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Gnadenfrist [Gebundene Ausgabe]

Arnon Grünberg , Rainer Kersten
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 153 Seiten
  • Verlag: Diogenes (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257065299
  • ISBN-13: 978-3257065299
  • Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 558.542 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Arnon Grunberg
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Jean Baptist Warnke hat nicht nur einen Job als Diplomat, er hält sich auch im Privatleben aus allem diplomatisch heraus. Bis er sich in Lima mit Haut und Haar verliebt. Doch wer ist die Studentin Malena? Eine feurige Liebe, die ungeahnten Zündstoff enthält...

Über den Autor

Arnon Grünberg, geboren 1971 in Amsterdam, tätig - nach Verweis vom Vossius-Gymnasium - u. a. als Apothekenhelfer, Tellerwäscher und Verleger. Für die Toneelgroep Amsterdam und im Auftrag des Amsterdamer Fonds für die Kunst Veröffentlichung mehrerer Theaterstücke, Arbeit für 'International Theatre & Film Books', schreibt Kolumnen für 'Boekblad' (Zeitschrift des niederländischen Buchhandels) sowie für 'NRC Handelsblad' über seinen Aufenthalt in den USA. Zur Zeit lebt er in New York.

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Explosiv bis zum Schluss, 4. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Gnadenfrist (Gebundene Ausgabe)
Eine romantische Geschichte von zwei Liebenden, die unerwartet viel Zündstoff enthält und alles verändern wird.

Der neue Roman von Arnon Grünberg spielt von einer ungleichen Liebens- und Lebensgeschichte. Der Plot mit dem realen Hintergrund dreht sich um Terrorismus, Liebe und die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Jean Baptist Warnke ist zweiter Mann in Lima. Als Angestellter der niederländischen Botschaft ist es seine Kunst, sein Privat- und Familienleben sauber und diplomatisch vom geschäftlichen zu trennen. Nüchtern betrachtet könnte Warnkes Leben gar nicht besser sein. Er hat alles, Familie, einen guten Job und ist gesund: «Manchmal ist alles so schön, so furchtbar schön, so unerträglich schön, dass Warnke sich vorstellt, wie er seine beiden Töchter ersäuft, wie zwei junge Kätzchen in einem Jutesack mit Steinen.»

Begehren und begehrt werden
Das Perfekte im Leben des Diplomaten ändert sich schlagartig, als er in einem kleinen Café in Lima ein Mädchen im rosa Pulli, die Studentin Malena, trifft und sich in sie verliebt. Es kommt so weit, dass die Hand des Mädchens in seinem Schritt liegt. «Dort gehört sie nicht hin, das weiss er doch, doch er will sie nicht wegschieben.» Der Diplomat fühlt sich wie im siebten Himmel: «Schöner als die Hand ist der Blick in ihren Augen – das Schönste auf der Welt ist: begehrt werden. Verrückt, dass er dafür ein peruanisches Mädchen kennenlernen musste, um das zu begreifen.» Er fühlt sich begehrt und so sehr verliebt in Malena, dass sich sein ganzes Leben ändern wird. Denn jetzt, wo er begehrt wird, empfindet er sein bisheriges Leben bloss noch als einen endlosen Irrtum.

Realer Hintergrund
Arnon Grünberg beschreibt nicht nur die Geschichte von zwei Liebenden. Das Buch hat mit der Geiselnahme in der japanischen Botschaft in Lima einen realen Hintergrund. Im Dezember 1996 kam es bei einem Empfang in der Residenz zur Geiselnahme von rund 340 Diplomaten, die 126 Tage dauern sollte. Eine Geisel erlitt damals einen Herzinfarkt, zwei Soldaten starben und 14 der marxistischen Rebellen wurden getötet. Im Buch steht die Frage im Zentrum, warum die Vertreter der niederländischen Botschaft nicht am Empfang teilnahmen.

