide absolut möglich, jedoch (und das ist der Punkt) nicht zuverlässig wiederholbar. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass eine psychische Abhängigkeit von LSD kaum denkbar ist: Eine Stimmungsaufhellung oder Problemverdrängung lässt sich mit dieser Droge schlicht nicht zuverlässig erzeugen.
5.) Die tatsächlichen Gefahren von LSD liegen ganz woanders: Durch die Droge berauschte Personen können sich während des "Trips" verletzen, meist durch Unfälle. Auch Selbstmorde unter LSD-Einfluss sind dokumentiert. Des weiteren kann ein LSD-Trip wie jede andere halluzinogene Droge latent vorhandene Psychosen auslösen, die manchmal irreversibel sind.
Ein Tipp für alle Eltern, die den Kauf dieses Buches als Drogenaufklärungsliteratur für ihre Kinder in Erwägung ziehen: Lassen Sie's sein. Erzählen sie keine Lügen über Drogen. Das machts nicht besser.