Authentische Darstellung
Grünberg schreibt frisch von der Leber weg und unterhält den Leser mit humorvollen wie dramatischen Szenen. Mit der authentischen Darstellung der Gefühlswelt der Personen und ihren Handlungen ist dem jungen Holländer ein Roman geglückt, der den Leser fesselt und zum Nachdenken anregt. Die gezielt eingesetzte Ironie, die komischen Szenen und die aufgebaute Spannung werden diesem Roman zum Bestseller verhelfen.

Eine romantische Geschichte von zwei Liebenden, die unerwartet viel Zündstoff enthält und alles verändern wird. Ein absolut empfehlenswertes Buch, welches am besten in einem Zug gelesen werden sollte.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Abgründig, 11. Dezember 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Gnadenfrist (Gebundene Ausgabe)
Jean Baptist Warnke schiebt als zweiter Vertreter der niederländischen Botschaft in Lima eine ruhige Kugel. Rein äußerlich führt er ein beneidenswertes Dasein: Er ist Familienvater von zwei reizende Töchterchen und hat einen gut dotierten Posten, in dem "Stress" ein Fremdwort ist. (Ich frage mich, ob es in den Konsulaten wirklich so zugeht.) Wäre da nicht jenes quälende Ennui, das selbst einem so ausgemachten Langweiler wie Warnke zu schaffen macht. Erst die Bekanntschaft und die sich daraus entwickelnde Liebesbeziehung mit der jungen Peruanerin Malena bringt Pep und schließlich auch Leidenschaft in sein Leben. Malena ist es auch, die ihn vor dem Besuch des Weihnachtsempfangs in der japanischen Botschaft warnt. Dort kommt es zu einer Geiselnahme, die blutig endet. Das bleibt in der Heimat nicht verborgen und Den Haag fragt an, weshalb die Niederländer nicht mit von der Partie waren. Die hartnäckigen Nachforschungen der Regierung setzen schließlich eine Kettenreaktion in Gang, die alle vorstellbaren Dimensionen sprengt...

Mein erstes Buch aus Arnon Grünbergs Feder, es hat mir gefallen: sein lakonischer Stil, die glaubhaften Charaktere und der Spannungsbogen bis zum total überraschenden Ende sorgen dafür, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Außerdem vom Thema her mal was anderes, besonders das Final bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken.

Allerdings irritiert mich, dass der Autor sich im Anhang als Araber bezeichnet. Was soll das? Grünberg ist Jude und kein Araber.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Sarkastisch-grotesker Stil, der den Leser irritiert - irritieren will ?, 24. Juni 2006
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Gnadenfrist (Gebundene Ausgabe)
Der niederländische, zeitweise auch in New York lebende Schriftsteller Arnon Grünberg ist immer für einen interessanten, außergewöhnlichen und nicht selten auch skurrilen Plot gut. Grünberg, der in den neunziger Jahren als absoluter shooting-star nach seinem Debütroman "Blauer Montag" von der Kritik gefeiert wurde und unter dem Namen Marek van der Jagt zwei weitere vielbeachtete kleine Romane vorgelegt hat ( alle bei Diogenes), legt die Handlung seines neuen Romans "Gnadenfrist" in das Peru der Jahre 1996 und 1997 und verknüpft das skurril-hoffnungslose Schicksal seines Protagonisten mit einem realen Ereignis, das weltweit für Aufsehen sorgte.

Jean Baptist Warnke ist Diplomat. Nach Jahren des Dienstes in der niederländischen Botschaft in Südafrika, lebt er nun seit einigen Jahren mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Perus Hauptstadt Lima, wo er in der dortigen niederländischen Botschaft der "zweite Mann" ist.

Er schiebt eine ruhige Kugel, hält sich aus allem raus. Man droht beim Lesen des Lebens dieses Mannes fast einzuschlafen ob seiner tödlichen Langweiligkeit und Spießigkeit. Wie Grünberg die inneren Monologe und Dialoge von Warnke schildert, ist absoluter Lesegenuß, wenn man einmal mit dem an Nihilismus grenzenden Stil Grünbergs warm geworden ist.

Warnke geht, nachdem er am Nachmittag mit dem Botschafter die obligatorische halbe Flasche Riesling getrunken hat, jeden Tag ins Cafe, um die "Newsweek" zu lesen. Dort trifft er eines Tages Malena, eine einheimische junge Frau, die ein auffälliges Interesse an Warnke zeigt und ihn schlussendlich auch ins Bett bekommt. Warnke ist geschmeichelt ob dieses Begehrtwerdens und merkt nicht, was dem Leser nach einigen Seiten deutlich ist: Malena ist Mitglied der ländlichen peruanischen Widerstandsbewegung "Movimento Revolucionario Tupac Amaru", einer Organisation, die Anfang der 1990 er Jahre sich mit den eher städtisch-intellektuellen, streng maoistisch organisierten "Sendero Luminoso" zusammenschlossen.

Warnke verliebt sich in Malena, schreibt ihr sentimentale Gedichte und gibt jede Woche ein Päckchen für sie auf. Nicht selten befindet sich darin Sprengstoff. Doch Warnke stellt keinen Zusammenhang her zwischen seinen Botendiensten und den zunehmenden Anschläge auf niederländische Objekte.

Kurz vor Weihnachten rät Malena ihm, den Weihnachtsempfang der japanischen Botschaft zu meiden. Warnke kann, ohne es groß begründen zu müssen, sogar seinen Botschafter davon überzeugen, daß es besser sei, nicht hinzugehen.

Am 17. Dezember 1996 dringt ein schwer bewaffnetes Kommando der Rebellen in einen Empfang in der Residenz des japanischen Botschafters in Lima ein. Von den 483 Geiseln werden noch am ersten Tag 200 Personen, meist Frauen, freigelassen. Während der lang andauernden Besetzung lassen die Rebellen immer weitere Geiseln frei. Doch die Regierung des japanisch-stämmigen Präsidenten Alberto Fujimori ( er gewann 1990 die Wahl gegen den Schriftsteller Mario Vargas Llosa) bleibt beinhart und lässt die Armee am 22. April 1997 die Botschaft stürmen und alle Geiselnehmer erschießen. 71 Geiseln werden befreit.

Seit Beginn der Besetzung hat Warnke von Malena nichts mehr gehört, und noch immer stellt er keinen Zusammenhang her. Der Regierung in Den Haag kommt es langsam spanisch vor, daß kein niederländisches Botschaftspersonal von der Geiselnahme betroffen war. Warnke redet sich solange heraus, bis der Botschafter ihn mit geheimen Bildern von den Treffen mit Malena konfrontiert und ihn zur Demission zwingt. Warnkes Frau kehrt entrüstet nach Holland zurück und reicht die Scheidung ein. Warnke sackt ab, zumal, nachdem er auf den Bildern von der Befreiung die von ihm schwangere Malena unter den getöteten Geiselnehmern identifiziert hat.

Eines Tages trifft er, mittlerweile auf der Straße lebend, einen Kollegen Malena wieder, den er am Anfang ihrer Beziehung auf einem als Chorprobe getarnten Fest der Rebellen kennen gelernt hat. Und auch er, Warnke, geht nach diesem Treffen dem sicheren Tod entgegen ...

Schon der Protagonist in Grünbergs letztem Roman "Der Vogel ist krank" nimmt ein tödliches Ende. Auch hier im neuen Roman scheint der einzige Ausweg aus einer absolut sinnlos erlebten Existenz ein genauso sinnloser Tod.

Der neue Roman ist unterhaltsamer zu lesen als der letzte, der von Anfang bis Ende den Leser angesichts irritierend-hoffnungsloser Figuren eher deprimierte. Und doch irritiert auch hier das Ende.

Grünbergs sarkastisch-grotesker Stil, bis hin zum absolut Nihilistischen, das gar keinen Sinn in einer als sinnlos empfundenen Welt erkennen will, ist keine leichte Kost für Menschen, die doch einen großen Teil ihres Lebens damit verbringen, einen solchen Sinn immer wieder zu entdecken und ihren Kindern zu vermitteln. Dennoch ist die Lektüre dieses Buches eine immer wieder interessante und nicht selten auch amüsante Herausforderung.
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